Kfz-Branche, Trainingszentren

Kfz-Branche investiert massiv in neue Trainingszentren

13.05.2026 - 00:57:09 | boerse-global.de

Die Automobil-Servicebranche investiert massiv in neue Trainingszentren, um dem Fachkräftemangel bei ADAS-Systemen zu begegnen.

Kfz-Branche investiert massiv in neue Trainingszentren - Foto: über boerse-global.de
Kfz-Branche investiert massiv in neue Trainingszentren - Foto: über boerse-global.de

Angetrieben von der zunehmenden Komplexität moderner Fahrzeuge und der Integration von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) in die klassische Achsvermessung, eröffnen Hersteller und Verbände in der ersten Jahreshälfte 2026 ein Trainingszentrum nach dem anderen.

Millionen-Investitionen in Texas und Mississippi

Der Trend zu hochmodernen Schulungsstätten zeigt sich besonders deutlich in den USA. Christian Brothers Automotive startete im Februar 2026 den Bau eines zwölf Millionen Euro teuren Trainingszentrums in Katy, Texas. Die Anlage soll künftig Mechanikern praxisnahe Weiterbildungen bieten – ein klares Signal, wie ernst die Branche den Fachkräftemangel nimmt.

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Nur wenige Wochen später, Ende April, feierte Hunter Engineering gemeinsam mit Vertretern aus Mississippi die Erweiterung seines Werks in Durant. Der Standort vereint nun Produktion und Schulung unter einem Dach – eine Strategie, die auf die wachsende Nachfrage nach Präzisionsvermessung und ADAS-Kalibrierung abzielt.

Die Tire Industry Association (TIA) reagiert ebenfalls auf den hohen Bedarf: Sie hat ihren Schulungskalender für 2026 um mehrere Termine und Orte erweitert. Ein zentraler Kurs des Automotive-Tire-Service-Programms (ATS) läuft noch bis zum 15. Mai in Nashville. „Wir brauchen flexible Angebote, damit Techniker ihre Sicherheits- und Effizienzschulungen absolvieren können“, betont der Verband.

Akkreditierte Programme setzen neue Standards

Neben den Bauprojekten gewinnt die formale Anerkennung von Schulungsprogrammen an Fahrt. Autel U.S. erhielt Ende März die offizielle Akkreditierung für seine Autel Academy ADAS Training – und zwar gleich von zwei renommierten Institutionen: dem National Institute for Automotive Service Excellence (ASE) und der Inter-Industry Conference on Auto Collision Repair (I-CAR).

Das Programm kombiniert Theorie mit praktischen Übungen in einer speziellen Kalibrierungswerkstatt. Die Nachfrage ist so groß, dass Autel sein Angebot über den Hauptsitz in New York hinaus auf Standorte in Detroit, St. Louis, Kalifornien und Florida ausweitet. „Solche Akkreditierungen geben Schulungsanbietern die nötige Glaubwürdigkeit“, erklären ASE-Vertreter.

Snap-on setzt derweil auf Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen. Gemeinsam mit dem National Coalition of Certification Centers (NC3) verfolgt das Unternehmen ein „Train-the-Trainer“-Modell: Ausbilder an Community Colleges werden fit gemacht, um branchenweit anerkannte Zertifikate zu vergeben. So erreicht Snap-on über das Horizon Center for Transportation and Technology am Gateway Technical College gleich mehrere Regionen.

Software-Updates als Schlüssel zur Qualität

Die Verzahnung von Hard- und Software bleibt das Herzstück der Trainingsoffensive. Hunter Engineering veröffentlichte am 5. Mai sein halbjährliches WinAlign-Datenbank-Update. Für Schulungszentren ist das essenziell: Nur mit den neuesten Daten können Techniker aktuelle Fahrzeugmodelle korrekt vermessen und ADAS-Systeme zurücksetzen.

Die Branche bewegt sich auf ein Modell zu, bei dem Achsvermessung und Sensor-Kalibrierung als Einheit betrachtet werden. Experten von Hella Gutmann prognostizieren, dass bis 2030 ein Großteil der Fahrzeugflotte mit Assistenzsystemen ausgestattet sein wird. Die HELLA Academy hat deshalb ihr Schulungsprogramm für 2025/2026 erweitert – mit Fokus auf die Brücke zwischen klassischer Mechanik und digitaler Diagnose.

Eine weitere Innovation: Hunter Engineering startete im Januar eine Kooperation mit RockED, einem Anbieter für digitales Mikrolernen. Über die Plattform Hunter University erhalten Serviceberater nun gezielte Schulungen per Smartphone. Der Trend geht klar zum „Multi-Modal Learning“ – Präsenztraining kombiniert mit mobilen Inhalten für die kontinuierliche Weiterbildung.

Warum der Schulungsboom notwendig ist

Der eigentliche Treiber der Entwicklung sind die immer komplexeren Sicherheitssysteme. ADAS-Sensoren – Radar, Kameras, Ultraschall – müssen nach jeder Achsvermessung, jedem Fahrwerks- oder Scheibenaustausch neu kalibriert werden. Wer diese Schritte überspringt, riskiert Systemausfälle und haftet im Schadensfall.

Das Problem: Die Zahl der ADAS-ausgerüsteten Fahrzeuge wächst schneller als die Zahl qualifizierter Techniker. Das Institute of the Motor Industry rechnet damit, dass bis Ende des Jahrzehnts fast die Hälfte aller Autos spezielle ADAS-Service benötigt. Die Folge: ein prognostizierter Mangel von Zehntausenden Fachkräften.

Die Hersteller reagieren mit einem Mix aus zentralen Großzentren und dezentralen Regionalprogrammen. Millionen-Investitionen wie in Texas und Mississippi, kombiniert mit nationalen Akkreditierungen, sollen die Servicequalität in der freien Werkstattlandschaft vereinheitlichen. Das Ziel: Haftungsrisiken senken, Effizienz steigern und unabhängige Betriebe wettbewerbsfähig halten.

Ausblick: Schwere Nutzfahrzeuge im Fokus

Die zweite Jahreshälfte 2026 verspricht weiteren Schwung. TIA und Hunter Engineering haben bereits zusätzliche Termine für Schulungen im Nutzfahrzeugbereich angekündigt – unter anderem in Baltimore und Los Angeles.

Der Trend zu integrierten Standorten, die Produktion, Lager und Ausbildung verbinden, dürfte sich fortsetzen. Continental plant für Mitte 2026 den Baubeginn eines hochautomatisierten Lagers mit angeschlossener Trainingsanlage in Illinois. Die Infrastruktur für automotive Servicekompetenz wächst – und mit ihr die Chance, die Fachkräftelücke endlich zu schließen.

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