Jobabbau in der Industrie: 174.000 Stellen in 12 Monaten weg
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 13:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Krise erfasst Kernsektoren der deutschen Wirtschaft.
Volkswagen-Chef pokert mit dem Betriebsrat
Der Sparkonflikt bei Volkswagen spitzt sich zu. Vorstandschef Oliver Blume ließ ein Ultimatum des Betriebsrats verstreichen, ohne eine Einigung zu erzielen. Er setzt auf „intelligentere Lösungen“ als Werkschließungen. Doch die Standorte Zwickau, Emden, Hannover und Osnabrück sowie das Audi-Werk in Neckarsulm stehen massiv unter Druck. Medienberichten zufolge könnte der Konzern weltweit bis zu 120.000 Stellen streichen.
Die Lage ist ernst: Im zweiten Quartal 2026 brach der Absatz um neun Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge ein. Besonders dramatisch ist der Absturz in China – minus 36,6 Prozent auf 424.300 Einheiten. Ein geplantes Sparpaket scheiterte zuvor im Aufsichtsrat am Widerstand der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen. Der Betriebsrat bereitet sich auf die nächste Eskalationsstufe vor.
Ein Lichtblick: Der neue ID. Polo verkaufte sich in den ersten vier Wochen über 50.000 Mal.
Stahlindustrie und Zulieferer unter Druck
Thyssenkrupp Steel Europe will 11.000 Stellen streichen und ein Werk in NRW schließen. Parallel übernimmt die Salzgitter AG das Duisburger Unternehmen HKM komplett. Dort soll die Belegschaft bis Ende 2028 von 3.000 auf 1.000 Mitarbeiter schrumpfen. Die Rohstahlproduktion sinkt auf zwei Millionen Tonnen. Im Gegenzug investiert Salzgitter in Elektrolichtbogenöfen – das soll den CO2-Ausstoß um 90 Prozent senken.
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Auch bei den Zulieferern kracht es. Die Audi-Tochter PSW Automotive Engineering schließt ihren Standort in Neckarsulm. Von den 1.000 Stellen fallen rund 30 Prozent weg. Beim Wohnwagenhersteller LMC in Sassenberg wechseln über 100 Beschäftigte in eine Transfergesellschaft – die Nachfrage in Europa ist eingebrochen.
Produktion wandert nach Ungarn ab
Während in Deutschland Stellen gestrichen werden, bauen die Hersteller Osteuropa aus. Mercedes investiert über eine Milliarde Euro in sein Werk Kecskemét in Ungarn. Dort soll unter anderem die elektrische C-Klasse vom Band laufen. Die Kapazität steigt auf bis zu 400.000 Fahrzeuge jährlich. Die Strategie: Der Anteil der Produktion in Niedriglohnländern verdoppelt sich von 15 auf 30 Prozent. Grund: Die Produktionskosten in Ungarn liegen rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau.
BMW investierte zwei Milliarden Euro in ein Werk in Debrecen. Audi produzierte 2025 bereits rund 200.000 Fahrzeuge in Györ. Insgesamt fertigen deutsche Hersteller knapp 70 Prozent ihrer Pkw im Ausland.
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Arbeitsmarkt zeigt klaren Trend
Die Industriekrise hinterlässt Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Im Juni 2026 stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 2,936 Millionen – eine Quote von 6,2 Prozent. Das verarbeitende Gewerbe verliert monatlich rund 15.000 Stellen. Innerhalb der letzten zwölf Monate fielen in der Industrie 174.000 Arbeitsplätze weg.
Das ifo Beschäftigungsbarometer sank auf 92,3 Punkte. Experten rechnen für 2026 mit einem weiteren Rückgang um 140.000 Industriebeschäftigte. Die IG Metall Baden-Württemberg reagierte bereits mit Protestaktionen – gegen den Stellenabbau und den Druck auf die Tarifstandards.
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