Smart Meter, Energieversorgung

Intelligente Stromzähler: Deutschland bleibt bei Smart-Meter-Ausbau EU-weit Schlusslicht

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 13:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Intelligente Stromzähler kommen in Deutschland nur langsam voran: Ende Juni waren erst 5,9 Prozent der Messstellen mit Smart Metern ausgestattet, obwohl der Ausbau für die Energiewende als wichtig gilt. Ein EU-Vergleich zeigt, wie weit andere Länder bereits sind.

In Deutschland sind erst 5,9 Prozent aller Messstellen mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet. (Archivbild) - Bild: Helge Toben/dpa
In Deutschland sind erst 5,9 Prozent aller Messstellen mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet. (Archivbild) - Bild: Helge Toben/dpa

Intelligente Stromzähler sind in Deutschland bisher nur an einem kleinen Teil der Messstellen installiert, obwohl der Ausbau vorankommt.

Bundesnetzagentur meldet langsamen Fortschritt

Ende Juni waren nach Angaben der Bundesnetzagentur in Bonn an 5,9 Prozent der insgesamt gut 54 Millionen Messstellen sogenannte Smart Meter verbaut. Im ersten Halbjahr kamen 765.000 Geräte neu hinzu. Die Behörde hatte im Frühjahr Verfahren gegen Strom-Verteilnetzbetreiber eingeleitet, die die gesetzlichen Ausbauziele nicht erfüllen. Behördenpräsident Klaus Müller erklärte laut Mitteilung, nach Eröffnung dieser Aufsichtsverfahren gehe der Rollout bundesweit voran.

Funktionsweise und Nutzen der intelligenten Zähler

Smart Meter bestehen aus einem digitalen Stromzähler und einer Kommunikationseinheit. Sie erfassen den Stromverbrauch eines Haushalts im Viertelstundentakt und übermitteln die Daten an Netzbetreiber und Energielieferanten. Mit den Messsystemen können Haushalte genau nachvollziehen, zu welcher Tageszeit sie wie viel Strom verbrauchen. Bei passenden Stromtarifen lässt sich etwa der Betrieb einer Waschmaschine oder das Laden eines E-Autos gezielt in Zeiten mit viel Sonnen- und Windenergie verlegen, in denen Strom günstiger ist. Netzbetreiber können die Daten zudem nutzen, um ihre Netze besser zu steuern.

Pflichten zur Umrüstung und Folgen für den Ausbau

Bislang sind die Netzbetreiber nur unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet, private Haushalte mit Smart Metern auszurüsten, etwa wenn eine Wärmepumpe oder eine größere Photovoltaikanlage angeschlossen ist. Diese Einschränkungen tragen dazu bei, dass der Umbau langsamer vorankommt als von vielen Fachleuten erwartet. Für Haushalte ohne solche Anlagen bleibt der klassische Stromzähler häufig noch Standard.

Deutschland im EU-Vergleich deutlich zurück

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Verbreitung intelligenter Stromzähler weit zurück. Nach einer Auswertung der EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden verfügten Ende 2025 in der EU und Norwegen rund 66 Prozent der erfassten Haushaltskunden über einen intelligenten Zähler. In den meisten EU-Mitgliedstaaten lag die Ausstattungsquote demnach bei mehr als 80 Prozent, in mehreren Ländern jedoch unter 20 Prozent. Die Agentur stellte fest, dass in Staaten mit geringer Verbreitung die Möglichkeit der Verbraucher eingeschränkt sei, ihren Stromverbrauch in Echtzeit anzupassen.

Deutschland mit niedrigster Quote unter den erfassten Ländern

Aus einer Tabelle der Auswertung geht hervor, dass Deutschland Ende 2025 unter den erfassten Ländern die niedrigste Ausstattungsquote hatte. Es lag damit hinter Tschechien mit 8,0 Prozent und Ungarn mit 9,5 Prozent. Für Rumänien, Bulgarien und Griechenland lagen keine Daten vor. Besonders weit sind Dänemark, Finnland, Italien, Estland, Lettland, Luxemburg, Portugal, Schweden, Slowenien und Spanien: Diese Staaten erreichten Ausstattungsquoten von 99 Prozent oder mehr.

Smart Meter als Baustein der Energiewende

Der langsame Ausbau intelligenter Stromzähler in Deutschland steht im Kontrast zu den hohen Erwartungen, die Politik und Energiewirtschaft an digitale Netze knüpfen. Smart Meter gelten als zentrale Voraussetzung dafür, Stromverbrauch und Stromerzeugung besser aufeinander abzustimmen. Sie ermöglichen es, Verbrauchslasten zu verschieben, wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist, und helfen, die wachsende Zahl von Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Elektroautos zu integrieren.

Regulatorischer Druck und praktische Hürden

Die Bundesnetzagentur erhöht mit Aufsichtsverfahren gegen Verteilnetzbetreiber den Druck, die gesetzlichen Ausbauziele einzuhalten. Gleichzeitig zeigt die niedrige Quote, dass technische, organisatorische und wirtschaftliche Hürden weiter bestehen. Der Einbau erfordert Eingriffe in bestehende Infrastruktur und die sichere Anbindung an Kommunikationsnetze. Zudem spielt die Akzeptanz bei Verbrauchern eine Rolle, etwa wegen Datenschutzfragen und zusätzlichen Kosten für den Zählertausch sowie den laufenden Betrieb.

Deutschland im europäischen Vergleich und Folgen für Verbraucher

Der Blick auf andere EU-Staaten macht deutlich, dass Deutschland beim Smart-Meter-Rollout deutlich hinterherläuft. Während in vielen Ländern eine nahezu flächendeckende Ausstattung erreicht ist, bleibt hierzulande ein Großteil der Haushalte bei konventionellen Zählern. Für Verbraucher bedeutet dies, dass dynamische Stromtarife und eine präzise, zeitnahe Steuerung des eigenen Verbrauchs noch längst nicht zum Standard gehören. Zugleich verschenkt das Energiesystem Potenziale, um Netze besser auszulasten und teure Spitzenlasten zu reduzieren. Der weitere Ausbau dürfte daher ein wichtiger Gradmesser dafür sein, wie schnell die Digitalisierung der Energiewende im Alltag ankommt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Saarland: Verbraucher sollten bei Kosten für Smart Meter genau hinschauen“ (19.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, dass im Zuge des zunehmenden Smart-Meter-Einbaus neue Anbieter mit teils hochpreisigen Angeboten auf den Markt drängten. Es werde geschildert, wie ein wettbewerblicher Messstellenbetreiber mit vermeintlich kostenlosen Einbauten werbe, während im Kleingedruckten hohe jährliche Betriebskosten stünden. Im Vergleich zur Meldung über den langsamen Rollout setze der Beitrag einen Schwerpunkt auf Verbraucherschutz und die Bedeutung gesetzlicher Preisobergrenzen.

Medienübergreifend werde deutlich, dass neben der technischen und regulatorischen Umsetzung des Smart-Meter-Ausbaus zunehmend auch die Kosten- und Vertragsbedingungen für Haushalte in den Fokus rücken. Während die Agenturmeldung die geringe Ausstattungsquote und den europäischen Rückstand betone, hebe der regionale Bericht die Notwendigkeit hervor, Angebote kritisch zu prüfen und die Rolle verschiedener Messstellenbetreiber zu verstehen.

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