Kfz-Steuer: Italien streicht Abgabe für 14,5 Millionen Fahrzeuge
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die italienische Regierung hat im Ministerrat ein Dekret zur Abschaffung der Kfz-Steuer für Personenkraftwagen bis zu einer Leistung von 80 Kilowatt sowie für alle Motorräder beschlossen. Die Neuregelung soll ab dem Jahr 2027 greifen und betrifft rund 14,5 Millionen Fahrzeuge. Dies entspricht über 70 Prozent des gesamten Pkw-Bestands sowie dem kompletten Motorradbestand des Landes.
Begrenzung auf ein Fahrzeug und Befristung
Die beschlossene Entlastung ist an spezifische Vorgaben gekoppelt. So profitiert pro Bürger beziehungsweise Fahrzeughalter lediglich ein einziges Fahrzeug von der Steuerbefreiung. Sollten auf eine Person mehrere Fahrzeuge zugelassen sein, greift die Entlastung für das Modell mit der geringsten Steuer beziehungsweise der geringsten Motorleistung.
Zudem gilt die Maßnahme nach Angaben der italienischen Regierung ausschließlich für das Jahr 2027. Bei Pkw liegt die Leistungsgrenze exakt bei bis zu 80 Kilowatt, was 108,8 PS entspricht. Motorräder werden hingegen gänzlich ohne Beschränkung des Hubraums von der Steuer befreit. Die Sonderabgabe für leistungsstarke Fahrzeuge, der sogenannte Superbollo für Modelle über 185 Kilowatt, bleibt weiterhin unverändert bestehen.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die Kfz-Steuer nach der Kabinettssitzung als eine der meistgehassten Steuern. Die Neuregelung richte sich an jene Bürger, die Auto und Motorrad täglich nutzen.
Zudem würden Mittel aus den bisherigen Maßnahmen gegen hohe Kraftstoffpreise in eine strukturelle Entlastung umgewandelt. Die Maßnahme soll in den Haushalt 2027 aufgenommen werden, wobei einzelne Details zu den Leistungsgrenzen und dem Inkrafttreten noch offen sind.
Betroffene Segmente und finanzielle Folgen für die Regionen
Die italienische Regierung hat im Ministerrat beschlossen, die Kfz-Steuer ab 2027 für Pkw bis 80 kW und für alle Motorräder zu streichen — rund 14,5 Millionen Fahrzeuge, über 70 Prozent des Pkw-Bestands. Ob Ihr Auto oder Motorrad dazugehört, hängt an der Leistungsgrenze und der Ein-Fahrzeug-Regel pro Halter. Kostenlosen Überblick zur Bollo-Befreiung anfordern
Nach Einschätzung der Verbraucherorganisation Codacons erreicht die Bollo-Abschaffung vor allem Klein- und Kleinstwagen. Konkret fallen das Segment A mit Citycars, die meist eine Länge von unter 3,70 bis 3,85 Metern aufweisen, das Segment B der Kleinwagen mit 3,7 bis 4,2 Metern sowie zahlreiche B-SUVs und kleine Crossover mit 4,20 bis 4,50 Metern darunter.
Ausgeschlossen bleiben Sportwagen, Fahrzeuge des Segments D mit 4,5 bis 5 Metern Länge, C-SUVs und die meisten Limousinen. Codacons hebt zudem hervor, dass bisher nur wenige Elektroautos unter der Grenze von 80 Kilowatt liegen.
Auf der Einnahmenseite bedeutet das Vorhaben spürbare Einschnitte für die Gebietskörperschaften. Während die Kfz-Steuer den Regionen jährlich über 7 Milliarden Euro einbringt, werden die Mindereinnahmen für die Regionen auf 6 bis 7 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Laut Dekretentwurf belaufen sich die Kosten auf 2,36 Milliarden Euro. Die Regierung stellt den Regionen dafür 2,3 Milliarden Euro als Ausgleich bereit.
Parallelbeschluss zur Senkung der Diesel-Akzise
Viele Halter haben mehrere Fahrzeuge zugelassen — doch die geplante Bollo-Befreiung soll pro Person nur für ein einziges Fahrzeug greifen, und zwar für das mit der geringsten Steuer beziehungsweise Motorleistung. Wer das vorab durchrechnet, verliert 2027 keine Entlastung. Checkliste zur Ein-Fahrzeug-Regel sichern
Flankierend beschloss das Kabinett eine Verlängerung der Absenkung der Diesel-Akzise. Diese gilt bis zum 5. Oktober und ist mit einem degressiven Modell versehen. Bis zum 25. September wird die Diesel-Akzise von 17 auf 12,2 Cent pro Liter gesenkt, bevor sie vom 26. September bis zum 5. Oktober bei circa 6 Cent liegt.
Die Entlastungsschritte erfolgen vor dem Hintergrund hoher Treibstoffkosten. Berichten zufolge lagen die Kraftstoffpreise zuletzt bei 2,13 Euro pro Liter Benzin und 2,24 Euro pro Liter Diesel. Andere Erhebungen wiesen Werte von circa 2,107 Euro je Liter Benzin und 2,216 Euro je Liter Diesel aus, bei einem Rohölpreis der Sorte Brent von circa 110 US-Dollar pro Barrel.
