Industrie-Betriebsräte: In jedem dritten Betrieb sinkt die Stammbelegschaft
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der baden-württembergischen Industrie geraten die Kernbelegschaften zunehmend unter Druck. Wie aus einer Befragung der IG Metall unter Betriebsräten aus 418 Betrieben hervorgeht, sinkt die Zahl der Stammbeschäftigten derzeit in jedem dritten Betrieb.
Konkret gaben 33 Prozent der befragten Arbeitnehmervertretungen einen Rückgang der Kernbelegschaft an, während lediglich 20 Prozent über einen Aufbau berichteten.
Noch deutlicher fällt das Minus beim Nachwuchs aus: In 45 Prozent der Betriebe geht die Zahl der Auszubildenden zurück, während nur vier Prozent ein Plus verzeichnen. Die Erhebung fand im Zeitraum vom 27. Juli bis zum 16. September 2026 statt.
Schlechte Investitionslage und verhaltener Ausblick
Die Ursachen für den Beschäftigungsrückgang spiegeln sich in der Bewertung der wirtschaftlichen Lage wider. Laut der Befragung in Baden-Württemberg beurteilen 56 Prozent der Betriebsräte die Investitionssituation als schlecht oder sehr schlecht. Zudem halten 57 Prozent der Befragten die aktuellen betrieblichen Investitionen für unzureichend.
Auch der kurzfristige Ausblick bleibt von Skepsis geprägt: 45 Prozent der Teilnehmer bewerten die Aussichten für die kommenden drei bis sechs Monate als schlecht. Hinzu kommt der Einfluss neuer Technologien auf den Arbeitsmarkt. So erkennen 38 Prozent der befragten Gremien durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz bereits einen beschäftigungsabbauenden Effekt in ihren Unternehmen.
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Bundesweiter Trend zum Personalabbau trotz solider Auslastung
Die regionalen Ergebnisse reihen sich in ein bundesweites Bild ein. Eine Erhebung der Gewerkschaft aus den Monaten Juli und August 2026, die 2.457 Betriebe mit rund 1,3 Millionen Beschäftigten umfasste, zeigte zwar bei 63 Prozent der Unternehmen eine gute oder sehr gute Kapazitätsauslastung – ein Anstieg um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
Auch bewerteten 58 Prozent der Betriebe ihre Erwartungen positiv, und bei der Leiharbeit gab es mit 28 Prozent Auf- gegenüber 22 Prozent Abbau erstmals seit 2023 wieder einen Zuwachs. Dennoch baut jedes sechste Unternehmen mit guter wirtschaftlicher Lage, mithin 15 Prozent, Kernpersonal ab. Vor drei Jahren lag dieser Anteil noch bei fünf Prozent.
In Nordrhein-Westfalen erreicht die Beschäftigung in der Metallindustrie mit noch rund 643.000 Personen bereits einen historischen Tiefstand. Der dortige Arbeitgeberverband bezifferte den monatlichen Verlust auf 2.700 Arbeitsplätze und forderte ein Ende des Stellenabbaus, während die Produktionsanlagen zu knapp 80 Prozent ausgelastet sind.
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Anstehende Proteste und Tarifbeschlüsse
Der anhaltende Personalabbau trifft auf eine angespannte Gesamtlage in der Industrie. Nach Berechnungen auf Basis amtlicher Daten gingen in der deutschen Autoindustrie innerhalb von zwölf Monaten rund 51.500 Stellen verloren, während die Gesamtindustrie einen Abbau von 114.000 Arbeitsplätzen verzeichnete. Große Automobilhersteller kämpfen mit schwächeren Absätzen, sinkenden Gewinnen und Arbeitgeberverbände fordern Restrukturierungsmaßnahmen.
Vor diesem Hintergrund erhöht die Gewerkschaft den Druck auf Arbeitgeber und Politik. Für Montag, den 21. September 2026, mobilisiert die IG Metall an mehr als 200 Orten zu Protesten gegen den fortschreitenden Stellenabbau und rechnet mit über 100.000 Teilnehmenden.
Nur zwei Tage später, am 23. September 2026, steht zudem der offizielle Beschluss über die gewerkschaftliche Lohnforderung für die 3,7 Millionen Beschäftigten der bundesweiten Metall- und Elektroindustrie an.
