Kfz-Versicherung: Verivox meldet zwei Prozent mehr
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVersicherungswechsel bringt neue Unterschiede
- Verivox erfasst die Preisentwicklung bei Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko für neue Policen.
- Im mittleren Segment verteuern sich Haftpflichtpolicen um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Vollkasko kostet im günstigen Preissegment 2,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Verivox sieht Bewegung bei neuen Autopolicen
In der Kfz-Versicherung endet eine dreijährige Phase teils drastischer Preiserhöhungen: Neue Policen kosten zu Beginn der Wechselsaison im Durchschnitt der Tarife für Haftpflicht, Voll- und Teilkasko zwei Prozent mehr als vor einem Jahr. Im günstigen Preissegment sanken die Preise laut Verivox im Mittel um knapp zwei Prozent.
Tarife entwickeln sich unterschiedlich
Im mittleren Preissegment verteuerten sich Haftpflichtpolicen um 3,1 Prozent, während sie bei günstigeren Versicherern um 1,2 Prozent billiger wurden. Teilkasko kostete im mittleren Segment 0,4 Prozent mehr und im günstigen ein Prozent weniger.
Bei Vollkasko gingen die Entwicklungen weiter auseinander: Im mittleren Preissegment stiegen die Preise um 1,6 Prozent, im günstigen sanken sie um 2,3 Prozent. In Deutschland wechseln jedes Jahr im November und Dezember Millionen Autobesitzer auf der Suche nach einem günstigeren Tarif.
Preise liegen weiterhin deutlich über 2022
Trotz der aktuellen Entspannung kosten Kfz-Policen nach den Berechnungen im Durchschnitt noch immer mehr als 50 Prozent mehr als 2022. Im Rekordjahr 2024 waren die Preise für Neuverträge im Schnitt um knapp 25 Prozent gestiegen.
Reparaturen treiben die Kosten
Als wesentliche Ursache gelten die gestiegenen Preise für Ersatzteile und Reparaturen. Nach Berechnungen des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft verteuerten sich Ersatzteile seit 2016 um 80 Prozent, im Jahresdurchschnitt um knapp sechs Prozent.
Besonders häufig entstehen Schäden beim Ein- und Ausparken. Betroffen sind dabei oft Kotflügel, Türen, Scheinwerfer und Blinker. Diese sichtbaren Teile sind designgeschützt und dürfen nicht von Drittherstellern kopiert und günstiger angeboten werden.
Bestandsverträge nicht erfasst
Die Verivox-Zahlen beziehen sich ausschließlich auf neu abgeschlossene Policen. Bestandsverträge, die ebenfalls teurer werden, sind nicht Teil des Index.
Verivox-Geschäftsführer Aljoscha Ziller warnte, von einer dauerhaften Preiswende könne noch keine Rede sein. Ersatzteile und Reparaturen verteuerten sich weiter und blieben ein Kostentreiber. Die Versicherungsbranche wurde in den vergangenen Jahren durch hohe Schadenkosten belastet; zugleich blieben schwere Unwetter und andere Naturkatastrophen in Deutschland in diesem und im vergangenen Jahr weitgehend aus.
Die Verivox-Zahlen markieren eine deutliche Abschwächung des Preisdrucks bei neu abgeschlossenen Kfz-Versicherungen. Nach dem starken Anstieg der vergangenen Jahre verschiebt sich der Wettbewerb vor allem im günstigen Segment wieder zugunsten der Kunden: Dort sanken die Prämien im Durchschnitt, während mittlere Tarife weiterhin zulegten.
Für Versicherte ist die Entwicklung besonders zur Wechselsaison im November und Dezember relevant. Millionen Halter prüfen dann ihre Verträge und können durch einen Vergleich auf günstigere Angebote stoßen. Die Unterschiede zwischen den Tarifsegmenten zeigen jedoch, dass nicht jeder Versicherte automatisch von sinkenden Preisen profitiert.
Kosten bleiben strukturelles Risiko
Eine nachhaltige Entspannung ist nicht gesichert, weil Ersatzteile und Reparaturen weiter teurer werden. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft stiegen die Ersatzteilpreise seit 2016 um 80 Prozent. Designschutz für sichtbare Karosserie- und Beleuchtungsteile begrenzt zudem den Wettbewerb durch günstigere Nachbauten.
Die Versicherer profitieren zugleich davon, dass schwere Unwetter und andere Naturkatastrophen in Deutschland zuletzt weitgehend ausblieben. Ändern sich die Schadenkosten oder die Zahl wetterbedingter Schäden, kann das den Preisdruck erneut erhöhen. Für Verbraucher bedeutet die aktuelle Entwicklung daher vor allem eine bessere Vergleichschance, nicht automatisch dauerhaft niedrigere Beiträge.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Scharfer Wettbewerb: Verivox: Preiskampf in der Kfz-Versicherung ist zurück“ (27.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die moderat gestiegenen Durchschnittspreise und die gesunkenen Prämien im günstigen Segment. Einen Schwerpunkt setzt er auf die weiter hohen Kosten für Ersatzteile und Reparaturen sowie die seit 2022 stark gestiegenen Policenpreise.
n-tv: „Preiskampf in der Kfz-Versicherung ist zurück“ (27.10.2026)
Der Bericht hebt ebenfalls die Unterschiede zwischen mittleren und günstigen Tarifen hervor und ordnet die Entwicklung in die laufende Wechselsaison ein. Im Vergleich zum Stern-Beitrag konzentriert er sich stärker auf die konkreten Veränderungen bei Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko.
Beide Beiträge stimmen beim Ende der starken Preissprünge und bei den Segmentunterschieden überein. Offen bleibt, ob die günstigeren Angebote angesichts weiter steigender Werkstatt- und Ersatzteilkosten Bestand haben.
