Inflation in Deutschland: 3,3 Prozent im September, Energie treibt Preise
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Verbraucherpreise in Deutschland sind wieder spürbar angezogen. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes stieg die Inflationsrate im September 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 3,3 Prozent. Damit lag die Teuerungsrate erstmals seit Ende 2023 wieder über der Marke von drei Prozent und markierte zugleich den höchsten Stand seit Dezember 2023, als die Rate 3,7 Prozent betrug.
Gegenüber dem Vormonat legte der Verbraucherpreisindex nach ersten Angaben um 0,6 Prozent zu. Auch der Harmonisierte Verbraucherpreisindex wies vorläufig ein Plus von 3,3 Prozent im Jahresvergleich sowie einen Zuwachs von 0,6 Prozent gegenüber August auf.
Energiepreise wirken als Haupttreiber
Verantwortlich für die Beschleunigung der Teuerung waren vor allem die Energiekosten. Laut dem Statistischen Bundesamt verteuerte sich Energie im September um 14,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, nachdem das Plus im August 2026 noch bei 10,5 Prozent und im Juli bei 8,3 Prozent gelegen hatte.
Die Kerninflation, welche die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie ausklammert, belief sich auf 2,4 Prozent. Die Entwicklung der Warenpreise zog im Jahresvergleich von 1,7 Prozent im Juni über 2,5 Prozent im Juli und 3,0 Prozent im August auf 3,8 Prozent im September an.
Dienstleistungen verzeichneten nach 3,1 Prozent im Juni und 2,9 Prozent im Juli zuletzt Raten von 2,8 Prozent im August und 2,7 Prozent im September. Bei Nahrungsmitteln lag die Teuerung im September bei 0,4 Prozent.
Als Ursachen für den starken Anstieg der Energiekosten gelten der seit Ende Februar andauernde Iran-Krieg und das Vorrücken der Huthi-Miliz an der Meerenge Bab al-Mandab, in deren Folge der Preis für Brent-Öl zeitweise deutlich über 100 US-Dollar je Barrel kletterte.
Zudem stiegen die Importpreise im August 2026 im Jahresvergleich um gut 8 Prozent, was dem stärksten Anstieg seit Ende 2022 entsprach. Der ADAC meldete für September 2026 mehrfach Rekordpreise bei Benzin und Diesel.
Entwicklung in den Bundesländern
Die Daten der Statistischen Landesämter verdeutlichen den Preisschub im gesamten Bundesgebiet. Für September 2026 ergaben sich im Jahresvergleich folgende Raten:
- Brandenburg: +3,6 Prozent (August: +3,1 Prozent)
- Hessen: +3,4 Prozent (August: +3,0 Prozent)
- Sachsen: +3,4 Prozent (August: +2,9 Prozent)
- Nordrhein-Westfalen: +3,3 Prozent (August: +2,9 Prozent)
- Bayern: +3,2 Prozent (August: +2,9 Prozent)
- Baden-Württemberg: +2,9 Prozent (August: +2,6 Prozent)
Im Monatsvergleich stiegen die Werte in diesen Ländern um 0,5 bis 0,6 Prozent. In Hessen erreichte die Rate den höchsten Wert seit Dezember 2023; Kraftstoffe verteuerten sich dort gegenüber September 2025 um 39,3 Prozent und Heizöl um 80,7 Prozent, während Erdgas um 6,5 Prozent und Strom um 6,3 Prozent nachgaben.
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In Sachsen verteuerte sich Diesel um 45,9 Prozent und Heizöl um 48,5 Prozent. In Nordrhein-Westfalen zogen die Kraftstoffpreise um durchschnittlich 36,9 Prozent an, während Erdgas um 1,9 Prozent sank.
Geldpolitik und Ausblick
Auch im europäischen Ausland bleibt der Preisdruck hoch: Im September 2026 stieg die Rate in Frankreich auf 3,4 Prozent (nach zuvor 2,6 Prozent), in Italien auf 4,1 Prozent (zuvor 3,2 Prozent) und in Spanien auf 5,0 Prozent (zuvor 4,6 Prozent). Die Europäische Zentralbank rechnet damit, dass die Inflation im Euroraum länger deutlich über der Zielmarke von 2,0 Prozent verharren wird.
Vor diesem Hintergrund erwarten Ökonomen, dass die EZB den Einlagenzins bei der nächsten Zinsentscheidung am 29. Oktober in diesem Jahr ein drittes Mal auf dann 2,75 Prozent anheben wird. Aktuell liegt der Einlagensatz nach Erhöhungen im Juni und September um jeweils 0,25 Prozentpunkte bei 2,5 Prozent. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer betonte, dass die Notenbank die Leitzinsen weiter anheben müsse.
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Zur kurzfristigen Entlastung tritt am 1. Oktober 2026 ein bis zum Jahresende befristeter Tankrabatt in Kraft, der die Steuern auf Kraftstoffe um rund 17 Cent je Liter senkt. Ökonomen der Helaba gehen davon aus, dass die Spritpreise dadurch um bis zu 17 Cent je Liter sinken könnten.
Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding erwartet, dass diese Maßnahme die Gesamtrate im Oktober um etwa 0,3 Prozentpunkte dämpfen dürfte. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser wies darauf hin, dass Energieversorger im Winter voraussichtlich die Strom- und Gaspreise anheben dürften.
Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren für das Gesamtjahr 2026 eine Teuerung von 2,8 Prozent und für 2027 von 3,2 Prozent. Die endgültigen Ergebnisse für den September gibt Destatis am 13. Oktober 2026 bekannt.
Mehr zum Thema bei FAZ: „Inflation in Deutschland steigt auf 3,3 Prozent – wegen teurer Energie“
