KI am Arbeitsmarkt: Absolventen starten mit 13 Prozent weniger Gehalt
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 22:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Untersuchungen weisen darauf hin, dass die fortschreitende Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) die Arbeitsmarktperspektiven für Berufseinsteiger zunehmend erschwert. Insbesondere Absolventen in techniknahen Fachrichtungen wie der Informatik sehen sich laut aktuellen Berichten mit sinkenden Einstiegsgehältern und einem geringeren Stellenangebot konfrontiert.
Signifikante Gehaltseinbußen in KI-exponierten Fachrichtungen
Ein Arbeitspapier des US Census Bureau verdeutlicht die ökonomischen Folgen für junge Fachkräfte in den USA. Demnach verdienten Absolventen in Fachrichtungen mit hoher KI-Exposition seit der Einführung von ChatGPT Ende 2022 beim Berufseinstieg rund 13 % weniger als vorherige Jahrgänge.
Für die Untersuchung wurden etwa 6,7 Millionen Bachelor-Abschlüsse aus dem Zeitraum von 2016 bis 2024 ausgewertet. Besonders betroffen seien Bereiche wie Informatik, Mathematik und Statistik.
Die Daten zeigen zudem, dass die Beschäftigungsquote nach dem Abschluss in diesen Fächern um etwa 5 Prozentpunkte niedriger lag. Das US Census Bureau wies in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass ein belastbarer Kausalzusammenhang mit der KI-Technologie statistisch noch nicht abschließend belegt sei.
Rund die Hälfte des beobachteten Lohnabstands sei darauf zurückzuführen, dass Absolventen in schlechter bezahlte Branchen auswichen. Mit zunehmender Berufserfahrung verringere sich dieser Abstand nach einigen Jahren von 13 % auf etwa 5 %.
Rückgang der Einstiegspositionen in Metropolen und Tech-Konzernen
Ähnliche Entwicklungen werden aus großen Tech-Zentren gemeldet. Laut einem Bericht des New Yorker Center for an Urban Future sank die Zahl der Tech-Stellenangebote für Berufseinsteiger in New York seit 2022 um 49 %. Dies stellt den stärksten Rückgang unter allen untersuchten Berufsfeldern dar.
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Im Jahr 2023 überstieg in New York City erstmals seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2010 die Anzahl der Informatikabsolventen die Zahl der verfügbaren Einstiegspositionen. Während Stellen mit hoher KI-Exposition stadtweit um 29 % zurückgingen, verzeichneten Positionen mit geringer Exposition einen Zuwachs von 21 %.
Auch große Technologiekonzerne haben ihre Einstellungsstrategien angepasst. Daten von SignalFire zufolge sank die Einstellung neuer Absolventen bei 15 führenden Tech-Unternehmen bis 2025 um mehr als 50 % im Vergleich zum Jahr 2019. Der Anteil von Berufsanfängern an den gesamten Big-Tech-Einstellungen fiel von 15 % vor der Pandemie auf nunmehr 7 %.
Ein IZA-Arbeitspapier ergänzt, dass das Angebot an Junior-Stellen für Software-Entwickler im Vergleich zu Senior-Positionen seit der breiten Verfügbarkeit von generativer KI um 14 bis 15 % gesunken sei, was auf steigende Erfahrungsanforderungen hindeute.
Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt und Gehaltsstrukturen
In Deutschland zeigt sich ein differenziertes Bild. Laut Daten des Jobportals Stepstone lag der Anteil der ausgeschriebenen Einstiegsjobs im ersten Quartal 2025 noch um 45 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
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Im ersten Halbjahr 2026 stabilisierte sich die Lage zwar mit einem Zuwachs von 14 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum, blieb jedoch weiterhin 18 % unter dem langjährigen Durchschnitt. Absolventen benötigten im Schnitt 40 Bewerbungen, um eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu erhalten.
Trotz der schwierigen Einstiegsbedingungen bleiben die Gehälter in spezialisierten IT-Bereichen auf hohem Niveau. Stepstone beziffert das Bruttomediangehalt in der IT-Berufsgruppe auf 66.750 Euro.
Erfahrene Spezialisten erzielen laut Robert Half deutlich höhere Werte: IT-Security-Architekten liegen bei 81.250 Euro, während Machine-Learning-Engineers 87.000 Euro und KI-Entwickler rund 92.000 Euro verdienen können. Spitzenreiter sind Software-Architekten mit bis zu 109.500 Euro.
Ausblick und betriebliche Transformation
Während die aktuelle Arbeitslosenquote für US-Hochschulabsolventen im Sommer 2026 bei 7,3 % lag, warnen Ökonomen der UCLA, dass künftige Jahrgänge ab 2027 stärker von Verdrängungseffekten betroffen sein könnten. Amazon-Chef Andy Jassy erklärte dazu, dass der verstärkte Einsatz generativer KI den Personalbedarf in Verwaltung und Management in den kommenden Jahren voraussichtlich senken werde.
Gleichzeitig prognostiziert das Weltwirtschaftsforum (WEF) bis zum Jahr 2030 weltweit netto 78 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze durch den technologischen Wandel. In einer Bitkom-Umfrage unter 850 Unternehmen erwarteten zudem 42 % der Befragten einen zusätzlichen Bedarf an Spezialisten durch KI, während rund 27 % mit einem Stellenabbau rechnen.
Der Fokus verschiebt sich dabei zunehmend auf die Weiterbildung: In den letzten 12 Monaten investierten jedoch fast 44 % der Beschäftigten keine Arbeitszeit in KI-Schulungen, wobei häufig fehlende Angebote oder mangelnde Informationen als Gründe angeführt wurden.
