Industrie-Krise: 15.000 Arbeitsplätze gehen monatlich verloren
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schlägt Alarm: Sinkende Wettbewerbsfähigkeit und schwierige internationale Rahmenbedingungen setzen dem Standort massiv zu. Jeden Monat gehen 15.000 Arbeitsplätze verloren.
BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner sprach am 25. Juli 2026 von einer „kritischen Phase“ für den Industriesektor. Die monatlichen Verluste seien ein deutliches Signal für eine schleichende Deindustrialisierung. Der Verband vertritt rund 100.000 Unternehmen mit mehr als acht Millionen Beschäftigten.
Internationaler Druck und strukturelle Defizite
Besonders die Handelspolitik der USA und Marktverzerrungen durch China erschweren das Geschäft deutscher Industriebetriebe. Diese externen Faktoren treffen auf eine Wirtschaft, die bereits 2023 und 2024 schrumpfte.
Daten der Bundesagentur für Arbeit untermauern die Entwicklung: Innerhalb der letzten zwölf Monate gingen im verarbeitenden Gewerbe insgesamt 177.000 Stellen verloren. Hinzu kommen die explodierenden Energiekosten. Für Gasimporte muss Deutschland derzeit das Fünffache dessen aufwenden, was vor dem Stopp russischer Lieferungen fällig war.
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist die Beschäftigung in der Industrie auf einen Tiefpunkt im Zehn-Jahres-Vergleich gesunken. Im zweiten Quartal 2026 erreichten die Insolvenzzahlen einen Höchststand, der seit zwei Jahrzehnten nicht mehr verzeichnet wurde.
Stellenabbau bei Großkonzernen und Verlagerungspläne
Die Krise zeigt sich auch in konkreten Sparprogrammen. Volkswagen plant den Abbau von weltweit bis zu 100.000 Stellen. Der Automobilzulieferer ZF will bis 2028 rund 14.000 Arbeitsplätze streichen, Bosch visiert bis 2030 einen Abbau von mehr als 20.000 Stellen an. Experten erwarten für das restliche Jahr 2026 den Verlust weiterer 100.000 Arbeitsplätze in der Gesamtwirtschaft.
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Droht zudem der Verlust von Kapazitäten durch Abwanderung? Das Energiewende-Barometer der DIHK vom Juni 2026 zeigt eine tiefe Skepsis. Von 3.100 befragten Unternehmen bewerten 40 Prozent die Auswirkungen der Energiewende als negativ oder sehr negativ. In der Industrie erwägt bereits jedes zweite Unternehmen, Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern.
Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen
Um den Standort zu sichern, fordern Wirtschaftsvertreter eine politische Kurskorrektur. Rund 80 Prozent der vom DIHK befragten Unternehmen drängen auf eine Senkung von Steuern und Abgaben auf Strom sowie einen beschleunigten Ausbau der Energieinfrastruktur.
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Tanja Gönner betonte: Die Deindustrialisierung sei kein unumkehrbarer Prozess. Durch gezielte Investitionen in Innovationen und die konsequente Nutzung von künstlicher Intelligenz könne der Abwärtstrend gestoppt werden. Die Politik sei nun gefordert, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie auf den Weltmärkten wiederhergestellt werde.
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