ING, Bankenfusionen

ING will bei Bankenfusionen in Europa Käufer sein

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 06:19 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

ING-Chef Steven van Rijswijk bringt die niederländische Großbank als möglichen Käufer bei grenzüberschreitenden Bankenfusionen in Europa ins Gespräch. In Deutschland prüft das Institut vor allem Wachstumschancen in der Vermögensverwaltung und im Geschäft mit dem Mittelstand.

ING will bei großen Bankfusionen in Europa als Käufer auftreten
ING (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die niederländische Großbank ING will bei großen, grenzüberschreitenden Bankenfusionen in Europa als Käufer auftreten. ING-Chef Steven van Rijswijk sagte dem Handelsblatt, die Bank wolle bei möglichen Transaktionen „der Käufer sein, und nicht das Übernahmeziel“.

ING sieht Vorteile durch größere Strukturen

Nach der Finanzkrise und der Negativzinsphase stünden Banken inzwischen besser da und könnten sich wieder stärker mit Übernahmen beschäftigen, erklärte van Rijswijk. Größe helfe auch bei Investitionen in Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und ein besseres Kundenerlebnis.

Wer ein neues Angebot nur einmal entwickeln und anschließend in allen Märkten ausrollen könne, arbeite effizienter und schneller, sagte der ING-Chef. Mit zunehmendem Einsatz neuer Technologien würden die Vorteile grenzüberschreitender Fusionen größer.

Deutschland als möglicher Wachstumsmarkt

ING hat zuletzt zwei mittelgroße Übernahmen in Polen und Spanien abgeschlossen und sieht sich auch in Deutschland nach Zukäufen um. Als interessante Bereiche nannte van Rijswijk die Vermögensverwaltung, den Vertrieb von Anlageprodukten sowie das Geschäft mit Selbstständigen und Mittelständlern.

Im deutschen Privatkundengeschäft und bei international tätigen Konzernen ist ING nach eigenen Angaben bereits stark vertreten. Im breiten Mittelstand ist die Bank dagegen bislang nicht präsent.

Die Aussagen von ING-Chef Steven van Rijswijk fallen in eine Phase, in der Europas Banken ihre Geschäftsmodelle stärker auf Skaleneffekte ausrichten. Nach Jahren mit niedrigen oder negativen Zinsen, hohen regulatorischen Anforderungen und umfangreichen Investitionen in digitale Infrastruktur gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Institute die Kosten neuer Technologien über größere Kunden- und Länderbasen verteilen können.

Grenzüberschreitende Fusionen gelten dabei als anspruchsvoller als Übernahmen innerhalb eines einzelnen Marktes. Unterschiedliche Aufsichtsregeln, Abwicklungssysteme, Steuerstrukturen und nationale Interessen können die Integration verlangsamen. Zugleich bleibt die europäische Bankenlandschaft stark fragmentiert, wodurch gemeinsame Plattformen für Zahlungsverkehr, Vermögensverwaltung oder digitale Produkte wirtschaftliche Vorteile versprechen.

ING sucht Wachstum in Deutschland

Für ING liegt der Schwerpunkt in Deutschland nach den Aussagen des Vorstandschefs weniger im klassischen Privatkundengeschäft, in dem die Bank bereits stark vertreten ist, sondern in der Vermögensverwaltung, im Vertrieb von Anlageprodukten sowie bei Selbstständigen und mittelständischen Unternehmen. Zukäufe könnten den Marktzugang beschleunigen und bestehende digitale Angebote auf zusätzliche Kundengruppen ausweiten.

Für Kunden und Wettbewerber hängt die Bedeutung möglicher Transaktionen davon ab, ob ING kleinere Spezialanbieter oder größere Bankeinheiten ins Visier nimmt. Größere Zusammenschlüsse könnten Investitionen in Technik und Dienstleistungen erleichtern, zugleich aber Integrationsaufwand und Konzentration im Bankensektor erhöhen. Konkrete Kaufziele oder ein beschlossener Zusammenschluss wurden in der Meldung nicht genannt.

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