Elektroautos, Ladeinfrastruktur

Elektroautos: Öffentliche Ladepunkte nehmen stark zu – Stuttgart klar vorn

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Deutschland gibt es deutlich mehr öffentliche Ladepunkte als noch im Sommer 2025. Besonders dicht ist das Netz in Stuttgart, während kleinere Städte und ländliche Regionen deutlich zurückliegen.

Inzwischen gibt es mehr als 200.000 öffentliche Ladepunkte für Elektroautos. (Archivbild) - Bild: Sebastian Kahnert/dpa
Inzwischen gibt es mehr als 200.000 öffentliche Ladepunkte für Elektroautos. (Archivbild) - Bild: Sebastian Kahnert/dpa

In Deutschland können Elektroautos an immer mehr öffentlichen Ladepunkten Strom laden: Am 1. September waren bei der Bundesnetzagentur gut 209.000 Ladepunkte registriert, 24 Prozent mehr als im Juli 2025.

Stuttgart liegt bei Flächendichte vorn

Die Zahlen stammen aus neuen Daten der Bundesnetzagentur, die das Energieunternehmen 1Komma5Grad für einen Ladesäulenatlas ausgewertet hat. Unter den 107 kreisfreien Städten lag Stuttgart mit 2.107 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer deutlich an der Spitze. Das entspricht einem Anstieg um zwölf Prozent innerhalb von gut einem Jahr.

Auf den weiteren Plätzen folgten Regensburg mit 1.452 Ladepunkten und München mit 1.179 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer. In Regensburg und München nahm die Zahl jeweils um 19 Prozent zu.

Große Unterschiede bei kleineren Städten

Am unteren Ende der Rangliste standen Brandenburg an der Havel mit 59 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer, Dessau-Roßlau mit 55 und Suhl mit 53. In Brandenburg an der Havel wuchs die Zahl dennoch um 42 Prozent, in Dessau-Roßlau um 15 Prozent und in Suhl um sechs Prozent.

Die größten prozentualen Zuwächse gab es abseits der großen Metropolen. Im bayerischen Schwabach stieg die Zahl der Ladepunkte um 112 Prozent auf 172 je 100 Quadratkilometer. In Mülheim an der Ruhr nahm sie um 89 Prozent auf 429 Ladepunkte zu.

Mettmann überholt Böblingen

Bei den 294 Landkreisen lag der Kreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen mit 344 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer vorn. Die Zahl wuchs dort um 40 Prozent. Damit verdrängte der Kreis Mettmann den Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg, der auf 328 Ladepunkte und ein Plus von 19 Prozent kam.

Den dritten Platz belegte der Main-Taunus-Kreis mit 281 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer, 15 Prozent mehr als zuvor. Von den gut 209.000 registrierten Ladepunkten waren gut 150.000 normale und knapp 59.000 schnelle Ladepunkte.

Ausbau nicht überall gleich stark

Der Produktchef von 1Komma5Grad, Jannik Schall, bezeichnete den Aufwärtstrend als positives Signal. Zugleich wachse die Ladeinfrastruktur ungleichmäßig: Während Metropolen dicht versorgt würden, gebe es in kleinen Städten und ländlichen Regionen weiteren Nachholbedarf.

Ausbau mit regionalen Lücken

Mehr als 209.000 registrierte öffentliche Ladepunkte markieren einen deutlichen Ausbau der Infrastruktur. Die Verteilung nach Fläche zeigt jedoch, dass die Versorgung stark vom Wohn- und Arbeitsstandort abhängt: Dicht besiedelte Städte können viele Ladepunkte auf kleinem Raum bündeln, während dünner besiedelte Regionen mit deutlich geringeren Flächendichten auskommen müssen.

Für Fahrerinnen und Fahrer ist die Zahl allein deshalb nur ein Teil der Realität. Entscheidend sind zusätzlich die Entfernung, die Verfügbarkeit zum gewünschten Zeitpunkt, die Ladeleistung und die Frage, ob ein Ladepunkt dauerhaft oder nur zeitweise zugänglich ist. Die knapp 59.000 Schnellladepunkte können lange Ladezeiten verkürzen, ersetzen aber nicht überall ein engmaschiges Netz normaler Ladepunkte.

Bedeutung für den Umstieg

Der weitere Ausbau betrifft nicht nur private Haushalte, sondern auch Pendler, Menschen ohne eigene Garage und den wachsenden elektrischen Liefer- und Fuhrparkverkehr. Gerade in Städten ohne privaten Stellplatz kann öffentliche Ladeinfrastruktur darüber entscheiden, ob ein Elektroauto im Alltag praktikabel ist.

Die regionalen Unterschiede machen zugleich sichtbar, dass zusätzliche Ladepunkte nicht automatisch eine gleichmäßige Versorgung schaffen. Für kleinere Städte und ländliche Räume bleiben Netzanschlüsse, geeignete Standorte, Genehmigungen und die wirtschaftliche Auslastung zentrale Aufgaben. Die aktuellen Zahlen sprechen daher für Fortschritte beim Gesamtangebot, aber auch für anhaltenden Nachholbedarf außerhalb dichter Ballungsräume.

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