Löhne, Firmen

KI und Löhne: 48 % der Firmen senken Gehälter für Berufseinsteiger

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Laut Ifo-Institut erwarten rund die Hälfte der befragten Firmen sinkende Löhne für Berufseinsteiger. Auch die ILO meldet einen Anstieg der globalen Jugendarbeitslosigkeit.

KI-Einsatz in Unternehmen: Ifo-Umfrage prognostiziert sinkende Einstiegsgehälter
Ein junger Berufseinsteiger sitzt nachdenklich vor einem Laptop in einem modernen, hellen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arbeitswelt könnte die Gehaltsaussichten für Berufseinsteiger in den kommenden Jahren massiv unter Druck setzen.

Wie das Ifo-Institut am 12. August 2026 auf Basis einer Umfrage unter mehr als 3.000 KI-nutzenden Unternehmen mitteilte, rechnen 48,3 % der befragten Firmen in einem Zeitraum von fünf Jahren mit sinkenden Löhnen für Berufseinsteiger ohne Hochschulabschluss.

Bei Absolventen mit Hochschulabschluss und weniger als fünf Jahren Berufserfahrung erwarten sogar 50,8 % der Unternehmen rückläufige Gehaltsentwicklungen.

Branchenspezifische Unterschiede bei der Lohnentwicklung

Die Erwartungen hinsichtlich sinkender Löhne variieren laut den Daten des Ifo-Instituts deutlich zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen. Besonders betroffen zeigen sich Dienstleistungsunternehmen, von denen 53,3 % geringere Löhne für Einsteiger ohne Abschluss prognostizieren. Im Handel liegt dieser Wert bei 47,9 %, gefolgt von der Industrie mit 46,5 %. Im Baugewerbe sind die Erwartungen mit 39 % etwas weniger pessimistisch ausgeprägt.

Im Gegensatz zu den Berufseinsteigern scheinen erfahrene Arbeitskräfte stabiler positioniert zu sein. Bei erfahrenen Beschäftigten ohne Hochschulabschluss gehen 40,4 % der Firmen von sinkenden Löhnen aus, während 9,7 % sogar Steigerungen erwarten. In der Gruppe der erfahrenen Akademiker rechnen 37,5 % mit Abschlägen, während 26 % eine positive Lohnentwicklung voraussagen.

Globale Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit und KI-Einfluss

Zeitgleich zum Ifo-Bericht legte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) am 12. August 2026 globale Daten zur Beschäftigungssituation junger Menschen vor.

Demnach stieg die weltweite Jugendarbeitslosigkeit von 12,3 % im Jahr 2023 auf aktuell 12,4 %. Dies entspricht rund 67 Millionen arbeitslosen Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Besonders hohe Quoten verzeichnen die arabischen Staaten mit 26,2 % und Nordafrika mit 22,6 %. In Europa liegt der Wert bei 15 %.

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Die ILO identifiziert KI als einen factor, der den Berufseinstieg erschwert, insbesondere in den Bereichen Büro, Verwaltung, Verkauf und Produktion. Demgegenüber steige die Nachfrage in technischen Berufen wie dem Ingenieurwesen oder der Informations- und Kommunikationstechnik.

Laut einem Szenario der Organisation könnten in Europa etwa 850.000 junge Beschäftigte betroffen sein, sollte es in stark KI-exponierten Jobs zu einem Verlust von 10 % der Stellen kommen. ILO-Generaldirektor Houngbo warnte in diesem Zusammenhang vor einem Vertrauensverlust einer ganzen Generation und forderte verstärkte Investitionen in die Bildung.

Angespannte Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Auch in Deutschland zeigen sich deutliche Anzeichen einer Verschlechterung für junge Arbeitssuchende. Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stieg die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren von 188.000 zu Beginn des Jahres 2022 auf zuletzt 287.000 Personen.

Besonders markant ist die Entwicklung bei Akademikern unter 30 Jahren, deren Arbeitslosenzahl seit Juni 2022 um 119 % zugenommen hat. Ein Ökonom des IAB sprach in diesem Kontext von einer Erneuerungskrise; allein die Industrie verliere monatlich etwa 15.000 Arbeitsplätze.

Eine Untersuchung der Stanford University vom Juni 2026 stützt diesen Trend. Die Beschäftigungslücke für 22- bis 25-Jährige in Berufen mit hoher KI-Exposition lag demnach bei 19 % unter dem Niveau vergleichbarer Altersgruppen. Im Juli 2025 hatte dieser Wert noch 15 % betragen. Ein flächendeckender Jobverlust wurde dabei nicht beobachtet, der Rückgang konzentriere sich primär auf Bereiche, in denen KI zur Automatisierung genutzt werde.

Strategiewechsel bei Unternehmen und Startups

Die veränderten Rahmenbedingungen spiegeln sich auch im Verhalten der Arbeitgeber wider. Eine Umfrage des Verbandes Bitkom ergab am 12. August 2026, dass 27 % der Tech-Startups aufgrund von KI bereits auf Neueinstellungen verzichtet haben, während 7 % Stellen abbauten.

Für die Zukunft planen 28 % dieser Unternehmen, auf Neueinstellungen zu verzichten. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl in diesen Startups sank von 15 im Jahr 2024 auf aktuell 12.

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Das Beratungsunternehmen Kienbaum ermittelte zudem, dass 35 % der Firmen bis zum Jahr 2030 weniger Juniorpositionen besetzen wollen. Großunternehmen wie PwC reagieren bereits: Die Beratungsgesellschaft plant, die Einstellung von Berufseinsteigern in den USA innerhalb von drei Jahren um ein Drittel zu reduzieren. Zudem wurde die Anzahl der Standorte für Berufseinsteiger weltweit drastisch von 72 auf 13 gesenkt.

Zusätzlich verschärft sich die Situation durch regulatorische Rahmenbedingungen und Befristungen. Laut dem Statistischen Bundesamt waren im vergangenen Jahr 18,3 % der 15- bis 25-Jährigen befristet beschäftigt, während der Gesamtdurchschnitt bei 6 % lag. Die Bundesregierung plant derzeit, die Möglichkeiten zur sachgrundlosen Befristung auf bis zu vier Jahre zu verlängern.

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