KI-Automatisierung, Chefs

KI-Automatisierung: 43% der Chefs bauen Junior-Stellen ab

28.05.2026 - 06:30:07 | boerse-global.de

Das Ifo-Beschäftigungsbarometer steigt im Mai auf 93,9 Punkte, während die Konjunkturprognosen für 2026 auf 0,45 Prozent halbiert werden.

KI-Automatisierung: 43% der Chefs bauen Junior-Stellen ab - Foto: über boerse-global.de
KI-Automatisierung: 43% der Chefs bauen Junior-Stellen ab - Foto: über boerse-global.de

Die Stimmung in deutschen Personalabteilungen hellt sich langsam auf, während die Konjunkturaussichten gleichzeitig düsterer werden. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer kletterte im Mai 2026 auf 93,9 Punkte – der höchste Stand seit Juli 2025. Das ist ein erstes Signal, dass die Unternehmen bei der Personalplanung nicht mehr ganz so zurückhaltend agieren wie in den Vormonaten.

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Ifo-Chefstatistiker Klaus Wohlrabe spricht von einer leichten Entspannung: Die Einstellungspläne seien weniger restriktiv geworden. Dennoch bleibt die Vorsicht groß. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geben wenig Anlass zur Euphorie.

Konjunkturflaute bremst die Hoffnung

Der moderate Anstieg beim Beschäftigungsbarometer fällt in eine Zeit gedämpfter Erwartungen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung legte am 27. Mai 2026 seinen Frühjahrsbericht vor – und die Prognose fällt ernüchternd aus. Das erwartete BIP-Wachstum für 2026 wurde auf rund 0,45 Prozent halbiert. Noch zuvor hatten die Experten 0,9 Prozent für möglich gehalten.

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Diese Zurückhaltung spiegelt sich auch in den langfristigen Einstellungstrends wider. Eine Analyse von Hays zeigt: Der Anteil der Unternehmen, die aktiv Personal suchen, ist von 66 Prozent im Jahr 2012 auf 41 Prozent im Jahr 2026 gefallen. Besonders deutlich wird der Wandel in der IT-Branche. Dort sank die Verweildauer der Mitarbeiter von 53 Prozent (2011) auf 45 Prozent (2026). Fachleute sehen eine wachsende Kluft zwischen den Erwartungen der Arbeitnehmer an Führung, Work-Life-Balance und Entwicklungschancen und der betrieblichen Realität.

Künstliche Intelligenz verändert den Einstieg

Der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz greift tief in die Personalstrukturen ein – besonders bei Berufseinsteigern. Eine Umfrage von Oliver Wyman und der New Yorker Börse unter 415 Vorstandsvorsitzenden ergab: 43 Prozent der Führungskräfte planen, Junior-Stellen wegen KI-Automatisierung abzubauen. Im Vorjahr waren es erst 17 Prozent. Zwar erwägen 74 Prozent der Unternehmen Einstellungsstopps oder Stellenstreichungen, doch nur 27 Prozent berichten, dass KI ihre Leistungserwartungen derzeit erfülle.

KI verändert auch die Auswahl der Kandidaten selbst. Eine Studie aus dem Jahr 2025 von Xu, Li und Jiang belegt: KI-gestützte Recruiting-Systeme bevorzugen häufig selbst KI-generierte Lebensläufe. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Bewerbungen ausgewählt werden, liegt demnach zwischen 23 und 60 Prozent höher. Aktuell setzen 57 Prozent der US-Unternehmen KI im Bewerbungsprozess ein, 79 Prozent nutzen automatisierte Tools zur Vorauswahl. Dennoch gilt bei 74 Prozent der Firmen: Ohne menschliche Prüfung gibt es keine Einstellung.

Um diesen Wandel zu bewältigen, erweitern Technologieanbieter ihre Werkzeuge. Salesforce und Cornerstone haben ihre Partnerschaft ausgebaut. Cornerstone integriert seine KI-Lösungen künftig in Plattformen wie Slack. Ziel ist es, Weiterbildung direkt in den Arbeitsalltag einzubetten – mit einem zentralen Datengraph, der die Qualifizierung an Vertriebs- und Betriebsanforderungen koppelt.

Neue Pflichten: Ausbildungsabgabe und Schwerbehindertenausgleich

Das Arbeitsrecht stellt die Arbeitgeber vor zusätzliche finanzielle und administrative Herausforderungen. Berlin führt – dem Vorbild Bremens folgend – eine Ausbildungsplatzumlage ein, die 2028 in Kraft treten soll. Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten müssen dann zahlen, wenn ihre Ausbildungsquote unter dem bundesweiten Durchschnitt von 4,6 Prozent liegt. In Berlin kommen derzeit auf 100 Ausbildungsplätze 166 Bewerber. Bundesweit sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2025 um 2,8 Prozent.

Bereits zum 31. März 2026 lief eine wichtige Frist ab: die Zahlung der erhöhten Ausgleichsabgabe für Unternehmen, die die Fünf-Prozent-Quote für schwerbehinderte Menschen nicht erfüllen. Die Sätze waren zum 1. Januar 2025 gestiegen. Firmen, die gar keine schwerbehinderten Menschen beschäftigen, zahlen nun 815 Euro pro Monat und unbesetztem Pflichtplatz.

Fachkräftemangel in Schlüsselbranchen

Branchenspezifische Engpässe belasten die Personalarbeit weiter – besonders in der Steuerberatung und am Bau. In Nordrhein-Westfalen klagen 75 Prozent der Steuerberatungskanzleien über Personalmangel. Die Belastung wächst: Seit Anfang 2025 gilt die Pflicht zur E-Rechnung für den Empfang, ab 2027 und 2028 folgen weitere Vorgaben für den Versand.

Im Wohnungsbau brachte die Bundesregierung am 27. Mai 2026 eine Novelle der Bauordnung auf den Weg. Sie soll Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Hintergrund: 2025 wurden nur rund 207.000 Wohnungen fertiggestellt – der niedrigste Wert seit über einem Jahrzehnt. Doch Gesetze allein reichen nicht, mahnen Personalexperten. Sandra Strauss von Urban Sports Club betonte auf einem Fachgipfel, dass Unternehmen auf strategische Anreize setzen müssten, nicht auf kurzfristige Lösungen. Benefits sollten Gesundheit und langfristige Bindung fördern – sie könnten aber keine wettbewerbsfähigen Gehälter ersetzen.

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