Investitionsgipfel in Berlin: Merz wirbt mit Nvidia-Chef Huang um Kapital
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn Berlin beginnt am Montagabend ein hochrangig besetzter Investitionsgipfel der Bundesregierung unter Leitung von Bundeskanzler Friedrich Merz. Der Auftakt der Veranstaltung findet in einem stillgelegten Berliner Kraftwerk statt, wo Regierungsvertreter mit Führungskräften zahlreicher Unternehmen aus dem In- und Ausland zusammenkommen.
Zu den prominenten Gästen zählt Nvidia-Chef Jensen Huang. Aus Regierungskreisen verlautete im Vorfeld, dass eine Kooperation mit dem US-Technologiekonzern Nvidia geplant sei.
Das Treffen wird am Dienstag an einer privaten Wirtschaftshochschule fortgesetzt und findet dort überwiegend hinter verschlossenen Türen statt. Neben einer Eröffnungsrede des Bundeskanzlers sind Beiträge mehrerer Bundesminister vorgesehen. Erklärtes Ziel der Zusammenkunft ist es, das Volumen privater Investitionen am Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu steigern.
Standortprofil und internationale Vorbilder
Die Bundesregierung orientiert sich mit diesem Format laut Medienberichten am Vorbild des französischen Investitionsforums «Choose France», das internationale Wirtschaftsentscheider regelmäßig im Nachbarland versammelt.
In Unterlagen für internationale Investoren präsentiert die Regierung die Bundesrepublik als «Europas Fundament der Stabilität». Dabei verweist Berlin auf eine solide Haushaltslage, die Spitzenbonität bei drei großen Ratingagenturen, ein hohes Maß an Rechtssicherheit und die breite industrielle Basis des Landes.
Internationale Geldgeber reagieren jedoch zurückhaltend: Sie fordern von der Bundespolitik konkretere Nachweise für die tatsächliche Reformwirkung der angekündigten Regierungsmaßnahmen.
Auch deutsche Tech-Gründer drängen auf spürbare Weichenstellungen. Sie fordern von der Politik einen dedizierten Wachstumsfonds für Deep-Tech-Projekte, da das fragmentierte heimische Wagniskapital die Finanzierung großer Vorhaben im Bereich der künstlichen Intelligenz erschwere.
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Berliner Unternehmer und Wagniskapitalgeber mahnen zudem schnellere digitale öffentliche Dienste, günstigere Gewerbeflächen und einen besseren Zugang zu Wachstumskapital an, um im Wettbewerb mit anderen europäischen Technologiezentren nicht zurückzufallen.
Bürokratielast und Klagen der Wirtschaft
Die Zurückhaltung bei privaten Investitionen wird maßgeblich durch regulatorische Rahmenbedingungen geprägt. Eine Umfrage von Edelman Intelligence und dem Ifo-Institut im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen unter 2.100 Unternehmern in sieben europäischen Staaten ergab, dass 83 Prozent der befragten europäischen Unternehmer die regulatorische Belastung in der EU als Hemmnis für Investitionen einstufen.
Bei 34 Prozent der befragten deutschen Unternehmer verschlingt die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben mehr als 7 Prozent des Umsatzes. Nur rund die Hälfte der deutschen Befragten erwartet bis zum Jahresende eine Verbesserung.
Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrats der CDU, betonte zuletzt, dass der deutsche Mittelstand das dritte Jahr in Folge keine zusätzlichen Arbeitsplätze schaffe und die Staatsquote den höchsten Stand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1960 erreicht habe.
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Während die öffentlichen Investitionen um mehr als 20 Prozent über dem Niveau von 2019 lägen, befänden sich die privaten Investitionen um mehr als 10 Prozent darunter.
Zudem seien seit 2023 über 400.000 Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft weggefallen, während bei Staat und staatsnahen Institutionen knapp 500.000 zusätzliche Stellen entstanden seien. Das Potenzialwachstum verharre auf der Nulllinie.
Steuerdebatte und Reformgesetz 2027
Während Bundesfinanzminister Lars Klingbeil Zeichen für einen neuen Aufschwung sieht, sorgt die steuerliche Agenda für Diskussionen. Am 8. Oktober 2026 wurde das Reformgesetz 2027 in den Bundestag eingebracht, das laut dem Bundesfinanzminister Entlastungen von 10 Milliarden Euro vorsieht, primär zugunsten von Haushalten mit kleinen und mittleren Einkommen.
Bereits am 2. September 2026 hatte das Bundeskabinett den Regierungsentwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027 beschlossen, dem Bundestag und Bundesrat bis zum Jahresende zustimmen sollen.
Wirtschaftsverbände sehen die steuerlichen Signale hingegen kritisch. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) wandte sich Anfang Oktober gemeinsam mit sieben weiteren Spitzenverbänden in einem Schreiben an das Bundesfinanzministerium, um Regelungen zu Umwandlungen, der Thesaurierungsbegünstigung, der Körperschaftsteuer und der Direktverrechnung vor 2030 zu thematisieren.
Der BGA bemängelt, dass geplante Maßnahmen wie die Reichensteuer und eine höhere Pauschalsteuer auf Minijobs rund 2,5 Milliarden Euro an Mehreinnahmen bringen sollen.
Zudem plane das Haushaltsbegleitgesetz 2027 zusätzliche Einnahmen aus Verbrauchsteuern, ab 2027 die Einführung einer Plastiksteuer sowie steigende Sozialversicherungs-Bemessungsgrenzen, während zugleich der Tankrabatt Ende 2026 ausläuft. Unter dem Strich, so der Verband, bleibe für die Wirtschaft kaum eine Entlastung übrig.
