Investitionen, Deutschland

Investitionen: Deutschland auf Platz 34 mit nur 0,2% des BIP

01.07.2026 - 04:07:19 | boerse-global.de

Deutschlands produktive Nettoinvestitionen fallen auf 0,2% des BIP, das Schlusslicht unter 34 Nationen. Hohe Energiekosten treiben Unternehmen ins Ausland.

Deutschlands Investitionskrise: Rekordtief bei Nettoinvestitionen
Investitionen - Industrielandschaft bei Dämmerung mit kaum rauchenden Schornsteinen und verschwommenem Hintergrund einer modernen, geschäftigen Überseefabrik. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Einer aktuellen McKinsey-Analyse zufolge erreichten sie 2024 nur noch 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit landet die Bundesrepublik auf dem letzten Platz unter 34 untersuchten Industrie- und Schwellenländern.

Zum Vergleich: Die USA kommen auf 4 Prozent, China sogar auf 23 Prozent. Die Studie zeigt zudem ein massives Kostengefälle: Die deutschen Produktionskosten liegen 35 bis 50 Prozent über denen der wettbewerbsfähigsten Standorte. Besonders krass ist der Unterschied bei den Energiepreisen – sie betragen das Drei- bis Vierfache des internationalen Niveaus.

Innovationen wandern ab

Auch bei den Patentanmeldungen verliert Deutschland an Boden. Zwischen 2011 und 2023 gingen sie um 13 Prozent zurück. China verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Zuwachs von 311 Prozent. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern.

Eine IHK-Umfrage unter 300 Mitgliedsunternehmen zeigt: 37 Prozent der Industriebetriebe haben bereits Kapazitäten ins Ausland verlegt oder planen dies konkret. Das DIHK-Energiewende-Barometer, basierend auf Rückmeldungen von 3.600 Unternehmen, nennt die Energiepreise als Hauptgrund. Bei Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten zieht inzwischen jeder zweite Betrieb eine Verlagerung in Betracht.

Internationale Konzerne setzen auf USA und Großbritannien

Die Abwanderung betrifft nicht nur den Mittelstand. Internationale Konzerne richten ihre Investitionsstrategien zunehmend außerhalb der EU aus. Der Energiekonzern Iberdrola führt eine Kapitalerhöhung von 5 Milliarden Euro vollständig außerhalb der EU durch und hält drei Viertel seines Netzvermögens in den USA und Großbritannien.

RWE hat die USA zum Schwerpunktmarkt erklärt. AstraZeneca plant dort Investitionen von 50 Milliarden US-Dollar. Siemens investiert über 15 Milliarden US-Dollar in US-Digitaltechnik. Auch BMW und Mercedes-Benz bauen ihre Kapazitäten in South Carolina weiter aus.

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Arbeitsmarkt gerät unter Druck

Die wirtschaftliche Schwächephase hinterlässt Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Das ifo-Beschäftigungsbarometer sank im Juni auf 92,3 Punkte. Schätzungen zufolge fielen 2025 bereits 120.000 Stellen in der Industrie weg. Für das laufende Jahr 2026 wird mit dem Abbau weiterer 100.000 Arbeitsplätze gerechnet.

Eine Erhebung von Horváth und dem Handelsblatt zeigt: 60 Prozent der Industrieunternehmen planen, ihren Personalbestand bis 2030 weiter zu reduzieren. Gleichzeitig steigen die Insolvenzzahlen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 5.940 Verfahren registriert – ein Anstieg von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Ein prominentes Beispiel: Die Insolvenz in Eigenverwaltung der Leuna Polyamid. Davon könnte indirekt der gesamte Chemiepark Leuna mit rund 10.000 Beschäftigten betroffen sein.

Rekord bei erneuerbaren Energien – aber Kritik an der Netzpolitik

Trotz der Krise gibt es auch positive Nachrichten: Der Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht neue Höchststände. Im ersten Halbjahr 2026 deckten regenerative Quellen laut ZSW und BDEW 58 Prozent des deutschen Stromverbrauchs – ein Zuwachs von drei Prozentpunkten. Besonders die Offshore-Windkraft legte um über 28 Prozent zu.

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Doch die Energiepolitik steht in der Kritik. Green Planet Energy warnt unter Berufung auf eine enervis-Analyse: Das geplante Netzpaket von Wirtschaftsministerin Reiche könnte Investitionen von 45 Milliarden Euro gefährden. Der vorgesehene Redispatch-Vorbehalt sorge für Unsicherheit bei Projekten mit einer Gesamtleistung von 32 Gigawatt.

Fachleute fordern stattdessen regionale Baukostenzuschüsse und eine effizientere Nutzung der bestehenden Netze. Die Zeit drängt: Ende 2026 läuft die EEG-Förderung aus.

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