KI-Rechenzentren: Dröge warnt vor Konflikten bei 99 geplanten Anlagen
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 23:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Dröge, hat vor erheblichen gesellschaftlichen Spannungen und Konflikten gewarnt, die durch einen ungesteuerten Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) in Deutschland entstehen könnten. Angesichts der rasanten Expansion der Branche mahnte die Politikerin strengere ökologische und ökonomische Auflagen an, um die Akzeptanz in der Bevölkerung langfristig zu sichern.
Lehren aus den USA und ökologische Forderungen
Hintergrund der Warnung sind Erfahrungen aus den USA, wo Dröge Ende August in Cleveland Gespräche mit Aktivisten der Organisation Conserve Ohio führte. In den Vereinigten Staaten hat sich der Widerstand gegen Großprojekte dieser Art bereits zu einem maßgeblichen politischen Faktor entwickelt.
Laut Berichten lehnen drei Viertel der US-Bürger Rechenzentren in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ab. Proteste, wie sie etwa im kalifornischen Imperial zu beobachten sind, beeinflussen den Wahlkampf und werden als potenzielle Belastung für die politische Führung wahrgenommen.
Um eine ähnliche Entwicklung in Deutschland zu verhindern, fordert Dröge nach ihrer Rückkehr verbindliche Kriterien für den Betrieb. Rechenzentren müssten ihren Energiebedarf zwingend aus zusätzlichen erneuerbaren Quellen decken.
Zudem verlangte sie eine konsequente Abwärmenutzung, einen geringen Wasserverbrauch sowie den Verzicht auf klimaschädliche Kältemittel. Finanziell sollten die Standortkommunen durch eine Gewerbesteuer profitieren, die sich am Stromverbrauch der Anlagen orientiert, um einen fairen Ausgleich für die lokale Belastung zu schaffen.
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Massive Expansion bei mangelnder Transparenz
Aktuelle Daten untermauern die Dynamik des Sektors. Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung zufolge sind in Deutschland derzeit 99 neue Rechenzentren geplant, während sich 41 Projekte bereits in der Bauphase befinden.
Mehr als ein Drittel dieser Vorhaben wird von Unternehmen mit Sitz außerhalb der Europäischen Union vorangetrieben, wobei zwei Drittel dieser ausländischen Investoren aus den USA stammen. Das Aktionsbündnis „Heiße Luft“ wies darauf hin, dass US-Konzerne wie AWS, Microsoft und Google rund ein Drittel der neuen Anlagen errichten.
Trotz der Zielsetzung der Bundesregierung, die Kapazitäten bis 2030 zu vervierfachen, gibt es Defizite bei der staatlichen Aufsicht. Ein Viertel der geplanten Projekte liegt in Regionen, die bereits heute von Wasserknappheit betroffen sind. Dem Digitalministerium fehle hierzu jedoch ein vollständiger Überblick. Lokale Amtsträger wie Petra Schulze, Bürgermeisterin von Schuby, warnten in diesem Zusammenhang vor einer sogenannten Goldgräberstimmung.
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Lokale Konflikte am Beispiel Gießen
Wie konkret der Widerstand vor Ort ausfallen kann, zeigt die Entscheidung des Gießener Stadtparlaments Ende August. Die Abgeordneten stimmten mehrheitlich für den Bebauungsplan „Katzenfeld“, der den Bau eines Rechenzentrums durch den Investor Daniel Beitlich (Revikon) ermöglicht.
Das Projekt umfasst ein Investitionsvolumen von über 1 Milliarde Euro auf einer Fläche von 6 Hektar. Trotz der Aussicht auf bis zu 900 Arbeitsplätze demonstrierten rund 150 Menschen gegen das Vorhaben.
Kritikpunkte sind vor allem die geplante Anschlussleistung von 65 MW, die den Stromverbrauch der gesamten Stadt übersteigt, sowie die zweifelhafte Effizienz der Abwärmenutzung.
Zwar hat die Stadt den Baubeginn ab 2027 an Auflagen wie 100 Prozent Ökostrom und einen geschlossenen Kühlkreislauf gebunden, dennoch bleibt die Skepsis in der Bevölkerung groß. Um den Ausbau bundesweit zu koordinieren, priorisieren Netzbetreiber bereits seit April dieses Jahres Anschlüsse nach der konkreten Baureife der Projekte.
Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: „KI-Rechenzentren in Deutschland: Bürgermeisterin warnt vor Goldgräberstimmung“
