Kasachstan bietet Deutschland 21 strategische Rohstoffe an
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 14:44 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSKasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew bietet Deutschland eine engere Rohstoff- und Industriekooperation an. Kasachstan fördert nach seinen Angaben bereits 21 der 34 für Europa strategisch wichtigen Rohstoffe.
Tokajew schlägt gemeinsame Wertschöpfung vor
In einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ nennt Tokajew unter anderem Lithium, Silizium, Kobalt, Niob, Wolfram und Kupfer. Diese Rohstoffe seien zentral für die Energiewende, die Industrie, die Mikroelektronik und digitale Technologien.
„Wir bieten Deutschland verlässliche Lieferungen an und schlagen den Aufbau gemeinsamer Wertschöpfungs- und Produktionsketten vor: von der geologischen Erkundung und Gewinnung über die Verarbeitung und Komponentenfertigung bis zur Wiederverwendung“, schreibt der kasachische Präsident.
Wirtschaftsforum in Berlin
Tokajew wird ab Mittwoch in Berlin beim Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsforum erwartet. Besonders große Chancen für eine Kooperation sieht er bei kritischen Mineralien, der Metallurgie, der Petrochemie, Lebensmitteln und im Schienenfahrzeugbau.
Das Angebot fällt in eine Phase, in der Deutschland und die Europäische Union ihre Lieferketten für kritische Rohstoffe breiter aufstellen wollen. Lithium, Kobalt, Kupfer, Wolfram und weitere Metalle werden für Batterien, Stromnetze, Maschinenbau, Mikroelektronik und digitale Anwendungen benötigt. Die strategische Bedeutung ergibt sich nicht nur aus den Lagerstätten, sondern auch aus der Verarbeitung: Abhängigkeiten entstehen häufig bei Raffination, Komponentenfertigung und Recycling.
Kasachstan verfügt über umfangreiche Rohstoffvorkommen und liegt geografisch zwischen Europa und den großen asiatischen Absatzmärkten. Eine engere Zusammenarbeit könnte deshalb über reine Lieferverträge hinausgehen. Tokajew schlägt ausdrücklich gemeinsame Wertschöpfungsketten vor, die von der Erkundung über die Gewinnung und Verarbeitung bis zur Wiederverwendung reichen. Für deutsche Unternehmen würde das einen möglichen Zugang zu Vorprodukten und industriellen Partnerschaften eröffnen.
Wirtschaftliche Chancen und offene Aufgaben
Entscheidend wären belastbare Investitionsbedingungen, transparente Ausschreibungen, verlässliche Transportwege und Umweltstandards. Auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit einzelner Lagerstätten muss sich erst in Projekten zeigen. Beim Wirtschaftsforum könnten daher neben politischen Absichtserklärungen konkrete Vorhaben in Metallurgie, Petrochemie, Lebensmittelwirtschaft und Schienenfahrzeugbau im Mittelpunkt stehen.
Für Deutschland hätte eine solche Kooperation vor allem dann praktische Bedeutung, wenn sie die heimische Verarbeitung stärkt und nicht lediglich neue Abhängigkeiten bei unverarbeiteten Rohstoffen schafft. Für Kasachstan bietet die Partnerschaft die Möglichkeit, mehr Wertschöpfung im Land aufzubauen und deutsche Technologie sowie Investitionen zu gewinnen.
