IWF-Prognose: Deutschlands Wachstum steigt 2026 auf 1,3 Prozent
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Internationale Währungsfonds hat seine Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland spürbar nach oben korrigiert. Für das Jahr 2026 rechnet die Organisation mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Das entspricht einem Plus von 0,6 Prozentpunkten gegenüber der Juli-Prognose, die noch bei 0,7 Prozent gelegen hatte. Für das Jahr 2027 stellt der IWF für Deutschland ein Wachstum von 1,1 Prozent in Aussicht, nachdem zuvor 1,0 Prozent prognostiziert worden waren.
Mit dieser Neueinschätzung deckt sich der Ausblick des IWF mit den Berechnungen der Bundesregierung, wie Berichte vom 13. Oktober 2026 zeigen. In der von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vorgelegten Herbstprognose geht die Bundesregierung für 2026 ebenfalls von einem Plus von 1,3 Prozent aus, nachdem im April lediglich 0,5 Prozent und im Frühjahr 0,8 Prozentpunkte weniger erwartet worden waren.
Für 2027 rechnet die Bundesregierung mit 1,1 Prozent und für 2028 mit 0,6 Prozent Wachstum. Getragen werde dieser Aufschwung zu zwei Dritteln von staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung sowie zu einem Drittel von Exporten, für die 2026 ein Anstieg um 3,7 Prozent erwartet wird, nach einem Rückgang von 0,9 Prozent im Jahr 2025. Zudem habe die Wirtschaft den Energieschock durch den Iran-Krieg und die Schließung der Straße von Hormus überstanden.
Frankreich wird neues Schlusslicht im Euroraum
Auf seiner Jahrestagung in Bangkok stellte der IWF die neuen Zahlen zum Weltwirtschaftsausblick vor. Im Euroraum wird für 2026 nun ein Gesamtwachstum von 1,1 Prozent erwartet, was einem Plus von 0,2 Prozentpunkten entspricht, gefolgt von 1,2 Prozent im Jahr 2027. Das Wachstum im zweiten Quartal im Euroraum stützten vor allem Irland und Spanien.
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Für Spanien prognostiziert der Fonds für 2026 ein Plus von 2,5 Prozent und für 2027 von 1,8 Prozent. Italien liegt für 2026 bei 0,8 Prozent und für 2027 bei 0,6 Prozent.
Deutschland gibt derweil die Position als Wachstumsschlusslicht der großen EU-Staaten ab. Diese Rolle fällt nun Frankreich zu, für das der IWF die Prognose auf 0,4 Prozent für 2026 und auf 0,7 Prozent für 2027 senkte.
Globale Entwicklung getrieben von Rechenzentren und Halbleitern
Weltweit rechnet der IWF für 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent und für 2027 mit unverändert 3,4 Prozent. Die USA verzeichnen laut der Prognose sowohl 2026 als auch 2027 einen Zuwachs von 2,3 Prozent.
Für China werden 4,5 Prozent im Jahr 2026 und 4,0 Prozent im Folgejahr erwartet, während Japan in beiden Jahren bei 0,7 Prozent liegen soll. Industrieländer wachsen im Schnitt um rund 2 Prozent, die asiatischen und südamerikanischen Schwellenländer um rund 4 Prozent und Staaten des mittleren sowie südlichen Afrika um durchschnittlich 4,5 Prozent.
IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro bewertete die globale Konjunktur als widerstandsfähig, sprach jedoch von einem zweigeteilten Ausblick zwischen dem weltweiten KI-Boom einerseits und ärmeren Ländern andererseits. Mittlerweile stehen nur noch 32 Volkswirtschaften für 95 Prozent des weltweiten Wachstums, verglichen mit 54 Staaten im April.
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Taiwan und Südkorea vereinen 62 Prozent des Nettohandels mit KI-Hardware auf sich. Auf China und die USA entfielen im Jahr 2025 über 75 Prozent der Nettoimporte dieser Technologie sowie 57 Prozent der seit 2024 neu errichteten Rechenzentren.
Inflationsrisiken und fiskalische Grenzen
Zugleich belasten Preissteigerungen das Gesamtbild. Die globale Inflationsprognose wurde für 2026 auf 4,7 Prozent und für 2027 auf 4,1 Prozent angehoben. Für den Euroraum werden Raten von 3,1 Prozent und 2,8 Prozent prognostiziert, während für Deutschland 2,7 Prozent im Jahr 2026 und 3,1 Prozent im Jahr 2027 veranschlagt werden.
Die Bundesregierung bezifferte die deutsche Inflationsrate im September auf 3,3 Prozent. In den USA werden 3,6 Prozent für 2026 erwartet, in Japan 2,0 Prozent.
Der jüngste Ölpreisschock dämpfte das Weltwachstum 2026 um 0,3 Prozentpunkte, wozu ein seit Mitte der 2010er Jahre um rund 20 Prozent gesunkener Ölverbrauch je BIP-Einheit beitrug.
Dennoch warnte der IWF, dass enttäuschte Erwartungen im Technologiesektor Abverkäufe an den Aktienmärkten auslösen könnten. Zudem mahnt die Institution zur Wiederherstellung fiskalischer Spielräume, da die gestiegene Staatsverschuldung die Resilienz der Staaten bedrohe.
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