InnoTrans 2026, Künstliche Intelligenz im Bahnverkehr

InnoTrans 2026: KI soll Bahnreisen zuverlässiger machen

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 16:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Auf der InnoTrans in Berlin zeigen Bahnhersteller, wie Künstliche Intelligenz Verspätungen verringern und Reparaturen beschleunigen soll. Gleichzeitig bleiben überalterte Infrastruktur, Baustellen und fehlende grenzüberschreitende Ticketlösungen die großen Herausforderungen für Reisende.

  • Auf der Mobilitätsmesse Innotrans geht es um technische Innovationen für den Schienenverkehr. - Bild: Christophe Gateau/dpa
    Auf der Mobilitätsmesse Innotrans geht es um technische Innovationen für den Schienenverkehr. - Bild: Christophe Gateau/dpa
  • Die EU-Kommssion will Bahnreisen quer durch Europa einfacher machen. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa
    Die EU-Kommssion will Bahnreisen quer durch Europa einfacher machen. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa
  • EU-Kommissar Tzitzikostas und Bundesverkehrsminister Bilger besuchen die Innotrans in Berlin. - Bild: Christophe Gateau/dpa
    EU-Kommissar Tzitzikostas und Bundesverkehrsminister Bilger besuchen die Innotrans in Berlin. - Bild: Christophe Gateau/dpa
  • Ab März 2027 will das Start-up Nox eine neue Nachtzugverbindung von Hamburg nach München anbieten - mit Einzel- und Doppelabteilen. - Bild: Christophe Gateau/dpa
    Ab März 2027 will das Start-up Nox eine neue Nachtzugverbindung von Hamburg nach München anbieten - mit Einzel- und Doppelabteilen. - Bild: Christophe Gateau/dpa
Auf der Mobilitätsmesse Innotrans geht es um technische Innovationen für den Schienenverkehr. - Bild: Christophe Gateau/dpa Die EU-Kommssion will Bahnreisen quer durch Europa einfacher machen. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa EU-Kommissar Tzitzikostas und Bundesverkehrsminister Bilger besuchen die Innotrans in Berlin. - Bild: Christophe Gateau/dpa Ab März 2027 will das Start-up Nox eine neue Nachtzugverbindung von Hamburg nach München anbieten - mit Einzel- und Doppelabteilen. - Bild: Christophe Gateau/dpa

Künstliche Intelligenz soll nach Einschätzung von Bahnexperten Zugverkehr, Wartung und Infrastruktur effizienter machen, während auf der InnoTrans in Berlin neue digitale Systeme und Bahnangebote vorgestellt werden.

KI soll Verspätungen begrenzen

Siemens-Mobility-Chef Michael Peter sagte bei der Eröffnung der Mobilitätsmesse, KI könne Leitstellen dabei unterstützen, verspätete Züge schneller wieder in den Takt zu bringen und Auswirkungen auf den übrigen Verkehr zu begrenzen.

Der französische Zughersteller Alstom präsentiert den KI-Assistenten „Talk to my train“. Das System nutzt bereits gesammelte Daten aus Zügen, Signal- und Zugsteuerungen sowie der Infrastruktur, damit Instandhaltungsteams Probleme schneller erkennen und beheben können.

Digitalisierung trifft auf marodes Netz

Alstom-Chef Martin Sion sagte, die Digitalisierung ermögliche auf bestehender Infrastruktur einen dichteren Zugverkehr und könne die Bahn zuverlässiger machen. In Deutschland spüren Fahrgäste davon bislang wenig: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) verwies auf Verspätungen, Zugausfälle und ein überaltertes Schienennetz.

Bei der Sanierung stark befahrener Korridore seien zuletzt wiederholt Probleme aufgetreten, sagte Bilger. Das Konzept der Korridorsanierung habe die hohen Erwartungen bislang nicht erfüllt.

Bahn setzt auf kurzfristige Verbesserungen

Bahnchefin Evelyn Palla stellte die Strategie „DB 2035“ vor. Sicherheit und Sauberkeit sollten kurzfristig verbessert werden, während die Wiederaufbereitung der Infrastruktur noch Jahre dauere.

Der Chef der ukrainischen Eisenbahn, Oleksandr Pertsovskyi, mahnte europäische Bahnunternehmen, bei Investitionen auch den militärischen Schutz der Infrastruktur zu berücksichtigen. In der Ukraine würden Züge zunehmend zum Ziel russischer Drohnenangriffe; die Bahn überwache deshalb den Luftraum über dem Schienennetz aus unterirdischen Zentren und stoppe oder evakuiere Züge bei drohenden Angriffen.

EU plant einfachere Tickets

EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas bekräftigte in Berlin das Ziel, grenzüberschreitende Bahnreisen mit einer Buchung und umfassenden Fahrgastrechten zu ermöglichen. Derzeit ist es schwierig, eine Verbindung mit mehreren Zugunternehmen in einem einzigen Vorgang zu buchen.

Nachtzug zwischen Hamburg und München geplant

Das Start-up Nox will ab März 2027 eine Nachtzugverbindung zwischen Hamburg und München anbieten. Vorgesehen sind Einzel- und Doppelabteile mit Arbeits- und Schlafmöglichkeiten; der Ticketverkauf startet am Dienstag.

Bei der 30. Ausgabe der InnoTrans stehen neben neuen Zügen digitale Schienenwege und automatisierte Verkehre im Mittelpunkt. Nach Angaben der Berliner Messe nehmen 3.170 Aussteller aus 59 Ländern teil.

Digitale Helfer treffen auf analoge Engpässe

Die InnoTrans zeigt, dass Künstliche Intelligenz im Bahnsektor vor allem dort ansetzen soll, wo große Datenmengen verarbeitet werden: bei der Verkehrssteuerung, der Wartung und der Planung von Infrastruktur. Verspätungen könnten schneller bewertet und Reparatureinsätze gezielter vorbereitet werden. Der Nutzen für Reisende hängt jedoch davon ab, ob die Systeme zuverlässig in bestehende Abläufe integriert werden.

Die zentrale Herausforderung bleibt das Netz selbst. Die geplante Sperrung der ICE-Verbindung zwischen Berlin und Hannover ab Oktober 2026 verdeutlicht, wie stark Sanierungen den Alltag von Pendlern und Regionen belasten können. In Stendal werden längere Umwege, Ersatzverkehre und Folgen für Klinik, Hochschulstandort und Unternehmen erwartet. Die Bauarbeiten sollen mindestens 14 Monate dauern und bis Dezember 2027 reichen.

Mehr Nachfrage, aber kein verlässlicher Fernverkehr

Das Interesse an öffentlicher Mobilität bleibt grundsätzlich hoch: Im ersten Halbjahr 2026 stieg das Fahrgastaufkommen im gesamten öffentlichen Verkehr auf 5,7 Milliarden Fahrten. Im Fernverkehr ging die Zahl dagegen leicht auf 75 Millionen zurück; Schnee, Eis und Hitze beeinträchtigten die Pünktlichkeit und führten zu Ausfällen.

Damit liegt die Bedeutung der Messe nicht nur in neuen Anwendungen. KI kann betriebliche Entscheidungen beschleunigen, aber weder verschlissene Gleise ersetzen noch monatelange Sperrungen vermeiden. Für Fahrgäste wird entscheidend sein, ob technischer Fortschritt mit verlässlicher Baustellenplanung, ausreichenden Umleitungen und einfachen europaweiten Buchungen verbunden wird.

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