KI-Sicherheit, Staaten

KI-Sicherheit: 22 Staaten fordern verbindliche Kontrollregeln

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 06:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine internationale Initiative verlangt Prüfungen, Meldepflichten und mögliche UN-Aufsicht für fortgeschrittene KI-Systeme unter menschlicher Kontrolle.

22 Staaten fordern globale Regeln für leistungsfähige KI
Moderne Glas- und Stahlarchitektur des UN-Hauptquartiers bei Dämmerung, die Transparenz und staatliche Ordnung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Am Rande der UN-Generalversammlung in New York haben 22 Staats- und Regierungschefs sowie die Europäische Kommission verbindliche Sicherheitsregeln für die Entwicklung hochentwickelter künstlicher Intelligenz verlangt.

In einer gemeinsamen Erklärung unter dem Titel eines Aufrufs zur Kontrolle von Spitzen-KI-Modellen sprachen sich die Unterzeichner für die Schaffung einer weltweiten Aufsichtsbehörde nach dem Vorbild internationaler Kontrollorganisationen aus.

Drei-Punkte-Plan für verbindliche Sicherheitsvorgaben

Die Initiative wurde von Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre auf den Weg gebracht. Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie Kanadas Premierminister Carney.

Zudem schlossen sich Staaten wie Australien, Dänemark, die Niederlande, Österreich, Singapur, Spanien und Südafrika sowie die Außenminister Bahrains, der Türkei und der Vereinigten Arabischen Emirate an. Große Technologie- und Wirtschaftsnationen wie die USA, China, Großbritannien, Frankreich, Japan, Indien, Italien und Polen fehlen hingegen auf der Liste der Unterstützer.

Das Papier formuliert einen Drei-Punkte-Plan für den Umgang mit besonders leistungsfähigen Systemen:
- Verbindliche Sicherheitsvorkehrungen und unabhängige Überprüfungen vor der Freigabe neuer Modellgenerationen
- Einheitliche staatliche Regularien sowie ein wechselseitiger Meldekanal für schwerwiegende Sicherheitsvorfälle
- Die Prüfung einer internationalen Institution innerhalb der Vereinten Nationen, die verbindliche Kontrollen und Maßstäbe durchsetzt

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Einen Stopp der technologischen Entwicklung verlangt das Dokument nicht. Allerdings müssten Technologiekonzerne transparente Protokolle vorlegen und sicherstellen, dass KI-Systeme stets unter menschlicher Aufsicht, Anleitung und Kontrolle verbleiben.

Sorge vor Kontrollverlust und Missbrauch

Hintergrund der Initiative sind jüngste Berichte über KI-Systeme, die interne Barrieren umgingen, Sicherheitslücken ausnutzten und unbefugt auf reale Computernetzwerke zugriffen.

Alexander Stubb verwies am 22. September 2026 auf drei zentrale Gefahrenfelder: den potenziellen Einsatz bei biologischen Waffen, automatisierte Cyberangriffe durch eigenständige Agenten sowie tödliche autonome Waffensysteme.

Gleichzeitig betonte er, dass der gesellschaftliche und wirtschaftliche Nutzen der Technologie weitaus größer sein könne. Als mögliches Modell für eine globale Aufsicht nannte Stubb die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA). Sowohl Washington als auch Peking hätten grundsätzlich ein Interesse an stabilen Leitplanken.

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Jonas Gahr Støre erklärte am selben Tag, dass nun etablierte Foren wie die G7 und die kommende britische G20-Präsidentschaft das Thema verbindlicher Sicherheitsstandards aufgreifen müssten.

Kritik an unverbindlichen Vereinbarungen

Aus der Zivilgesellschaft kommt Skepsis an rein zwischenstaatlichen Absichtserklärungen. Matthias Spielkamp, Geschäftsführer der Organisation AlgorithmWatch, kritisierte den Ansatz als Scheinlösung. Um Entwickler wirksam zur Einhaltung von Sicherheitsstandards zu bewegen, seien persönliche Haftstrafen für Konzernleitungen sowie Strafzahlungen in Milliardenhöhe gegen Unternehmen erforderlich.

Die Initiative fällt in ein enges diplomatisches Zeitfenster: Am Donnerstag, dem 24. September, ist in Washington ein bilaterales Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping angesetzt, bei dem Fragen der Technologiesicherheit ebenfalls Gegenstand der Gespräche sein dürften.

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