Kartoffelernte bricht durch Hitze und Dürre ein
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 10:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHitze und Dürre im Sommer 2026 haben der Kartoffelernte in Nordwesteuropa nach einer Analyse deutlich zugesetzt.
Analyse sieht Millionenverluste
Eine Auswertung von Branchendaten durch die Energy and Climate Intelligence Unit kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden gegenüber dem jeweiligen Fünfjahresmittel insgesamt rund 3,11 Millionen Tonnen Kartoffeln fehlen könnten.
Der Wert der verlorenen Produktion in den vier Ländern wird auf 405 Millionen bis 622 Millionen Euro geschätzt. Deutschland muss demnach mit dem größten absoluten Verlust rechnen.
Deutschland besonders betroffen
Die Analyse versteht sich nicht als endgültige Erntebilanz, sondern als Schätzung während der laufenden oder gerade auslaufenden Ernte.
ECIU-Analyst Tom Lancaster verwies darauf, dass Kartoffeln zu den besonders wasserbedürftigen Kulturpflanzen Europas gehören. In einigen Fällen seien die Ertragsschätzungen der Branche um 20 Prozent zurückgegangen.
Preise ziehen an
Die Analyse berichtet zudem von deutlich gestiegenen Preisen. Für Deutschland werden unter anderem Verarbeitungskartoffeln von etwa 240 Euro je Tonne genannt.
Speisekartoffeln lagen demnach zum Saisonauftakt bei etwa 270 bis 280 Euro je Tonne, verglichen mit rund 150 Euro im Vorjahr.
Einordnung der Lage
Die erwarteten Einbußen bei der Kartoffelernte treffen eine Kultur, die in Europa besonders stark von ausreichender Bodenfeuchte abhängt. Wenn Hitze und Dürre in mehreren Anbauländern zugleich auftreten, steigen die Risiken nicht nur für die Menge, sondern auch für Qualität und Vermarktung der Knollen.
Folgen für Markt und Betriebe
Für Landwirte kann ein schwächerer Ertrag schnell doppelt belasten: Einerseits sinken die verkaufbaren Mengen, andererseits bleiben Kosten für Bewässerung, Energie und Pflege hoch. Dass in der Analyse zugleich deutlich gestiegene Preise genannt werden, zeigt, wie eng Ernteausfälle und Marktreaktionen miteinander verbunden sind.
Größere Einordnung des Sommerwetters
Die Entwicklung passt in ein breiteres Muster, in dem extreme Sommerwetterlagen die Landwirtschaft in Nordwesteuropa häufiger unter Druck setzen. Für Verbraucher dürfte das je nach Produkt und Verarbeitungskette zeitverzögert spürbar werden; für die Branche steht dagegen schon jetzt die Frage im Raum, wie Anbau, Sortenwahl und Wassermanagement an häufigere Hitzephasen angepasst werden können.
