KI-Phishing, Cyberangriffe

KI-Phishing: 86% aller Cyberangriffe nutzen künstliche Intelligenz

26.06.2026 - 23:29:39 | boerse-global.de

BSI-Präsidentin warnt vor neuer Ära der Cyberkriminalität durch KI. Phishing-Klickraten steigen auf 54 Prozent, Schäden in Milliardenhöhe.

KI-Phishing: 1.380 Prozent mehr Angriffe alarmieren BSI
KI-Phishing - Eine Hand hält ein Smartphone mit einer Phishing-Nachricht, im Hintergrund verschwommene digitale Codes und Binärströme. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Bedrohungslage im Netz hat sich dramatisch verschärft – und das liegt vor allem an Künstlicher Intelligenz.

Auf der Nationalen Cybersicherheits-Konferenz in Potsdam zeichnete BSI-Präsidentin Claudia Plattner am Mittwoch ein düsteres Bild: KI-gestützte Angriffe hätten eine „neue Zeitrechnung“ eingeläutet. Die Zahlen untermauern diese Warnung: Im Juni 2026 stiegen KI-Phishing-Angriffe um 1.380 Prozent.

Branchenanalysten zufolge nutzen mittlerweile 86 Prozent aller Phishing-Angriffe Künstliche Intelligenz. Die Erfolgsquote ist erschreckend: Während klassische Phishing-Mails auf etwa 12 Prozent Klickrate kommen, erreichen KI-generierte Nachrichten 54 Prozent.

Rekordschäden und steigende Fallzahlen

Die Kriminalstatistik spiegelt die Entwicklung wider. Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete für 2025 insgesamt 382.470 gemeldete Phishing-Fälle. Der Bitkom beziffert den Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft auf rund 289 Milliarden Euro.

BKA-Vizepräsidentin Martina Link fordert deshalb eine gesetzliche Grundlage für eine aktivere Cyberabwehr. Die Behörden sehen sich derzeit mit einer Flut von Angriffen konfrontiert, die immer professioneller werden.

WhatsApp zieht nach: Neue Sicherheitswarnung in der Beta

Ein Schwerpunkt der aktuellen Angriffswelle liegt auf Messenger-Diensten. WhatsApp reagiert nun mit einer neuen Sicherheitsfunktion, die sich derzeit in der Beta-Phase für Android und iOS befindet.

Die Funktion führt Metadaten-Abgleiche durch und blockiert potenzielle Angriffe, noch bevor ein Chat aufgerufen wird. Ein Warnbildschirm zeigt den Registrierungsort der Telefonnummer an – das soll die Identifikation verdächtiger Kontakte erleichtern.

Booking.com-Datenleck: Perfide Phishing-Welle trifft Reisende

Besonders dreist ist eine aktuelle Masche, die auf echte Buchungsdaten setzt. Kriminelle nutzen Informationen aus einem Leck bei Booking.com und versenden über WhatsApp gefälschte Nachrichten im Namen von Hotels.

Ziel ist der Abgriff von Zahlungs- und Kreditkartendaten. Sicherheitsexperten von Kaspersky warnen zudem vor schädlichen Anhängen, die über gehackte Konten bekannter Kontakte versendet werden.

Anzeige

KI-Phishing erreicht 54 % Klickrate – Ihr Unternehmen ist im Visier. Mit dem kostenlosen Sicherheits-Check erkennen Sie Angriffe in 3 Schritten und erhalten einen konkreten Notfallplan. Sicherheits-Check per E-Mail anfordern

Getarnt als Rechnungen oder Kontoauszüge installieren Skriptdateien wie .vbs oder .js Fernwartungssoftware auf den Geräten der Opfer.

Banken im Visier: Von gefälschten Mails bis SMS-Spoofing

Auch der Finanzsektor bleibt unter Druck. Verbraucherschützer warnten am Donnerstag vor gefälschten E-Mails im Namen der Deutschen Bank. Unter dem Vorwand einer Aktualisierung von Kontaktdaten versuchen Betrüger, Log-in-Informationen zu entwenden.

In Braunschweig meldete die Polizei zeitgleich eine Phishing-Welle bei Online-Verkäufen. Opfer werden über manipulierte Zahlungsbestätigungen auf Phishing-Seiten gelockt.

Ein Fall aus Februar 2026 zeigt das Ausmaß möglicher Schäden: Ein Trade-Republic-Kunde verlor 18.000 Euro durch SMS-Spoofing. Betrüger platzierten gefälschte Nachrichten in einen echten Chatverlauf. Der Europäische Gerichtshof und der Bundesgerichtshof prüfen derzeit die Haftungsfragen.

Ermittlungserfolge: Bande zerschlagen, Server stillgelegt

Trotz der steigenden Fallzahlen gibt es auch Erfolge zu vermelden. Die spanische Polizei zerschlug in Zusammenarbeit mit Europol eine Betrügerbande, die unter anderem 3.500 deutsche Opfer geschädigt haben soll.

Der Gesamtschaden wird auf über 9 Millionen Euro beziffert. Bei Razzien auf Mallorca und in Barcelona wurden Bargeld, Kryptowährungen und Luxusgüter sichergestellt.

Ein weiterer Meilenstein ist die „Operation Endgame“. Das BKA, Europol und Partner wie Microsoft gingen gegen Malware-Netzwerke wie SocGholish und StealC vor. Etwa 300 Server wurden stillgelegt, 27 Millionen Zugangsdaten gesichert und Kryptowerte im Wert von 47 Millionen US-Dollar beschlagnahmt.

Milliardeninvestitionen gefordert: Europa braucht eigene KI

Anzeige

86 % aller Phishing-Angriffe nutzen KI. Sind Ihre Mitarbeiter gewappnet? Der kostenlose Sicherheits-Check zeigt Ihnen die aktuellen Gefahren und wie Sie sich schützen. Sicherheits-Check anfordern

Um langfristig bestehen zu können, fordert BSI-Präsidentin Plattner Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe in die Cybersicherheit. Ein zentraler Punkt der Strategie: der Aufbau einer europäischen KI-Alternative.

Die Abhängigkeit von US-amerikanischen Modellen müsse verringert werden. Diese Forderung gewann nach der Abschaltung des US-KI-Modells „Mythos 5“ durch die amerikanische Regierung zusätzlich an Dringlichkeit – ein Thema, das die Sicherheitschefs in Potsdam intensiv diskutierten.

de | wirtschaft | 69636043 |