ISO 9001:2026: Neue QM-Norm mit Klimawandel-Anforderungen ab September
14.06.2026 - 00:08:13 | boerse-global.de
Im Juni erreichte der Final Draft International Standard (FDIS) einen entscheidenden Meilenstein. Die finale Veröffentlichung der ISO 9001:2026 ist für September geplant, die deutsche Fassung soll im November erscheinen.
Unternehmen stehen damit vor einer umfassenden Aktualisierung ihrer QM-Systeme. Branchenexperten und Bildungseinrichtungen bereiten den Mittelstand bereits intensiv auf die neuen Anforderungen vor.
Klimawandel und Qualitätskultur als neue Schwerpunkte
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Die Revision geht weit über die bisherige Prozessorientierung hinaus. Ein zentrales neues Thema: die Berücksichtigung des Klimawandels im QM-System. Hinzu kommen die Etablierung einer gelebten Qualitätskultur und ethisches Verhalten im Unternehmen.
Technisch rückt die klarere Trennung zwischen Risiken und Chancen in den Fokus. Auch der „Annex A“ mit ergänzenden Leitlinien wird angepasst. Maximilian Cerny-Probst, der in DIN- und ISO-Normenausschüssen mitwirkt, vermittelt die Änderungen bereits in Online-Seminaren.
Die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) plant vertiefende Schulungen zum Qualitätsmanagement-Audit nach dem neuen Standard ab Ende Juli 2026.
Zertifizierungswelle in Digitalwirtschaft und Industrie
Parallel zur laufenden Revision schließen zahlreiche Unternehmen erfolgreich Zertifizierungen nach den aktuellen Standards ab – oft kombiniert mit Normen zur Informationssicherheit.
Die Berliner COSMO CONSULT Gruppe mit mehr als 1.600 Mitarbeitern ließ sich im Juni vom TÜV Rheinland nach ISO 9001 und ISO 27001 zertifizieren. Das betrifft die Gesellschaften des IT-Dienstleisters in Deutschland und Österreich. CEO Uwe Bergmann: „Qualität und Informationssicherheit müssen im operativen Alltag dauerhaft funktionieren.“
Auch im 3D-Druck-Sektor gewinnen kombinierte Zertifizierungen an Bedeutung. Der Dienstleister PartsToGo aus Karlsbad erweiterte sein Portfolio um das TISAX-Label (Level 3) – speziell für die Informationssicherheit in der Automobilindustrie. Das Unternehmen ist bereits nach ISO 9001 und der Luftfahrtnorm EN 9100 zertifiziert. Für 2026 plant es zudem die EASA-Part-21G-Zulassung.
Regulatorischer Druck verschärft sich
Die Vorbereitungen auf die neue ISO-Norm fallen in eine Zeit steigender regulatorischer Anforderungen. Seit Dezember 2025 gilt das NIS-2-Umsetzungsgesetz ohne Übergangsfrist für rund 29.500 Unternehmen. Verstöße können Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen.
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Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) startete am 10. Juni eine Umfrage, um den Unterstützungsbedarf des Mittelstands bei der Umsetzung zu ermitteln.
Hinzu kommt: Ab dem 1. Januar 2027 greift für Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Umsatz die Pflicht zur E-Rechnung. Laut einer Studie des Softwareherstellers Quadient betrachten zwar 75 Prozent der befragten Unternehmen ihre Rechnungsprozesse als digitalisiert. Doch nur rund 6 Prozent erfüllen die spezifischen gesetzlichen Anforderungen.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) plant zudem mit dem System der Unternehmensstatistiken (SysdU) eine Straffung der Berichtspflichten. Eine erste Testerhebung mit mehr als 100 Unternehmen soll noch 2026 beginnen. Die stufenweise Einführung ist ab 2031 geplant.
