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Inditex unter Druck: Zara-Mutterkonzern kämpft mit Arbeitskonflikten in Spanien und Deutschland

01.05.2026 - 18:51:56 | boerse-global.de

Inditex sieht sich mit Protesten in Spanien und Betriebsratswahlen in Deutschland konfrontiert, während Gewerkschaften höhere Löhne fordern.

Inditex unter Druck: Zara-Mutterkonzern kämpft mit Arbeitskonflikten in Spanien und Deutschland - Foto: über boerse-global.de
Inditex unter Druck: Zara-Mutterkonzern kämpft mit Arbeitskonflikten in Spanien und Deutschland - Foto: über boerse-global.de

Während in Deutschland die Betriebsratswahlen laufen, protestieren Mitarbeiter in der Heimatregion A Coruña gegen einen neuen Branchentarifvertrag.

„Rückschritt ins Jahr 1975“ – Der Streit um den ARTE-Vertrag

Ende April 2026 richteten Beschäftigte aus A Coruña einen Brandbrief an Inditex-Aufsichtsratschefin Marta Ortega. Ihr Vorwurf: Die geplante Branchenvereinbarung ARTE würde die Arbeitsbedingungen in der Wiege der Modemarke Zara massiv verschlechtern. Die Gewerkschaft CIG warnt, dass neue Mitarbeiter künftig bis zu 5.000 Euro pro Jahr weniger verdienen könnten als nach den aktuellen Regionalstandards.

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Die Arbeitnehmervertreter sprechen von einem „Rückschritt auf das Niveau von 1975“. Ein Inditex-Sprecher erklärte Ende April, man habe von dem Schreiben zunächst keine Kenntnis gehabt. Branchenvertreter betonen, dass Unternehmen weiterhin freiwillig über die Mindeststandards des Tarifvertrags hinausgehen könnten.

Deutsche Betriebsratswahlen im Schatten der Überwachungsaffäre

Parallel dazu finden zwischen dem 1. März und 31. Mai 2026 die bundesweiten Betriebsratswahlen bei Zara Deutschland statt. Die Gewerkschaft ver.di erinnert dabei an einen Skandal aus dem Jahr 2019: Damals waren interne Dokumente aufgetaucht, die als „schwarze Listen“ bezeichnet wurden und angeblich die Loyalität von Mitarbeitern bewerteten.

Obwohl Inditex seitdem an einer Modernisierung der Arbeitsbeziehungen gearbeitet hat, prägt dieser Vorfall die aktuelle Wahlkampagne. Die Gewerkschaften betonen die Bedeutung unabhängiger Betriebsräte, die nach dem Betriebsverfassungsgesetz weitreichende Mitbestimmungsrechte bei der Einführung von Überwachungstechnologien haben.

Fortschritte auf europäischer Ebene

Im Januar 2026 unterzeichnete der Europäische Betriebsrat von Inditex eine wegweisende Vereinbarung mit dem Management. Das Acht-Punkte-Papier konzentriert sich auf Altersvielfalt und die Behandlung älterer Beschäftigter. Es enthält Zusagen zu diskriminierungsfreier Einstellung und altersneutralen Arbeitsbeziehungen.

Bereits im Oktober 2024 hatte der Konzern sein globales Abkommen mit der UNI Global Union erneuert. Es deckt über 160.000 Beschäftigte weltweit ab und enthält neue Regelungen zur fairen digitalen Transformation – inklusive Konsultationspflicht vor der Einführung neuer Überwachungssysteme.

Rekordgewinne treffen auf Forderungen nach fairer Verteilung

Die Arbeitskonflikte fallen in eine Zeit außergewöhnlicher Profitabilität: In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2025/2026 meldete Inditex einen Nettogewinn von fast 2,8 Milliarden Euro. Diese Zahl dient den Gewerkschaften als zentrales Argument für eine gerechtere Gewinnbeteiligung.

Ende 2025 organisierten Gewerkschaften aus sieben Ländern – darunter Deutschland, Frankreich und Italien – Kundgebungen, um eine einheitliche Formel für die Gewinnbeteiligung zu fordern. Ihr Vorwurf: Die Wertschätzung der Mitarbeiter in den Geschäftsberichten spiegele sich nicht in deren Gehältern wider.

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Ausblick: Entscheidende Monate für Inditex

Der Ausgang der deutschen Betriebsratswahlen im Mai 2026 wird die Stärke der Gewerkschaften für die nächsten vier Jahre bestimmen. In Spanien könnte der Streit um den ARTE-Vertrag Signalwirkung für die gesamte nationale Modebranche haben.

Nach der Konstituierung der neuen Betriebsräte im Juni stehen Verhandlungen über die Umsetzung der Altersvielfaltsstandards an. International fordern Organisationen wie IndustriALL zudem mehr Transparenz in der Lieferkette – darunter die vollständige Veröffentlichung der Zuliefererliste und rechtsverbindliche Vereinbarungen zu existenzsichernden Löhnen in Produktionsländern wie Kambodscha und Bangladesch.

Für Inditex wird die Fähigkeit, die deutschen Wahlen und die spanischen Unruhen zu bewältigen, zum entscheidenden Test für das Bekenntnis zu stabilen und fairen Arbeitsbeziehungen.

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