KI-Infrastruktur, Schwarz

KI-Infrastruktur: Schwarz Gruppe investiert 5,6 Milliarden in Großrechenzentrum

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 20:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Schwarz Gruppe will bis zu 5,6 Milliarden Euro in Dummerstorf investieren und STACKIT mit bis zu einem Gigawatt ausbauen.

Schwarz Gruppe plant Milliarden-Rechenzentrum für STACKIT
Modernes Rechenzentrum in einer weitläufigen Industrielandschaft mit Windkraftanlagen im Hintergrund bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die Schwarz Gruppe treibt den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur massiv voran und plant die Errichtung eines neuen Großrechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock. Wie am 28. August 2026 bekannt wurde, sieht das Vorhaben eine Investitionssumme von bis zu 5,6 Milliarden Euro vor.

Mit diesem Schritt festigt der Handelskonzern seine Ambitionen, mit der eigenen Cloud-Sparte STACKIT als europäischer Hyperscaler eine führende Rolle im Wettbewerb mit US-amerikanischen Anbietern einzunehmen.

Massive Kapazitätserweiterung bis 2045

Das geplante Rechenzentrum im Gewerbepark Ostsee soll schrittweise realisiert werden. Nach aktuellen Planungen wird bis zum Jahr 2033 eine Leistung von 240 Megawatt angestrebt. Langfristig ist ein Ausbau der Kapazität auf bis zu 1 Gigawatt bis zum Jahr 2045 vorgesehen.

Das Standort zeichnet sich durch eine strategische Nähe zur bestehenden Infrastruktur aus; so ist ein Anschluss an das 380-kV-Netz geplant. Zudem befindet sich das Areal in einer Distanz von etwa 350 bis 450 Metern zur nächsten Wohnbebauung.

In puncto Nachhaltigkeit setzt das Unternehmen auf ein geschlossenes Kühlsystem und die Nutzung von Windstrom. Eine Absichtserklärung mit den Stadtwerken Rostock sieht zudem vor, die entstehende Abwärme des Rechenzentrums in das lokale Fernwärmenetz einzuspeisen. Flankiert wird das Bauvorhaben durch eine Partnerschaft mit der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, die eine engere Zusammenarbeit im Bereich der digitalen Verwaltung vorsieht.

STACKIT auf Wachstumskurs

Das Projekt in Dummerstorf ist bereits das zweite Großvorhaben dieser Größenordnung innerhalb kurzer Zeit. Zuvor wurde ein Projekt in Lübbenau bekannt, das mit einem Investitionsvolumen von 11 Milliarden Euro und einer angestrebten Leistung von 200 Megawatt bis zum Jahr 2027 kalkuliert wird.

Hintergrund dieser massiven Investitionen ist der wirtschaftliche Erfolg der IT-Sparte: Im Jahr 2025 erzielte STACKIT einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 15,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

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Dynamik und Herausforderungen am deutschen Markt

Der Vorstoß der Schwarz Gruppe erfolgt inmitten eines beispiellosen Baubooms für KI-Infrastruktur in Deutschland. Aktuellen Branchenanalysen zufolge soll die Kapazität der Rechenzentren bis 2030 verdoppelt und die spezifische KI-Leistung auf 5.000 Megawatt vervierfacht werden.

Derzeit gibt es in Deutschland über 2.000 Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von mehr als 3.000 Megawatt. Eine aktuelle Recherche von NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) identifizierte bundesweit 99 geplante Rechenzentren, von denen sich 41 bereits im Bau befinden.

Trotz dieser Dynamik mehren sich kritische Stimmen bezüglich der Rahmenbedingungen. Der Siemens-Chef Roland Busch warnte in diesem Zusammenhang vor der Dauer europäischer Regulierungsprozesse.

Die Umsetzung von Vorgaben wie dem AI Act oder dem Data Act nehme oft zwei Jahre in Anspruch, während sich die technologische Entwicklung um ein Vielfaches schneller vollziehe. Er sehe in den aktuellen Investitionen jedoch keine Blase, sondern die historisch größte Wette auf eine neue Technologie, die zudem größtenteils aus dem Cashflow der Unternehmen finanziert werde.

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Nachhaltigkeit und administrative Hürden

Die zunehmende Zahl an Großprojekten stellt Kommunen vor wachsende Herausforderungen. Berichte aus Gemeinden beschreiben eine Art Goldgräberstimmung, die oft mit einer administrativen Überforderung einhergeht. Kritiker wie die Grünen-Fraktionschefin Britta Dröge mahnen eine nachhaltige Planung an, um gesellschaftliche Konflikte zu vermeiden.

Gefordert werden unter anderem der Einsatz von zusätzlichem Ökostrom, ein Verzicht auf klimaschädliche Kältemittel sowie eine stärkere finanzielle Beteiligung der Kommunen, etwa durch eine am Stromverbrauch orientierte Gewerbesteuer.

Auch die technologische Souveränität bleibt ein zentrales Thema. Laut einer Studie von IDC verstehen derzeit nur 13 Prozent der Unternehmen das Konzept der souveränen KI vollständig.

Zwar liege Deutschland mit einer Awareness-Quote von 29 Prozent im internationalen Vergleich vorn, doch mangelndes Risikoverständnis und Hürden bei der Infrastruktur sowie bei den Fachkräften bremsen die Entwicklung weiterhin aus.

Gleichzeitig wird erwartet, dass die Nutzung von KI-Agenten in den kommenden zwölf Monaten von 13 Prozent auf 67 Prozent ansteigen wird, was den Bedarf an leistungsfähigen Rechenzentren weiter verschärfen dürfte.

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