KI-Agenten-Sicherheit: 82% der Unternehmen ahnungslos
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Verwaltung von Identitäten in modernen IT-Infrastrukturen entwickelt sich zunehmend über den menschlichen Nutzerkreis hinaus. Aktuelle Marktentwicklungen und technologische Erweiterungen zeigen, dass die Governance von nicht-menschlichen Identitäten (NHIs) – darunter Service-Accounts, Tokens und API-Keys – sowie die Kontrolle von KI-Agenten in den Fokus der Cybersicherheit rücken.
Forschungsdaten verdeutlichen eine wachsende Diskrepanz zwischen dem Einsatz dieser Technologien und ihrer regulatorischen sowie technischen Absicherung.
Erweiterung der Zugriffszertifizierung auf nicht-menschliche Identitäten
Im Rahmen von Bestrebungen zur Schließung von Sicherheitslücken bei automatisierten Konten hat SailPoint Ende August 2026 die Zugriffszertifizierung auf nicht-menschliche Identitäten ausgeweitet. Diese Entwicklung adressiert die Problematik, dass NHIs oft weitreichende Berechtigungen besitzen, jedoch seltener auditiert werden als menschliche Mitarbeiterkonten.
Das System umfasst sieben vordefinierte Kampagnen-Vorlagen, mit denen Administratoren gezielt Risikogruppen identifizieren können. Dazu gehören verwaiste oder inaktive Konten, hochriskante Zugänge sowie Identitäten von ehemaligen Mitarbeitern, die noch mit aktiven Tokens verknüpft sind.
Auch exponierte oder überprivilegierte Konten sowie solche mit nicht ablaufenden Passwörtern stehen im Fokus. Über ein zentrales Dashboard können Administratoren notwendige Maßnahmen direkt einleiten, wobei sämtliche Vorgänge in einem exportierbaren Audit-Log für Compliance-Zwecke dokumentiert werden.
Integration von KI-Agenten in die Governance-Struktur
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Steuerung von KI-Agenten. Untersuchungen von SailPoint aus dem Jahr 2025 ergaben, dass 80 % der Organisationen bereits von unbeabsichtigten Aktionen durch KI-Agenten berichteten, während 96 % der Befragten generelle Sicherheitsbedenken äußerten. Um diesen Risiken zu begegnen, wurde eine Integration von Identity Security mit dem Amazon Bedrock AgentCore realisiert.
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Diese Architektur, die auf Diensten wie Amazon EKS, RDS und ElastiCache basiert, soll eine zentrale Sichtbarkeit und die Zuweisung klarer Eigentumsverhältnisse für KI-Agenten ermöglichen. Ziel ist es, Zugriffsüberprüfungen und den sofortigen Widerruf von Berechtigungen auch für automatisierte Einheiten innerhalb der Cloud-Infrastruktur zu standardisieren.
Standardisierung und Marktpotenzial dedizierter Sicherheitslösungen
Parallel dazu treibt die Branche die Standardisierung des Zugriffs voran. Okta gab Ende August 2026 die allgemeine Verfügbarkeit von Agent SSO bekannt. Die Lösung basiert auf dem Cross App Access (XAA)-Standard und zielt darauf ab, KI-Agenten als eigenständige Identitäten im Universal Directory zu registrieren.
Hierbei werden statische API-Keys durch kurzlebige Tokens ersetzt, um das Risiko eines dauerhaften Missbrauchs entwendeter Zugangsdaten zu minimieren. Den Hintergrund bilden Daten, nach denen lediglich 34 % der Organisationen dieselben Sicherheitskontrollen auf KI-Agenten anwenden wie auf menschliche Nutzer.
Die wirtschaftliche Relevanz dieses Sektors spiegelt sich in den Geschäftszahlen spezialisierter Anbieter wider. Saviynt vermeldete einen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR) von über 300 Mio. USD bei einem Buchungszuwachs von 80 %.
Das Unternehmen führt mit „Zuma“ ein spezifisches Produkt ein, das auf die Entdeckung und Verwaltung von NHIs und KI-Agenten spezialisiert ist. Es soll Funktionen für Insights, Zugriffskontrolle und Governance kombinieren, um der Nachfrage nach einer zentralen Kontrollebene gerecht zu werden.
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Risikolage und aktuelle Forschungsbefunde
Studien der Cloud Security Alliance und von Netwrix in Zusammenarbeit mit ISACA unterstreichen die Dringlichkeit dieser Maßnahmen. Laut Cloud Security Alliance sind sich Sicherheitsteams in 82 % der Unternehmen nicht bewusst, dass KI-Agenten in ihrem Netzwerk eingesetzt werden. Nur etwa 32 % verfügen über entsprechende Kontrollinstanzen, und lediglich 28 % der Experten glauben, mögliche Schäden proaktiv verhindern zu können.
Die Folgen mangelhafter Governance sind statistisch belegbar: 61 % der Sicherheitsvorfälle mit KI-Agenten führten zu Datenlecks, 43 % zu Betriebsstörungen und 35 % zu finanziellen Verlusten. Als primäre Angriffsvektoren identifizierten Experten Methoden wie Prompt Injection, Goal Hijacking und Privilege Escalation.
Organisationen, die ihre Identitätslandschaft durch KI erweiterten, verzeichneten laut Netwrix in einem Zeitraum von 12 Monaten in 43 % der Fälle Sicherheitsvorfälle – im Vergleich zu nur 11 % bei Unternehmen ohne solche Veränderungen.
Da nur 19 % der Organisationen nicht-menschliche Identitäten vollständig verwalten, empfehlen Fachleute dringend den Aufbau von Inventaren, die Implementierung von Zero-Trust-Architekturen sowie eine kontinuierliche Verhaltensüberwachung.
