Infrastruktur-Sicherheit, Isolationsrichtlinien

Infrastruktur-Sicherheit: Neue Isolationsrichtlinien gegen Ransomware

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 00:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

CISA, FBI und ACSC veröffentlichen Leitfaden zur Isolation von OT-Netzen. NIS2-Umsetzung stockt wegen veralteter Systeme.

Neue CI-Fortify-Richtlinien: So schützen Behörden kritische Infrastruktur
Digitale Kontrollzentrale einer Industrieanlage mit Fokus auf IT-Sicherheit und moderne Überwachungstechnik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

CISA, FBI und das australische ACSC haben am 28. und 29. Juli neue Sicherheitsrichtlinien für kritische Infrastrukturen veröffentlicht. Der Leitfaden „CI Fortify“ reagiert auf die wachsende Bedrohung durch Cyberangriffe auf Wasser-, Energie- und Transportnetze. Zeitgleich zeigt eine Studie erhebliche Lücken bei der Umsetzung der europäischen NIS2-Richtlinie.

Isolation als Schlüsselstrategie

Die neuen Empfehlungen setzen auf die physische und logische Trennung von Betriebstechnologie (OT) und klassischen IT-Netzen. Ziel: Kritische Anlagen sollen selbst während eines Angriffs monatelang handlungsfähig bleiben.

Betreiber müssen zunächst ihre zentralen Anlagen kartieren und Abhängigkeiten von Diensten wie Active Directory oder DNS erfassen. Als sicherste Lösung empfiehlt der Leitfaden die physische Netztrennung. Zudem sollen gestufte Isolationspläne mit klaren Auslösekriterien für eine Entkopplung erstellt werden.

Dmitri Belotchkine von TXOne Networks betont die Notwendigkeit eines OT-nativen Zero-Trust-Ansatzes. In der Produktion habe Verfügbarkeit oberste Priorität – Sicherheitslösungen müssten daher auf industrielle Prozesse zugeschnitten sein. Regelmäßige Tests der Isolationsfähigkeit und Offline-Kopien kritischer Daten gehören zu den Kernmaßnahmen.

Ransomware-Angriffe mit Milliardenschäden

Die Dringlichkeit zeigt ein aktueller Fall: Die Anubis-Ransomware-Gruppe legte den Coca-Cola-Zulieferer Fairlife lahm – die gesamte US-Produktion stand still. Auch andere Vorfälle verdeutlichen die Gefahr: Beim Angriff auf American Water im Oktober 2024 und durch die Gruppen Volt Typhoon und Salt Typhoon bewegten sich Angreifer jahrelang unentdeckt in Infrastrukturnetzen.

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Die finanziellen Risiken steigen rasant. Bei Novo Nordisk erbeuteten Hacker über ein Terabyte Daten und forderten 25 Millionen US-Dollar Lösegeld. Laut einer Kaspersky-Studie erwarten 60 Prozent der Fertigungsunternehmen bei einem Cybervorfall Schäden von über einer Million Dollar. Produktionsausfälle dauern im Schnitt 15,3 Stunden – die teuerste Folge sind verpasste Lieferverpflichtungen.

Legacy-Systeme bremsen NIS2-Umsetzung

Trotz wachsender Bedrohung hinkt die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben hinterher. Eine Plusserver-Studie vom 29. Juli zeigt: Erst 34 Prozent der betroffenen Unternehmen erfüllen die NIS2-Anforderungen vollständig. Fast die Hälfte bewertet den Implementierungsprozess als schwierig.

Hauptgrund: 48 Prozent der Firmen kämpfen mit veralteten Legacy-Systemen. Diese entbehren moderner Sicherheitsfunktionen und lassen sich kaum patchen, ohne die Produktion zu gefährden. Zudem stellen 51 Prozent der Unternehmen Veränderungen in ihren Lieferketten fest – Sicherheitsanforderungen werden zum entscheidenden Kriterium bei der Partnerwahl.

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Zwei weitere EU-Regularien kommen

Neben NIS2 rücken der Cyber Resilience Act (CRA) und die neue EU-Maschinenverordnung in den Fokus. Der CRA führt ab dem 11. September 2026 eine Meldepflicht für Schwachstellen ein. Die volle Compliance muss bis zum 11. Dezember 2027 erreicht sein – sonst drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 2,5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Produkte ohne Konformität erhalten zudem kein CE-Kennzeichen.

Die EU-Maschinenverordnung tritt am 20. Januar 2027 in Kraft. Sie stellt verschärfte Anforderungen an Korrumpierungsschutz und Sicherheit von Software sowie Fernzugriffen. Hersteller reagieren bereits: KUKA hat seine Systeme iiQKA.OS2 und KR C5 auf Security Level 2 nach IEC 62443-4-2 zertifiziert.

Auch Abnehmer erhöhen den Druck. Dominik Klages vom Pharmaunternehmen Sanofi fordert von Maschinenbauern bereits heute Zertifikate nach ISO 27001 oder IEC 62443. Siemens-Manager Christian Meyer bestätigt: Diese Standards werden zur zentralen Voraussetzung für die Marktfähigkeit von Industrieanlagen. Die EU-Kommission schätzt die gesamten Compliance-Kosten auf rund 29 Milliarden Euro.

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