Kapazitätsmechanismus: EU genehmigt 35-Milliarden-Förderung für Gaskraftwerke
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 22:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat den staatlichen Rahmen für massive Investitionen in die deutsche Stromerzeugung offiziell bestätigt. Wie Anfang September 2026 bekannt wurde, genehmigte die Brüsseler Behörde den deutschen Kapazitätsmechanismus zur Förderung neuer Gaskraftwerke. Das Vorhaben umfasst ein geschätztes Gesamtvolumen von bis zu 35 Milliarden Euro und soll die Versorgungssicherheit im Zuge der Energiewende gewährleisten.
Nach Angaben der Kommission belaufen sich die kalkulierten Kosten für die Maßnahme bis zum Jahr 2045 auf einen Korridor zwischen 15,6 und 35,2 Milliarden Euro. Ziel der Förderung ist es, bis Ende 2031 zusätzliche Erzeugungskapazitäten im Umfang von insgesamt 11 Gigawatt (GW) zu schaffen.
Ein zentraler Bestandteil der Genehmigung ist die Verpflichtung zur ökologischen Transformation: Die neuen Anlagen müssen wasserstofffähig sein und bis spätestens 2045 vollständig klimaneutral mit Wasserstoff betrieben werden.
Transparente Ausschreibungen und langfristige Verträge
Die Vergabe der Fördermittel soll über transparente und diskriminierungsfreie Ausschreibungsverfahren erfolgen. Wirtschaftsministerin Reiche habe bereits die entsprechende Bestätigung für ihre Pläne erhalten.
Der zeitliche Rahmen sieht vor, dass eine erste Ausschreibung über 9 GW an neuer Langzeitkapazität noch im Jahr 2026 durchgeführt wird. Weitere 2 GW sollen im Jahr 2027 folgen. Berichten zufolge läuft eine aktuelle Auktion für neue Gaskraftwerke bereits bis zum 8. September 2026.
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Die vertraglich zugesicherten Laufzeiten für die bezuschussten Kraftwerke betragen bis zu 15 Jahre. Neben der reinen Stromerzeugung zielt der Mechanismus darauf ab, Anreize für Speichertechnologien sowie für eine flexiblere Steuerung der Stromnachfrage zu setzen.
Während die Genehmigung durch die EU-Kommission ab 2031 greift, ist der operative Start des Kapazitätsmarktes für das Jahr 2032 vorgesehen. Die Finanzierung der staatlichen Mittel soll ab 2031 über eine Umlage sichergestellt werden.
Kritik von Umweltverbänden und Organisationen
Trotz der wettbewerbsrechtlichen Freigabe aus Brüssel stößt das Vorhaben auf deutliche Kritik. Die Organisation Green Planet Energy und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bemängelten die Entscheidung der Kommission. Sie sehen in der Förderung eine einseitige Bevorzugung fossiler Strukturen und warnen vor einem sogenannten „fossilen Lock-in“, der den Umstieg auf rein erneuerbare Energien behindern könnte. Zudem wurde kritisiert, dass moderne Batteriespeicher durch die aktuelle Ausgestaltung des Mechanismus benachteiligt würden.
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Beide Organisationen forderten die Einleitung eines formellen Prüfverfahrens durch die EU. In ihrer Argumentation verwiesen die Kritiker zudem auf die aktuelle Versorgungslage; so seien die Gasspeicher Ende August lediglich zu 53 Prozent gefüllt gewesen.
Die Bundesregierung hält hingegen an dem Zeitplan fest, um die notwendige Resilienz des Stromnetzes bei fluktuierender Einspeisung aus erneuerbaren Quellen zu garantieren. Die erste große Ausschreibungsrunde unter dem neuen Regime ist bereits ab dem 8. September geplant.
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