Deutschland, Bayern

Sind zusätzliche Rabatte in Bonus-Apps diskriminierend?

18.03.2026 - 04:00:32 | dpa.de

In den Apps von Supermarktketten und Discountern erhalten angemeldete Kunden zusätzliche Angebote, andere nicht. Verbraucherschützer beklagen die Praxis und fordern: Gleiche Rabatte für alle.

  • Discounter Netto bietet Kunden in seiner App zusätzliche Rabatte an. - Foto: Jens Büttner/dpa
    Discounter Netto bietet Kunden in seiner App zusätzliche Rabatte an. - Foto: Jens Büttner/dpa
  • Viele Lebensmittelhändler setzen auf Apps, um Kunden fester an sich zu binden. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Viele Lebensmittelhändler setzen auf Apps, um Kunden fester an sich zu binden. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Viele Verbraucher in Deutschland nutzen Rabatte in den Bonus-Apps der Lebensmittelhändler. Diese gelten jedoch meist nur für registrierte Kunden. Ist das gerecht? Über diese Frage wird an diesem Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Bamberg gestritten. 

Hintergrund ist eine Unterlassungsklage des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) gegen den Discounter Netto (Az. 3 UKl 16/25 e). In einem Prospekt hatte die Kette einen Extra-Rabatt von 15 Prozent beworben, der nur über die App eingelöst werden kann.

Nach Ansicht der Verbraucherschützer ist das diskriminierend und verstößt gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Kritisiert wird, dass behinderte, ältere oder jüngere Menschen benachteiligt würden, weil sie entsprechende Geräte oder Apps oft nicht nutzen könnten oder dürften. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb gleiche Rabatte für alle. 

«Der Verbraucheralltag ist teuer genug», sagte vzbv-Vorständin Ramona Pop. Jeder sollte von Rabatten profitieren können. Menschen, die keine Apps nutzen, dürften nicht ausgeschlossen werden.

Umfrage: 41 Prozent befürworten exklusive Rabatte

Netto wollte sich auf Nachfrage nicht zum laufenden Verfahren äußern. Der Handelsverband Deutschland (HDE) erklärte, grundsätzlich gelte für alle Kunden derselbe Preis. Apps seien für viele Händler ein Instrument, Kunden besser kennenzulernen und genauer auf Bedürfnisse einzugehen. Auch ohne Apps gebe es attraktive Preise. 

Die Verbraucherschützer gehen auch gegen andere Händler vor. Ein Prozess gegen Penny beginnt im April, ein weiterer gegen Lidl im September. Obwohl auch Supermarktketten spezielle App-Rabatte anbieten, konzentriert sich der vzbv zunächst auf Discounter. Dort kauften besonders preissensible Kunden ein, heißt es. Für Menschen mit geringem Einkommen sei Gleichbehandlung besonders wichtig.

Für Händler und Kunden sind die Apps eine Art Tauschgeschäft. Angemeldete Kunden erhalten exklusive Vorteile. Im Gegenzug gewinnen die Händler - im besten Fall - treuere Kunden sowie deren Daten und können das Kaufverhalten besser analysieren. Was die exklusiven Rabatte in Apps betrifft, sind die Verbraucher gespalten. Laut einer im Februar 2025 durchgeführten YouGov-Umfrage finden das 41 Prozent gut, 40 Prozent nicht. Alle anderen machten keine Angaben.

Mehrere Rechtsstreitigkeiten wegen Apps

Nach Angaben des Marktforschers NIQ nutzen zwei Drittel der Haushalte in Deutschland mindestens eine Händler-App, am häufigsten die von Lidl und Rewe. 77 Prozent dieser Gruppe verwenden Coupons, um Geld zu sparen. 48 Prozent kaufen deshalb andere Produkte als ursprünglich geplant, 44 Prozent wechseln sogar das Geschäft. «Die Händler-Apps haben sich wahnsinnig schnell etabliert. Sie beeinflussen das Kaufverhalten spürbar», sagt NIQ-Marktforscher David Georgi.

Die Apps standen zuletzt mehrfach im Mittelpunkt von Rechtsstreitigkeiten. Rewe unterlag im Dezember vor dem Landgericht Köln gegen die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Supermarktkette darf nicht mehr mit einem Bonus werben, ohne den Gesamtpreis des entsprechenden Produkts zu nennen. Rewe hat Berufung gegen die Entscheidung eingelegt.

Bereits im September scheiterten Verbraucherschützer mit einer Klage gegen Lidl vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Sie monieren, die App sei entgegen den Teilnahmebedingungen nicht kostenlos. Verbraucher zahlten mit ihren Daten. Der vzbv will deshalb vor den Bundesgerichtshof ziehen.

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