IW-Studie, Wachstumspotenzial

IW-Studie: Wachstumspotenzial steigt ab 2030 auf 0,7 Prozent

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Das Institut der deutschen Wirtschaft erwartet für Deutschland ab 2030 eine höhere strukturelle Wachstumsrate. Dafür müssten Unternehmen stärker in KI, Energieinfrastruktur und Klimaschutz investieren, während die Demografie das Arbeitskräfteangebot belastet.

Arbeitskräfte und Investitionen bis 2040

  • Das IW erwartet von 2030 bis 2035 ein jährliches Wachstumspotenzial von 0,7 Prozent.
  • In der zweiten Hälfte der 2030er Jahre soll das Potenzial auf ein Prozent steigen.
  • Für 2040 prognostiziert die Studie 50,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter.
Containerschiff (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

IW erwartet höheres Wachstum ab 2030

Das Institut der deutschen Wirtschaft erwartet für Deutschland ab 2030 ein deutlich höheres Wachstumspotenzial als in der laufenden Dekade. Zwischen 2030 und 2035 soll die deutsche Wirtschaft demnach jährlich um 0,7 Prozent wachsen können, in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre sogar um ein Prozent.

Digitalisierung soll Produktivität steigern

Nach der Studie liegt das Wachstumspotenzial bis 2030 zunächst bei 0,3 Prozent pro Jahr. Als Gründe für die erwartete Beschleunigung nennen die Forscher die Digitalisierung und den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz.

Zusätzlich soll der Kapitaleinsatz im Durchschnitt einen Wachstumsbeitrag von einem halben Prozentpunkt leisten. Dafür sind Investitionen in KI-Anwendungen, Energieinfrastruktur und Klimaschutz erforderlich.

Investitionsgipfel in Berlin geplant

Die Studie setzt voraus, dass Deutschland seine seit Jahren andauernde Investitionsschwäche überwindet. Die Bundesregierung plant in der kommenden Woche einen internationalen Investorengipfel in Berlin, um private Investitionen anzukurbeln.

Demografie belastet Arbeitsangebot

Vom Arbeitseinsatz erwarten die Forscher in den kommenden 15 Jahren dagegen einen leicht negativen Wachstumsbeitrag. Das Erwerbspersonenpotenzial werde wegen der demografischen Entwicklung deutlich sinken.

Im Jahr 2040 sollen demnach nur noch 50,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter sein. Das wären 7,7 Prozent beziehungsweise 4,3 Millionen Personen weniger als im Basisjahr 2025.

Die IW-Prognose beschreibt kein kurzfristiges Konjunkturprogramm, sondern die langfristige Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Das sogenannte Potenzialwachstum zeigt, wie stark eine Volkswirtschaft bei normaler Auslastung dauerhaft wachsen kann. Ein Anstieg von 0,3 Prozent bis 2030 auf 0,7 Prozent zwischen 2030 und 2035 würde daher eine Verbesserung der strukturellen Voraussetzungen bedeuten, ersetzt aber keine aktuelle Erholung.

Der entscheidende Hebel liegt laut Studie bei Produktivität und Kapital. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz können Prozesse beschleunigen und den Einsatz von Beschäftigten effizienter machen. Dafür müssen Unternehmen jedoch investieren: in Rechenzentren, Software, Maschinen, Energieversorgung und klimafreundliche Technologien. Der geplante Investitionsgipfel in Berlin fällt in diesen Zusammenhang. Dort sollen internationale Kapitalgeber für Vorhaben in Deutschland gewonnen werden.

Demografie begrenzt den Aufschwung

Die Entwicklung des Arbeitskräfteangebots bleibt der zentrale Gegenfaktor. Wenn bis 2040 rund 4,3 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter fehlen, kann zusätzliches Wachstum nicht dauerhaft über mehr Beschäftigte entstehen. Für Unternehmen erhöht das den Druck, Automatisierung, Weiterbildung und eine bessere Erwerbsbeteiligung voranzutreiben.

Für Bürger zeigt sich die Bedeutung vor allem mittelbar: Höheres Produktivitätswachstum kann Einkommen, Steuereinnahmen und die Finanzierung des Sozialstaats stützen. Ob das Potenzial tatsächlich erreicht wird, hängt jedoch davon ab, ob die Investitionsschwäche überwunden und die notwendige Infrastruktur rechtzeitig ausgebaut wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Pakt für physische KI: Kanzler Merz plant Nvidia-Mega-Deal“ (16.10.2026)

Der Beitrag ordnet den angekündigten Investitionsgipfel über eine geplante Kooperation mit Nvidia und den Ausbau physischer KI in Deutschland ein. Damit liegt der Schwerpunkt auf konkreten Technologieinvestitionen, während die IW-Meldung die längerfristige Wirkung von Digitalisierung und Kapitalbildung auf das Wachstumspotenzial beschreibt.

tagesschau: „Bundesregierung plant KI-Kooperation mit Nvidia“ (16.10.2026)

Auch dieser Bericht bestätigt den Investitionsgipfel am Montag und Dienstag in Berlin und nennt rund 200 erwartete Unternehmen. Im Unterschied zur IW-Studie steht die politische und wirtschaftliche Anbahnung konkreter KI-Projekte im Mittelpunkt; offen bleibt, wie schnell daraus messbare Produktivitätsgewinne entstehen.

Gemeinsam ist den Beiträgen der Fokus auf Investitionen und KI als Wachstumsfaktoren. Die IW-Prognose richtet den Blick stärker auf die strukturelle Entwicklung bis 2040, während die anderen Berichte konkrete Vorhaben und den unmittelbar anstehenden Gipfel hervorheben.

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