Industrie-Kahlschlag, Stellen

Industrie-Kahlschlag: 11.000 Stellen bei ZF bis 2028 geplant

05.06.2026 - 12:43:18 | boerse-global.de

Zahlreiche Unternehmen wie Evonik, Mahle und GitLab kündigen umfangreiche Stellenstreichungen und Standortschließungen an.

Deutsche Industrie: Welle von Werksschließungen und Stellenabbau
Industrie-Kahlschlag - Ein verlassener Fabrikboden mit teilweise demontierten Maschinen, gedämpftes Licht fällt durch hohe Fenster. Eine Szene der Leere und des Stillstands. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mittelständler und Großkonzerne aus Maschinenbau, Automobilzulieferung und Forschung sind betroffen. Hauptgründe: chinesischer Wettbewerbsdruck, rückläufige Aufträge und strukturelle Anpassungen.

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Kahlschlag bei Siempelkamp und BMK Group

Besonders hart trifft es das Werk des Maschinenbauers Siempelkamp in Zweibrücken. Am 3. Juni kündigte das Unternehmen an, 129 der 282 Stellen bei der Tochter Pallmann zu streichen. Die Eigenfertigung wird eingestellt, künftig konzentriert man sich aufs Ersatzteilgeschäft. Die Geschäftsführung nennt eine anhaltende Flaute auf dem Weltmarkt und massiven Preisdruck aus China als Gründe.

Der Zweibrücker Oberbürgermeister Wosnitza zeigte sich entsetzt und kündigte enge Begleitung des Prozesses an.

Auch in der Möbelzulieferindustrie gibt es Einschnitte. Die BMK Group schließt ihren Standort in Gaildorf-Bröckingen bis Ende Juni. Für die 40 betroffenen Mitarbeiter ist eine Transfergesellschaft geplant. Das Unternehmen verwies auf die schwierige Lage in der Möbelbranche und hohe Betriebskosten in Baden-Württemberg.

WMF-Mutter schließt drei Werke

Die WMF-Muttergesellschaft Groupe SEB beendet die Produktion in drei deutschen Werken. Betroffen sind die Silit-Produktion in Riedlingen sowie Standorte in Hayingen und Diez. Rund 250 Arbeitsplätze fallen direkt weg. Insgesamt plant der Konzern im DACH-Raum den Abbau von 600 Stellen. Verhandlungen über eine mögliche Reindustrialisierung oder Investoreneinstiege laufen noch.

Mahle-Werk vor dem Aus

In der Automobilzulieferindustrie setzt sich die Konsolidierung fort. Beim Zulieferer Mahle in Neustadt an der Donau wurde nach einem achttägigen Streik Anfang Juni eine Einigung über einen Sozialtarifvertrag erzielt. Das Werk soll im ersten Quartal 2027 endgültig schließen. Die Vereinbarung sieht Abfindungen von bis zu 250.000 Euro und eine Transfergesellschaft vor. Die Unternehmensleitung kritisierte den Arbeitskampf als kontraproduktiv für die Wettbewerbsfähigkeit.

Längerfristig plant ZF Friedrichshafen den Abbau von 11.000 bis 14.000 Stellen in Deutschland bis 2028 – etwa jeder vierte Arbeitsplatz des Konzerns. Hintergrund: hohe Schulden aus Investitionen in die Elektromobilität und eine gesenkte Umsatzprognose.

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Evonik baut 1.500 Stellen ab

Der Spezialchemiekonzern Evonik konkretisierte seine Sparpläne. Im Rahmen des Programms „Tailor Made“ fallen allein 2026 rund 1.000 Stellen in Deutschland weg. Insgesamt sind 1.500 Stellen bundesweit betroffen. Am 3. Juni stellte der Konzern 100 Millionen Euro für Abfindungen bereit, um Bürokratie abzubauen und Strukturen zu verschlanken.

Auch die Fraunhofer-Gesellschaft plant den Abbau von etwa 1.200 Vollzeitstellen. Grund ist ein strukturelles Defizit durch geringere Drittmittelaufträge. Präsident Hanselka hält das Ziel durch natürliche Fluktuation für erreichbar.

GitLab entlässt 14 Prozent der Belegschaft

Die Softwarebranche meldet ebenfalls Einschnitte. GitLab kündigte am 3. Juni an, 14 Prozent seiner Belegschaft zu entlassen – rund 350 Angestellte. Das Unternehmen zieht sich zudem aus 22 Ländern zurück, um sich auf neue Technologien im Bereich automatisierter Agenten zu konzentrieren.

Boehringer stoppt 900-Millionen-Investition

Während einige Unternehmen Stellen abbauen, revidieren andere ihre Investitionszusagen. Boehringer Ingelheim stoppte am 3. Juni geplante Investitionen von 900 Millionen Euro für den Zeitraum 2027 bis 2030. Grund: die Verschlechterung gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen in Europa. Auch Eli Lilly kürzte das Budget für ein geplantes Werk in Alzey deutlich.

Positives Signal aus Karben

Der Büromöbelhersteller König + Neurath konnte sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung am 5. Juni erfolgreich abschließen. Nach dem Abbau von 130 Stellen verbleiben 700 Mitarbeiter im Unternehmen. Durch finanzielle Zugeständnisse stabilisierten sie den Betrieb. Das Unternehmen ist in den regulären Geschäftsbetrieb zurückgekehrt.

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