Recruiting, Firmen

KI im Recruiting: Nur 12 Prozent der Unternehmen setzen sie ein

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Obwohl 88 Prozent der Firmen KI im Recruiting erwägen, setzen bislang nur 12 Prozent sie im Bewerbungsprozess ein.

KI im Recruiting: Unternehmen zeigen Interesse, nutzen sie aber selten
Ein minimalistischer, moderner Büroflur mit klaren architektonischen Linien und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Während künstliche Intelligenz (KI) in der allgemeinen deutschen Wirtschaft zunehmend Fuß fasst, zeigt sich im Bereich der Personalrekrutierung ein differenziertes Bild.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom nutzen zwar bereits 57 % der Unternehmen KI im Arbeitsalltag, doch lediglich 12 % setzen die Technologie konkret im Bewerbungsprozess ein. Für die Studie wurden zwischen Ende April und Mitte Juni 2026 (Kalenderwoche 18 bis 25) insgesamt 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten in Deutschland befragt.

Diskrepanz zwischen Potenzial und praktischer Anwendung

Trotz der aktuell noch geringen Nutzungsrate im Recruiting signalisiert die Wirtschaft eine hohe Bereitschaft für künftige Investitionen. Demnach können sich 88 % der befragten Betriebe einen Einsatz von KI in diesem Bereich vorstellen.

Aktuell nutzen 9 % der Unternehmen die Technologie zur Erstellung von Stellenanzeigen, während 59 % dies in Erwägung ziehen. Eine zielgruppenspezifische Ausspielung dieser Anzeigen erfolgt derzeit bei 3 % der Firmen; 46 % prüfen diesen Schritt.

Besonders bei der Sichtung von Unterlagen bleibt die Zurückhaltung groß. Lediglich 6 % der Unternehmen setzen auf eine KI-gestützte Erstdurchsicht von Bewerbungen, wobei 27 % Interesse an einer solchen Lösung zeigen.

Kompetenzanalysen werden von 5 % durchgeführt, 34 % planen dies für die Zukunft. KI-gestützte Bewerbungsgespräche bilden mit einer Nutzungsquote von 2 % das Schlusslicht, wenngleich jedes sechste Unternehmen dieser Option offen gegenübersteht.

Digitale Infrastruktur als Basis für moderne Rekrutierung

Die Bitkom-Daten belegen eine vollständige Digitalisierung der Eingangskanäle: Digitale Bewerbungen sind bei allen befragten Unternehmen möglich. Zudem nutzen 73 % der Betriebe Bewerberpools. Videointerviews kommen bei 50 % zum Einsatz, weitere 34 % ziehen diese in Betracht. Digitale Assessments werden von 37 % der Firmen genutzt, während 32 % auf die digitale Vertragsunterzeichnung setzen.

Ergänzend zur Bitkom-Erhebung zeigt eine Studie von BCG und der WFPMA aus dem Jahr 2026, dass 74 % der Befragten in Deutschland generative KI bereits in HR-Bereichen oder Pilotprojekten nutzen. Allerdings bewerten lediglich 24 % die digitale HR-Leistungsfähigkeit ihrer eigenen Organisation als hoch.

Eine Untersuchung von DGFP und Gallup unterstreicht die Relevanz der Technologie im Arbeitsalltag von Personalern: 81 % der befragten Fachleute nutzen KI bereits täglich oder mehrmals pro Woche.

Anzeige

Welche KI-Systeme im Unternehmen als Hochrisiko gelten und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen, ist eine der zentralen Fragen der neuen Gesetzgebung. Dieser kostenlose Report klärt über die EU-KI-Verordnung auf und liefert die nötigen Antworten für die Praxis. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern

Reaktionen auf den Bewerber-Tsunami und veränderte Strategien

Unternehmen sehen sich zunehmend mit einer hohen Anzahl an Bewerbungen konfrontiert, die häufig durch Automatisierung oder KI-Tools erstellt wurden. Um dieser Flut an ähnlichen oder für Bewerber-Management-Systeme (ATS) optimierten Unterlagen zu begegnen, findet eine Verschiebung hin zum sogenannten „Skills-based Hiring“ statt. Dabei rücken praktische Aufgaben und die tatsächliche Kompetenzprüfung anstelle der klassischen Lebenslaufanalyse in den Fokus.

Die technologische Entwicklung führt auch zu neuen rechtlichen Fragestellungen. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf verhandelt am 2. Oktober 2026 über die Echtheit eines Facebook-Beitrags, bei dem im Raum steht, ob es sich um einen KI-generierten Screenshot handelt. In diesem Verfahren sind unter anderem ein Administrator einer Facebook-Gruppe sowie weitere Mitarbeiter als Zeugen geladen.

Regulatorische Anforderungen und technische Hürden

Der Einsatz von KI im Personalwesen unterliegt strengen regulatorischen Vorgaben. Die EU-KI-Verordnung ist seit dem 2. August 2026 weitestgehend anwendbar. Zudem betrifft das seit dem 6. Dezember 2025 geltende NIS2-Umsetzungsgesetz schätzungsweise 30.000 Unternehmen in Deutschland, die bestimmte Schwellenwerte bei Beschäftigtenzahl oder Jahresumsatz überschreiten.

Auch die Einhaltung der DSGVO, insbesondere hinsichtlich technischer Maßnahmen nach Artikel 32 und Meldepflichten nach Artikel 33, bleibt für HR-Abteilungen zentral.

Anzeige

Wer KI-Systeme rechtssicher im Unternehmen einsetzen möchte, muss die geltenden Fristen und Pflichten der neuen EU-Verordnung genau kennen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen und Ihrer Fachabteilung den notwendigen Überblick über alle Risikoklassen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Technisch scheitern KI-Projekte laut Frank Ihnen, Manager bei GFT Deutschland, häufig an veralteten Kern-Systemen und Datensilos. Er empfiehlt eine schrittweise Modernisierung der IT-Landschaft sowie den Einsatz von Kontrollmechanismen („Guardrails“) und menschlichen Freigaben.

Dass Sicherheitsbedenken berechtigt sind, zeigt eine Befragung von Veeam und Censuswide vom April 2026 unter 1.000 IT-Entscheidern in der EMEA-Region: 70 % der Unternehmen meldeten unbeaufsichtigte KI-Abläufe mit sensiblen Daten. Experten wie Ismael Valenzuela vom SANS-Institut raten daher zur konsequenten Inventarisierung von KI-Agenten und der Umsetzung von Zero-Trust-Strategien.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70196882 |