Investoren-Verhalten, Pitches

Investoren-Verhalten: Wer Pitches anschaut, investiert 4,4-mal häufiger

05.06.2026 - 14:25:10 | boerse-global.de

Präsentationen steigern Investitionswahrscheinlichkeit um das 4,4-Fache. 42% des Kapitals fließen am letzten Tag einer Finanzierungsrunde.

Startup-Pitches: 4,4x mehr Investments durch Präsentation
Investoren-Verhalten - Ein Business Angel und ein Start-up-Gründer bei einer Pitch-Präsentation in einem modernen Büro. Fokus auf Interaktion. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Nur ein Viertel der Investoren sieht sich den Pitch eines Start-ups an – aber diese Gruppe verantwortet fast 60 Prozent des gesamten Investitionsvolumens. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Investmentplattform Companisto, die über 50.000 Investoren-Sessions aus 166 Finanzierungsrunden analysierte.

Wer sich die Präsentation des Geschäftsmodells genau ansieht, investiert mit 4,4-mal höherer Wahrscheinlichkeit. Die direkte Projektpräsentation ist damit der entscheidende Faktor für den Abschluss.

Hohe Loyalität und Last-Minute-Effekt

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Die Zahlen belegen eine bemerkenswerte Treue: Drei Viertel der Business Angels kehren mehrfach zu einer Finanzierungsrunde zurück. Sie holen weitere Informationen ein oder prüfen ihre Beteiligung erneut.

Ein klares zeitliches Muster zeigt sich zum Ende einer Runde: Am letzten Tag fließen durchschnittlich 42 Prozent des gesamten Kapitals. Die Entscheidung fällt also oft erst kurz vor Schluss.

Europäischer Markt konsolidiert sich

Das Verhalten der Privatinvestoren spiegelt einen größeren Trend wider. 2025 flossen 66,2 Milliarden Euro in europäische Start-ups – deutlich weniger als in den Boomjahren. Die Zahl der Deals sank auf 8.477, nachdem 2021 noch über 15.300 Transaktionen gezählt wurden.

Besonders hart traf es Frühphasenfinanzierungen: Sie fielen auf weniger als die Hälfte des Niveaus von 2021.

KI dominiert das Geschehen

Innerhalb dieses schrumpfenden Marktes hat Künstliche Intelligenz das Sagen. Kapitalflüsse sind zunehmend an KI-Bezüge geknüpft. Drei Beispiele zeigen die Dimension: Nscale erhielt zwei Milliarden Euro, Mistral AI 1,7 Milliarden Euro und Helsing 600 Millionen Euro.

Deep Tech: Europa stark, aber unterfinanziert

Trotz der Innovationskraft im Deep-Tech-Bereich klafft eine gewaltige Finanzierungslücke. Der aktuelle Global Deep Tech Report zeigt: 45 Prozent der weltweiten Deep-Tech-Start-ups kommen aus Europa – aber nur 17 Prozent des globalen Kapitals landen hier.

Zum Vergleich: In Nordamerika wurden 337,5 Milliarden US-Dollar investiert, in Europa gerade 92,5 Milliarden US-Dollar.

Besonders kritisch ist der Übergang von der Series-A- zur Series-B-Finanzierung. Nur jedes zehnte europäische Start-up schafft diesen Sprung. In den USA liegt die Erfolgsquote bei 24 Prozent.

Bürokratie bremst – EU plant neue Rechtsform

Neben der Kapitalverfügbarkeit behindern bürokratische Hürden das Wachstum. Die EU-Kommission reagiert: Eine neue Rechtsform namens „EU Inc.“ soll Gründungen innerhalb von 48 Stunden ermöglichen und Prozesse digitalisieren.

TV-Formate unbeliebt bei Gründern

Klassische Business Angels bleiben wichtig, aber TV-Shows wie „Die Höhle der Löwen“ sind bei IT-Start-ups nicht gefragt. Eine Bitkom-Umfrage unter 302 Unternehmen zeigt: Zwei von drei Gründern lehnen eine Teilnahme ab.

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Die Gründe: unattraktive Konditionen (50 Prozent), Zweifel an der fachlichen Expertise der Juroren (40 Prozent) und die Angst vor einem Imageschaden (34 Prozent).

Neue Strukturen für den Mittelstand

Parallel entstehen alternative Finanzierungsmodelle. In Hannover gründete sich im Mai die Deutsche Mittelstandsholding für Industriebeteiligungen (DMH). Mit Kapitalzusagen von 150 Millionen Euro von Versorgungswerken und Sparkassen soll sie Unternehmensnachfolgen und Konzernausgründungen unterstützen. Zusammen mit der NORD Holding stehen damit rund 300 Millionen Euro für Beteiligungen bereit.

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