IT-Sicherheit, Firmen

IT-Sicherheit: 80-90% der Firmen haben keine Kontrolle

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 19:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

80 bis 90 Prozent der deutschen Unternehmen fehlt die Souveränität in Sicherheitsfragen. Neue Regularien und KI-Angriffe verschärfen die Lage.

IT-Sicherheitsstudie: Deutsche Firmen ohne Kontrolle über ihre Strategie
Moderne Serverräume in einem Rechenzentrum mit leuchtenden Datenleitungen als Symbol für IT-Sicherheit und Cloud-Infrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von Cybersense.

Laut der Analyse vom 21. Juli 2026 verfügen schätzungsweise 80 bis 90 Prozent der deutschen Firmen über keine Souveränität in Sicherheitsfragen. Michael Pütz von Cybersense warnt vor zunehmenden Cloud-Abhängigkeiten und Lock-in-Effekten. Zur Bewertung der Risiken hat das Unternehmen eine neue ScoreCard entwickelt.

Deutsche Cloud bevorzugt, US-Anbieter gemieden

Eine Bitkom-Studie unter 603 Unternehmen vom selben Tag zeigt klare Präferenzen: Alle befragten Firmen bevorzugen Cloud-Rechenzentren mit Standort in Deutschland. 94 Prozent schließen Anbieter aus China explizit aus. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) lehnt Dienstleister aus den USA ab.

Dass dies kein theoretisches Szenario ist, zeigt ein prominenter Fall: Airbus migrierte am 20. Juli rund 70 kritische Anwendungen von AWS zum französischen Anbieter Scaleway. Der Konzern begründet den Schritt mit dem Schutz vor dem US-CLOUD Act und dem Wunsch nach einem eigenen Kill-Switch.

KI-Angriffe werden zum Wettlauf gegen die Zeit

Die Geschwindigkeit von Cyberangriffen hat sich durch KI massiv erhöht. Die europäische Cybersicherheitsbehörde ENISA warnte am 20. Juli: KI-gestützte Angriffe nutzen Schwachstellen innerhalb von Minuten aus. Unternehmen brauchen für Gegenmaßnahmen oft Stunden oder Tage. Langsame interne Entscheidungsprozesse gelten als größte Sicherheitslücke.

Auch beim Einsatz eigener KI-Systeme herrscht Misstrauen. Laut einer Studie von Boomi und Forrester haben 86 Prozent der Unternehmen KI-Agenten pilotiert. Doch nur 34 Prozent vertrauen diesen Systemen. Fehlende Kontrollmechanismen verursachen Zusatzkosten von durchschnittlich 2,1 Millionen US-Dollar durch Richtlinienverstöße.

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Eine Okta-Studie ergänzt: 69 Prozent der Entscheider bremsen geplante KI-Projekte aus Sicherheitsbedenken.

Vorstände haften jetzt persönlich

Der regulatorische Rahmen wird im Sommer 2026 deutlich enger. Der Digital Operational Resilience Act (DORA) verschärft die persönliche Haftung für Vorstände und Geschäftsführer. Bei schwerwiegenden IT-Ausfällen oder mangelhafter Vorsorge drohen Konsequenzen nach Aktien- oder GmbH-Gesetz.

Die Meldefristen für IT-Vorfälle sind strikt:
- Erstmeldung: Innerhalb von 24 Stunden
- Zwischenbericht: Nach 72 Stunden
- Abschlussbericht: Spätestens nach einem Monat

Flankiert wird dies durch den Cyber Resilience Act (CRA), dessen Umsetzungsphase im September 2026 beginnt. Experten bereiten sich auf der Konferenz secIT digital Ende September auf die neuen Anforderungen vor.

Windows 10 als Sicherheitsrisiko

Trotz der Bedrohungslage stagnieren notwendige Modernisierungen. Laut Daten von Lansweeper läuft Windows 10 noch auf jedem sechsten PC (16,9 Prozent). In KMU liegt der Anteil mit 21,4 Prozent noch höher. Das ist kritisch: Für Windows 10 werden fast dreimal so viele Schwachstellen gemeldet wie für Windows 11.

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Die Dringlichkeit von Sicherheits-Patches unterstrich jüngst ein Ultimatum der US-Behörde CISA. Bis zum 19. Juli forderte sie die Behebung einer kritischen SharePoint-Lücke (CVE-2026-58644). Microsoft warnte zudem vor einer neuen Welle des ACR Stealers. Diese Malware-as-a-Service nutzt gefälschte Fehlermeldungen, um Zugriff auf Browserdaten sowie Dateien in OneDrive und SharePoint zu erlangen.

Der Finanzsektor sieht sich wachsenden Risiken gegenüber. Laut einer Erhebung von AlixPartners betrachten 70 Prozent der europäischen Banken Cybersicherheit als ihr größtes Risiko – eine Verdopplung zum Vorjahr. Nur 25 Prozent der Risikomanager trauen ihren Instituten zu, den Geschäftsbetrieb nach einem schweren Angriff zeitnah wiederherzustellen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

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