Deutsche Bank: Europa lockt Investoren, Reformdruck wächst
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 10:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Internationale Investoren sehen Europa einer Umfrage der Deutschen Bank zufolge trotz hoher Hürden als besonders attraktiven Standort.
Europa bleibt für Kapital interessant
Nach Angaben des Instituts Kantar, das im Juli und August 1.200 Führungskräfte und Entscheidungsträger außerhalb Europas befragt hat, gilt die Region unter den Teilnehmern als weltweit attraktivste Adresse für Investitionen. Innerhalb Europas rangiere Deutschland deutlich auf Platz eins, sagte Deutsche-Bank-Vorstand Alexander von zur Mühlen.
67 Prozent der befragten Unternehmen seien bereits in Europa investiert, die übrigen planten dies innerhalb der kommenden fünf Jahre. Die Aussagen deuten darauf hin, dass Europa weiterhin von Stabilität, Innovationskraft und einem großen Binnenmarkt profitiert.
Hürden bremsen grenzüberschreitendes Geschäft
Gleichzeitig kritisieren Unternehmen demnach die Fragmentierung des Kontinents, hohe Kosten und langsame Genehmigungen. Von zur Mühlen sagte, die größte Bremse für Europa sei Europa selbst.
Damit rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, wie schnell Politik und Verwaltung Investitionen tatsächlich ermöglichen. Gerade für Deutschland steht dabei viel auf dem Spiel, weil sich Investitionsentscheidungen oft an Verfahrensdauer, Planbarkeit und Standortkosten entscheiden.
Reformdruck auch in Deutschland
Von zur Mühlen verwies zudem auf den wachsenden Reformdruck in Deutschland und betonte, Populismus löse keine Probleme. Europa und Deutschland müssten nach außen offen bleiben und nach innen den Reformdruck erhöhen.
Die Einschätzung passt zu einer Zeit, in der viele Unternehmen in Europa Chancen sehen, diese aber nur dann nutzen, wenn Genehmigungen, Regulierung und Zuständigkeiten spürbar einfacher werden. Für die wirtschaftliche Entwicklung könnte das entscheidend sein, weil ungenutztes Kapital Wachstum und Beschäftigung verzögert.
Einordnung: Reformdruck trotz attraktivem Standort
Die Meldung trifft einen bekannten Kern der europäischen Standortdebatte: Europa gilt Investoren weiter als stabil und planbar, zugleich bremsen langsame Verfahren, unterschiedliche Regeln und hohe Kosten grenzüberschreitende Vorhaben. Gerade Deutschland steht dabei unter besonderem Druck, weil der größte europäische Binnenmarkt nur dann voll wirkt, wenn Kapital, Projekte und Genehmigungen schneller zusammenfinden.
Für Unternehmen zählt dabei nicht nur die Rendite, sondern auch die Verlässlichkeit politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen. Dass internationale Führungskräfte Europa und Deutschland dennoch vorne sehen, ist ein Signal für vorhandene Standortstärken. Der Befund zeigt aber auch, dass diese Vorteile nicht automatisch in neue Investitionen münden, wenn Bürokratie, Fragmentierung und lange Entscheidungswege den Einstieg verteuern.
Politisch erhöht das den Handlungsdruck auf Bund und Länder. Wer Investitionen anziehen will, muss Verfahren vereinfachen, Planungs- und Genehmigungszeiten verkürzen und grenzüberschreitende Regeln besser verzahnen. Für Leser hat das unmittelbare Bedeutung: Verzögerte Investitionen wirken sich auf Wachstum, Beschäftigung und die Modernisierung von Infrastruktur und Industrie aus. Je länger Reformen aufgeschoben werden, desto größer wird das Risiko, dass Kapital zwar Interesse zeigt, aber andere Regionen schneller liefern.
