Industriekrise, BASF

Industriekrise: BASF baut 7000 Stellen in Ludwigshafen ab

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutsche Industrie kämpft mit Stellenabbau und Insolvenzen. Varta verliert Apple-Auftrag, BASF streicht tausende Jobs, ifo-Barometer zeigt leichte Erholung.

Industriekrise in Deutschland: Varta-Insolvenz, BASF-Stellenabbau und ifo-Barometer
Moderne, leere Industriehalle einer Batteriefabrik mit technologischen Fertigungsanlagen in kühlem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise. Beim Batteriehersteller Varta läuft ein Insolvenzverfahren, Tausende Jobs fallen weg – und selbst Traditionsstandorte wie BASF Ludwigshafen schrumpfen.

Varta: Insolvenz nach Apple-Verlust

Die Varta AG kämpft ums Überleben. Am 24. Juli 2026 stellten die Tochtergesellschaften Varta Microbattery, Micro Production und Storage Insolvenzanträge beim Amtsgericht Stuttgart. Insolvenzverwalter Tobias Wahl meldet reges Interesse potenzieller Investoren.

Der Auslöser: Apple vergibt seinen Knopfzellen-Auftrag künftig an einen chinesischen Hersteller. Die Folge: Das Werk in Nördlingen mit rund 350 Mitarbeitern schließt im Herbst 2026.

Das Bundesministerium für Wirtschaft prüft derzeit, ob Varta systemrelevant ist. Schon 2020 flossen 137 Millionen Euro Subventionen aus einem Topf von Bund und Ländern in die Batteriezellenfertigung. Nun geht es um die Frage, ob weitere staatliche Unterstützung gerechtfertigt ist.

IAV: Radikaler Sparkurs bei VW-Tochter

Auch bei Entwicklungsdienstleistern purzeln die Stellen. Die Volkswagen-Tochter IAV hat nach Verhandlungen mit der IG Metall einen Zukunftstarifvertrag geschlossen: Die Belegschaft schrumpft von rund 5000 auf 2970 Beschäftigte bis Ende 2027.

Besonders hart trifft es Berlin. Dort halbiert sich die Mitarbeiterzahl von 1250 auf 530 – allerdings entsteht parallel ein neuer IT-Hub mit 60 Spezialisten. Immerhin: Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2028 ausgeschlossen.

BASF, Zeiss Meditec, Sick: Der Konsolidierungsdruck wächst

Die Krise erfasst alle Branchen. Beim Chemieriesen BASF zeichnet sich eine historische Zäsur ab: Rund 7000 Arbeitsplätze fallen in Ludwigshafen weg. Damit sinkt der Beschäftigtenstand laut Berichten vom August 2026 unter das Niveau von 1954. Trotz gesteigerter Produktivität gilt der Standort wegen hoher Kosten als defizitär.

Zeiss Meditec reagiert auf schwache Geschäfte in China und den USA mit einem Sparprogramm: Weltweit fallen 600 bis 700 Stellen weg. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres sank das Betriebsergebnis um 30 Prozent auf 124,5 Millionen Euro.

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Der Sensortechnik-Spezialist Sick aus Südbaden plant den Abbau von 450 Stellen – immerhin sozialverträglich. Und in der Zweiradindustrie meldete Accell Germany, bekannt für Winora und Ghost, Anfang August Insolvenz in Eigenverwaltung an. Ziel: eine Investorenlösung bei laufendem Betrieb.

ifo-Barometer: Leichte Erholung, aber Industrie bleibt angespannt

Trotz der Negativschlagzeilen zeigt das ifo Beschäftigungsbarometer für Juli 2026 eine leichte Belebung: 93,0 Punkte nach 92,2 im Juni. Die Statistik verdeckt jedoch die sektoralen Unterschiede.

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Während Dienstleister aufatmen und der Bausektor stabil bleibt, dominiert in der Industrie der Personalabbau. Ausnahmen: Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen planen vereinzelt Neueinstellungen. Der Handel bleibt angespannt.

Die Gründe für den Stellenabbau sind vielfältig. Neben globalen Wettbewerbsverschiebungen treiben Automatisierung und Künstliche Intelligenz die Entwicklung. So begründete Telekommunikationsanbieter 1&1 den Stellenabbau in Zweibrücken explizit mit technologischem Fortschritt und der Verlagerung zu Online-Kontakten.

Können sich die Unternehmen durch Spezialisierung retten? Während Traditionsstandorte schrumpfen, setzen manche auf neue Geschäftsfelder – etwa Hersteller Haro Flooring, der künftig auf Parkett statt Laminat setzt. Die Neuausrichtung der deutschen Industrie hat gerade erst begonnen.

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