Industrieunternehmen bauen Ausbildungszentren: Miba und Heldele investieren
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gezielte Qualifizierung von Fachkräften gewinnt in technischen Berufsfeldern zunehmend an strategischer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund errichtet die HELDELE GmbH an ihrem Standort im baden-württembergischen Salach ein neues Ausbildungszentrum. Das Vorhaben zielt darauf ab, Ausbildungsberufe, duale Studiengänge sowie Programme der beruflichen Weiterbildung unter einem Dach zu bündeln.
Die Fertigstellung der Einrichtung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Mit dem Bau reagiert das Unternehmen auf den anhaltenden Bedarf an spezialisiertem Nachwuchs: Zum Ausbildungsstart am 7. September traten an den Unternehmensstandorten in Salach, Stuttgart, München und Karlsruhe insgesamt 57 neue Auszubildende ihre berufliche Laufbahn an.
Praxisnahe Wissensvermittlung in Zukunftstechnologien
Ein wesentliches Merkmal des Neubaus in Salach ist die Einbindung nachhaltiger Technologien in die Lehrinhalte. So erhält das künftige Schulungszentrum eine eigene Photovoltaikanlage, die direkt für die praktische Ausbildung in der PV-Technik genutzt werden soll.
Dieser Ansatz verbindet die Vermittlung theoretischer Grundlagen mit konkreten Installations- und Wartungsabläufen, um angehende Fachkräfte frühzeitig auf die Anforderungen der Energiewende vorzubereiten.
Dass der Qualifizierungsbedarf in technischen Gewerken kontinuierlich wächst, belegen auch offizielle Strukturdaten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes begannen im Jahr 2025 knapp 14.400 Menschen eine Ausbildung in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Dies entspricht einem Zuwachs von 30,5 Prozent im Zehn-Jahres-Vergleich zu 2015, als rund 11.000 Personen in die Branche starteten.
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Gleichzeitig lag der Frauenanteil in diesem Bereich 2025 bei lediglich 2,4 Prozent, während er im gesamten dualen System 36,0 Prozent erreichte. Zudem verdeutlicht die Altersstruktur der rund 278.000 Erwerbstätigen in der Branche – deren Zahl gegenüber 2021 um 4,1 Prozent zulegte – die Dringlichkeit der Nachwuchssicherung: Im Jahr 2025 gehörten 23,3 Prozent der Beschäftigten der Altersgruppe zwischen 55 und 64 Jahren an.
Umfassende Investitionen in Lernumgebungen
Das Vorhaben von Heldele reiht sich in vergleichbare Modernisierungsinitiativen anderer Industrieunternehmen ein. So eröffnete das Industrieunternehmen Miba in Laakirchen das Ausbildungszentrum Base27 für Lehrlinge und Mitarbeitende.
Der Standort umfasst 3.600 Quadratmeter an Werkstätten, Trainingsräumen und Laboren, realisiert mit einem Investitionsvolumen von 13 Millionen Euro. Auch im außerbetrieblichen Bildungsbereich werden Kapazitäten geschaffen: In Wuppertal nahm der Bergische Bildungscampus auf rund 3.000 Quadratmetern des ehemaligen Schaeffler-Geländes seinen Betrieb auf.
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Mit einer Investition von 3,7 Millionen Euro und einem Mietvertrag über 15 Jahre startete dort Ende August die außerbetriebliche Ausbildung für 60 Auszubildende und Umschüler der Metall- und Elektrobranche.
Politische Flankierung und Bildungsinitiativen
Auf Landesebene wird die berufliche Orientierung zusätzlich durch Förderprogramme gestärkt. Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg fördert das Programm ProBeruf in den Jahren 2027 und 2028 mit rund 1,9 Millionen Euro.
Die Initiative, an der 20 Kammern und Bildungsträger beteiligt sind, richtet sich an rund 7.300 Jugendliche aus 192 Schulen. Anknüpfend an Potenzialanalysen ab der siebten Klasse ermöglicht das im Rahmen der Initiative Bildungsketten durchgeführte Projekt eine bis zu zehntägige Berufserprobung in bis zu drei Berufsfeldern.
Zugleich fordern politische Vertreter weitergehende Schritte. Clara Resch, handwerkspolitische Sprecherin der Grünen im baden-württembergischen Landtag, betonte anlässlich eines Besuchs der Gewerbe Akademie der Handwerkskammer Freiburg und des Auszubildenden-Wohnheims WIR:SÜD die Notwendigkeit umfassender Investitionen in die duale Ausbildung. Dabei verwies sie auf den im Koalitionsvertrag verankerten Modernisierungspakt für überbetriebliche Berufsbildungsstätten sowie bestehende Kooperationsmodelle wie die Lernortkooperation im Landkreis Schopfheim.
