KI-Weiterbildung: 42% der Jobsuchenden bevorzugen Arbeitgeber mit Trainings
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Einer aktuellen Umfrage von iCIMS zufolge gewinnt die Bereitstellung von KI-Weiterbildungen massiv an Bedeutung für die Personalgewinnung. Demnach geben 42 Prozent der 1.000 befragten Jobsuchenden an, dass sie Arbeitgeber mit entsprechenden Trainingsangeboten attraktiver finden. Rund 14 Prozent der Befragten würden für den Zugang zu solchen Qualifizierungsmaßnahmen sogar ein geringeres Gehalt in Kauf nehmen.
Wachsender Bedarf an strukturierter Weiterbildung
Die Daten von iCIMS verdeutlichen eine wachsende Kluft zwischen dem Eigenengagement der Arbeitnehmer und den Angeboten der Unternehmen. Während der Anteil derer, die sich KI-Fähigkeiten im Selbststudium aneignen, binnen eines Jahres von 22 Prozent auf 30 Prozent gestiegen ist, stagnieren die Trainingsprogramme auf Arbeitgeberseite bei etwa jedem sechsten Unternehmen.
Gleichzeitig ist das Interesse der Beschäftigten hoch: 47 Prozent der Befragten arbeiteten in den vergangenen sechs Monaten aktiv an ihren KI-Kompetenzen, und 60 Prozent fühlen sich für den Einsatz der Technologie bereit. Allerdings beschränkt sich das vorhandene Wissen oft auf Basiskenntnisse.
So gaben 61 Prozent an, lediglich mit Allzweck-Werkzeugen wie ChatGPT, Copilot oder Gemini vertraut zu sein. Tiefgreifende Fachkenntnisse wie Prompt Engineering (18 Prozent) oder die Entwicklung von Machine-Learning-Modellen (17 Prozent) sind seltener vertreten.
Dieser Trend trifft auf einen sich wandelnden US-Arbeitsmarkt. Laut dem iCIMS-Report für September 2026 waren die Stellenanzeigen im Vergleich zu den Einstellungen den dritten Monat in Folge rückläufig. Die durchschnittliche Zeit bis zur Besetzung einer Stelle lag bei 40 Tagen, wobei pro Ausschreibung etwa 30 Bewerbungen eingingen.
Deutschland als bedeutender Markt für KI-Fachkräfte
International rückt Deutschland bei der Nachfrage nach spezialisierten Talenten weiter nach vorne. Laut einer Studie von WTW belegt die Bundesrepublik hinter den USA und Indien den dritten Platz bei der Nachfrage nach KI-Fachkräften.
Die Vergütungsunterschiede bleiben jedoch erheblich: Während Experten für Machine Learning auf mittlerer Fachebene in den USA eine Median-Gesamtvergütung von über 170.000 US-Dollar erzielen, liegt dieser Wert in Deutschland bei rund 122.000 US-Dollar.
Um digitale Talente zu binden, setzen Unternehmen auf verschiedene Strategien. Demnach bieten 45 Prozent der befragten Firmen eine höhere Grundvergütung an, 38 Prozent nutzen flexible Arbeitsmodelle und 29 Prozent setzen auf gezielte Weiterbildung. Auch Retention-Boni sowie Aktienoptionen (RSU) kommen zum Einsatz.
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Ein Bericht von PwC stützt die Relevanz dieser Qualifikationen. Stellenanzeigen, die Kenntnisse in Bereichen wie Machine Learning oder Prompt Engineering fordern, verzeichneten ein Plus von 69 Prozent, während der Gesamtmarkt lediglich um 9 Prozent wuchs. Zudem konnten Unternehmen mit hoher KI-Nutzung seit 2018 eine deutliche Steigerung der Arbeitsproduktivität verzeichnen, in Spitzenfällen um durchschnittlich 163 Prozent.
Herausforderungen im Mittelstand und in der Logistik
Trotz des Potenzials bestehen erhebliche Hürden. In einer Bitkom-Umfrage unter Logistikunternehmen nannten 73 Prozent den Mangel an Fachkräften und Know-how als größtes Hindernis für die Digitalisierung; 54 Prozent fehlt es konkret an KI-Expertise. Dennoch nutzen bereits 51 Prozent der befragten Logistikbetriebe KI, gegenüber 22 Prozent im Jahr 2022.
Auch Tech-Startups spüren den Einfluss der Technologie auf ihre Personalplanung. Im Sommer 2026 lag die durchschnittliche Belegschaft bei zwölf Beschäftigten, nach 13 im Vorjahr. Rund 27 Prozent der Startups verzichteten in den letzten zwölf Monaten aufgrund von KI-Anwendungen auf Neueinstellungen. Dennoch blicken 62 Prozent optimistisch in die Zukunft und erwarten steigende Beschäftigtenzahlen.
Auswirkungen auf Lohngefüge und Arbeitsplatzsicherheit
Die ökonomischen Folgen der KI-Einführung werden kontrovers bewertet. Eine Umfrage des Ifo-Instituts zeigt, dass besonders bei Beschäftigten mit geringer Berufserfahrung ohne Hochschulabschluss sinkende Löhne befürchtet werden. Rund 48,3 Prozent der befragten KI-nutzenden Unternehmen erwarten in diesem Segment Rückgänge.
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Die Bundesagentur für Arbeit meldete für August 2026 eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent, wobei vor allem das verarbeitende Gewerbe sowie die Metall- und Elektroindustrie Beschäftigungsrückgänge verzeichneten. Das IAB prognostiziert in einem Forschungsbericht, dass in den kommenden 15 Jahren rund 790.000 Arbeitsplätze durch KI wegfallen könnten, wobei in ähnlicher Größenordnung neue Stellen entstehen dürften.
Branchenexperten wie Michael Maier von Iteratec Österreich betonen, dass die KI-Transformation zu 70 Prozent eine menschliche und nur zu 30 Prozent eine technologische Herausforderung darstellt.
Thuy-Ngan Trinh von A11 ergänzte im Vorfeld der Konferenz „Brains on Silicon“, dass das Zögern in den Führungsetagen oft die größte Hürde für den Einsatz von KI als Wachstumsmotor sei. Die Bedeutung von Re-Skilling und die Zukunft des Ingenieurberufs werden zudem Anfang Oktober 2026 auf einer Tagung des VDI am Fraunhofer IGP in Rostock thematisiert.
