Kfz-Versicherung: Typklassen für 7,4 Millionen Autofahrer steigen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Für 7,4 Millionen Autofahrer in Deutschland ändern sich die Typklassen ihrer Fahrzeuge zum kommenden Versicherungsjahr nach oben, während 5,1 Millionen von einer günstigeren Einstufung profitieren.
VW-Bus wird günstiger, Citroën teurer
Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) teilte mit, dass Unfallzahlen und Reparaturkosten in die Bewertung einfließen. Als Beispiele nannte der Verband den VW T7 Multivan 2.0 TDI, der in der Haftpflicht um zwei Klassen günstiger eingestuft wird, und den Citroën C5 1.2, der um zwei Klassen teurer wird.
Insgesamt berücksichtigt die Statistik 33.860 Automodelle. Dazu zählen auch jahrzehntealte Fahrzeuge und Oldtimer, die noch in Deutschland zugelassen sind.
Isetta, Goggomobil und Ente in niedrigster Klasse
Besonders günstig eingestuft sind historische Kleinwagen. Die BMW Isetta, das Goggomobil und der Citroën 2CV, bekannt als „Ente“, stehen in allen drei Versicherungsarten in der niedrigsten Typklasse 10.
Wie viele dieser Fahrzeuge tatsächlich regelmäßig gefahren werden, ist nicht bekannt. Von den historischen Modellen sind nur noch wenige zugelassen; sie werden vermutlich selten bewegt und sorgfältig gepflegt.
Porsche in der Kasko besonders teuer
In der Haftpflicht gibt es 16 Typklassen von 10 bis 25. Die Vollkasko reicht von 10 bis 34, während die Teilkasko Schäden etwa durch Hagel, Wildunfälle oder Diebstahl abdeckt. Selbst verursachte Schäden am eigenen Fahrzeug übernimmt nur die Vollkasko.
Nach Angaben von GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen gilt als Faustregel: Je teurer ein Auto und seine Ersatzteile sind, desto höher fällt meist die Kasko-Typklasse aus. Mehrere Porsche-911-Carrera-Modelle verschiedener Baujahre liegen in Teil- und Vollkasko in den ungünstigsten Klassen. In der Haftpflicht sind diese Porsche dagegen in der niedrigsten Klasse 10 eingestuft.
Für die Mehrheit ändert sich nichts
Mehrere Sportmodelle von Range Rover stehen an der Spitze der ungünstigsten Haftpflicht-Typklassen. Für gut zwei Drittel der Autobesitzer bleibt die bisherige Einstufung unverändert.
Neben der Typklasse beeinflussen auch Wohnort und Alter den Beitrag. Die Region fließt über die Regionalklasse ein; junge und ältere Fahrer verursachen statistisch mehr Unfälle als Menschen mittleren Alters.
Typklassen bilden mehrere Kostenfaktoren ab
Die Typklasse ist kein individuelles Unfallurteil über einen einzelnen Fahrer, sondern eine statistische Größe für ein konkretes Automodell. In die Bewertung fließen insbesondere Schadenhäufigkeit und Schadenhöhe ein. Deshalb können sich die Einstufungen auch dann ändern, wenn ein Fahrzeug technisch unverändert bleibt: Maßgeblich ist die Entwicklung der Schäden innerhalb der jeweiligen Modellgruppe.
Region und Fahrerprofil bleiben entscheidend
Für den tatsächlichen Versicherungsbeitrag ist die Typklasse nur ein Baustein. Versicherer berücksichtigen zusätzlich unter anderem die Regionalklasse, das Alter der Fahrerin oder des Fahrers, die jährliche Fahrleistung, den Schadenfreiheitsrabatt und die gewählte Selbstbeteiligung. Eine günstigere Typklasse führt daher nicht automatisch zu einem niedrigeren Gesamtbeitrag.
Neue Autos können bei Reparaturen teurer sein
Der wachsende Anteil moderner Fahrzeuge verstärkt die Bedeutung von Reparaturkosten. Assistenzsysteme, Sensoren und aufwendig integrierte Bauteile können Schäden verteuern, selbst wenn die sichtbare Beschädigung begrenzt ist. Für Versicherte bedeutet die neue Einstufung vor allem, den eigenen Vertrag zum Wechseltermin zu prüfen und Beitragsänderungen nicht allein dem Alter oder Wert des Autos zuzuschreiben.
