Höchstes Windrad der Welt: 365 Meter in der Lausitz erreicht
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 20:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das nach Unternehmensangaben höchste Windrad der Welt hat im brandenburgischen Schipkau in der Lausitz seine endgültige Höhe von 365 Metern erreicht.
Rotorblätter bringen Anlage auf 365 Meter
Die Anlage verfügt über eine Nabenhöhe von 300 Metern; mit den Rotorblättern erreicht sie 365 Meter. Damit ist sie nur wenige Meter niedriger als der Berliner Fernsehturm. Auch der Bundesverband Windenergie stuft sie als größtes Windrad der Welt ein.
Die letzten Arbeiten bestanden darin, den Innenturm mit einem Teleskopmechanismus auf seine endgültige Höhe zu heben. Anschließend wurde der ausgefahrene Turm fixiert. Das Verfahren erforderte nach Angaben des Unternehmens präzise technische Abläufe und eine sorgfältige Abstimmung.
Starker Wind verzögerte den Abschluss
Wegen starker Windböen waren die Arbeiten in den vergangenen Tagen unterbrochen worden. Die Ausrufung des Weltrekords wurde deshalb verschoben. Ursprünglich sollte die Anlage bereits am Sonntag der Vorwoche fertiggestellt sein.
Am Höhenwindturm stehen nun noch abschließende Arbeiten an. Die offizielle Inbetriebnahme ist für November geplant.
Deutlicher Abstand zum bisherigen Serienrekord
Die weltweit höchste Serien-Windenergieanlage stand bisher nach Angaben von Vestas und Max Bögl in Winnberg in der Oberpfalz. Sie hat eine Nabenhöhe von 199 Metern und erreicht insgesamt 285 Meter.
Strom für bis zu 7.500 Haushalte
Die Gicon Gruppe mit Sitz in Dresden baut den Höhenwindturm im Auftrag der 2019 gegründeten Bundesagentur für Sprunginnovationen. Das Projekt besteht aus einer Art Gitterturm und einer Stahlkonstruktion.
Nach Angaben von Gicon nutzt die Anlage in größeren Höhen stärkere und gleichmäßigere Windverhältnisse. Bei gleichem Rotordurchmesser könne sie dadurch etwa den doppelten Energieertrag einer konventionellen Windenergieanlage erzielen. Künftig soll der Höhenwindturm Strom für bis zu 7.500 Haushalte produzieren.
Technik für stärkere Höhenwinde
Der Höhenwindturm in Schipkau verfolgt einen anderen Ansatz als herkömmliche Windparks: Ein Gitterturm und eine zusätzliche Stahlkonstruktion bringen die Nabe deutlich höher in die Atmosphäre. Dort sind die Windverhältnisse nach Angaben des Projekts stärker und gleichmäßiger. Bei gleichem Rotordurchmesser soll dadurch etwa doppelt so viel Energie wie bei einer konventionellen Anlage gewonnen werden.
Erprobung in einer Kohleregion
Das Projekt steht zugleich für den Strukturwandel in der Lausitz. Die Region war über Jahrzehnte vom Braunkohleabbau und der Verstromung geprägt; nun soll eine neuartige Windkraftanlage zeigen, ob sich höhere Erträge auch außerhalb klassischer Windvorrangflächen nutzen lassen. Auftraggeberin ist die Bundesagentur für Sprunginnovationen, die damit eine technische Entwicklung im industriellen Maßstab erprobt.
Was der Rekord praktisch bedeutet
Die geplante Leistung für bis zu 7.500 Haushalte ist für ein einzelnes Demonstrationsprojekt begrenzt, der Erkenntnisgewinn könnte jedoch über die Anlage hinausreichen. Höhere Türme könnten Windenergie räumlich gleichmäßiger verfügbar machen und den Druck auf zusätzliche Netzverbindungen teilweise mindern. Ob sich die Bauweise wirtschaftlich, wartungsarm und an weiteren Standorten einsetzen lässt, wird sich erst im laufenden Betrieb zeigen. Für Anwohner und Kommunen bleibt neben der Stromproduktion vor allem entscheidend, wie sich Genehmigung, Landschaftsbild und mögliche Folgekosten bewerten lassen.
