KI-Kluft am Arbeitsmarkt: 86% wollen Schulung, 14% bekommen sie
30.05.2026 - 00:39:18 | boerse-global.dePolitik und Wissenschaft reagieren mit einem Konzept, das in aller Munde ist: Resilienz. Die Widerstandsfähigkeit von Beschäftigten und Betrieben soll durch gezielte Bildungsinitiativen gestärkt werden.
Sammelband liefert neue Forschungsansätze
Ein für Juni angekündigter Sammelband mit dem Titel „Arbeitslehre und Resilienz“ bündelt neueste wissenschaftliche Erkenntnisse. Die 13 Beiträge basieren auf einer Fachtagung der Gesellschaft für Arbeit, Technik und Wirtschaft im Unterricht (GATWU) vom Herbst 2024.
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Die Autoren plädieren für eine arbeitsorientierte Bildung, die Resilienz als Kernkompetenz begreift. Im Fokus stehen die Auswirkungen der digitalen Transformation und der Fachkräftemangel. Die Publikation, gefördert durch die wbv Open Library, zeigt: Lernende müssen auf eine Arbeitswelt vorbereitet werden, in der Anpassungsfähigkeit und Unsicherheitsbewältigung zentrale Anforderungen sind.
Resilienzlabor in Berlin eröffnet
Am 28. Mai 2026 wurde am Berliner Ostbahnhof das „Resilienzlabor“ eröffnet. Das vom Bund geförderte Projekt „Resilia“ – unter Beteiligung der Universität der Bundeswehr, der Berliner Feuerwehr und der Freien Universität Berlin – soll die zivil-militärische Zusammenarbeit stärken.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär betonte bei der Eröffnung: Das Labor sei ein Ort für gemeinsame Lösungen von Hilfsorganisationen und Militär. Geplant sind Krisentrainings für Behörden und interaktive Szenarien für Bürger. Simuliert werden Stromausfälle, Naturkatastrophen oder kriegerische Auseinandersetzungen. Der reguläre Betrieb soll Ende 2026 oder Anfang 2027 starten.
DRK fordert Zivilschutz im Unterricht
Parallel dazu drängt DRK-Präsident Hermann Gröhe auf die Integration von Zivilschutz-Themen in den Schulunterricht. Er unterstützt die Bestrebungen zur Stärkung des Bevölkerungsschutzes, kritisiert aber gleichzeitig bestehende Ausstattungsmängel – etwa bei mobilen Betreuungsmodulen.
Handwerk entdeckt neue Geschäftsfelder
Auch die Wirtschaft sucht nach Wegen, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. In Düsseldorf fand am 28. Mai 2026 die bundesweit erste Konferenz „Verteidigung. Resilienz. Handwerk“ statt. Vertreter der nordrhein-westfälischen Landesregierung, darunter die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur, diskutierten über Chancen für Handwerksbetriebe durch die veränderte Sicherheitslage.
Ziel: Die Rolle des Handwerks für die nationale Resilienz hervorheben und neue Geschäftsfelder in Sicherheitstechnik und Infrastruktur identifizieren.
KI verändert den Arbeitsmarkt rasant
Der Druck auf den Arbeitsmarkt wird durch die rasante KI-Entwicklung verschärft. Laut einer aktuellen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind weltweit rund 25 Prozent der Beschäftigten in Berufen tätig, die stark von KI-Anwendungen betroffen sind. In Österreich liegt dieser Anteil bei 34 Prozent, der Internationale Währungsfonds (IWF) geht für fortgeschrittene Volkswirtschaften sogar von 60 Prozent aus.
Besonders Büro- und Verwaltungstätigkeiten stehen unter Veränderungsdruck. Die Kluft bei der KI-Kompetenz ist enorm: 86 Prozent der Arbeitnehmer sehen Schulungsbedarf, doch nur 14 Prozent erhalten entsprechende Fortbildungen. Und ein Paradox zeigt sich: KI-Nutzer gewinnen täglich etwa 2,3 Stunden durch Automatisierung, müssen aber im Schnitt 2,6 Stunden für die Korrektur von KI-Fehlern aufwenden.
Arbeitsmarkt: 2,95 Millionen Arbeitslose
Die aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Mai 2026 unterstreicht die Notwendigkeit struktureller Reformen. Mit 2,95 Millionen Arbeitslosen und einer Quote von 6,3 Prozent sieht BA-Chefin Andrea Nahles keine Trendwende. Trotz der hohen Arbeitslosigkeit gibt es 157 Engpassberufe – vor allem im Elektrohandwerk, in der Pflege und bei Berufskraftfahrern.
Ausbildungsmisere: 30 Prozent Abbrecher
Ein besonderes Problem ist der Ausbildungsmarkt. Rund 30 Prozent der Ausbildungsverhältnisse werden vorzeitig abgebrochen. In Niedersachsen reagiert das Projekt „Next Level BO“ mit einem digitalen Netzwerk zur besseren Vermittlung von Praktika und Ausbildungsplätzen. Wirtschaftsminister Grant-Hendrik Tonne betont: Der Zugang von Unternehmen zu Schulen muss verbessert werden, um die Berufsorientierung praxisnäher zu gestalten.
Um die hohe Abbrecherquote zu senken, ist eine professionelle Begleitung ab dem ersten Arbeitstag entscheidend. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden inklusive Checkliste, wie Sie neue Mitarbeiter und Auszubildende erfolgreich integrieren und langfristig binden. Kostenlose Onboarding-Checkliste für Führungskräfte herunterladen
Um die Ausbildungsbereitschaft zu erhöhen, wird erneut über eine bundesweite Ausbildungsplatzumlage diskutiert. Berlin führt eine solche Umlage bereits ein, auf Bundesebene bleibt das Vorhaben aufgrund politischer Widerstände umstritten. Befürworter verweisen auf die Baubranche, in der solche Modelle seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert werden.
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