Banken: Verdi ruft 150.000 Beschäftigte zu Warnstreiks auf
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTarifkonflikt erreicht die Filialen
- Verdi ruft Beschäftigte privater Banken in der kommenden Woche zu ersten bundesweiten Warnstreiks auf.
- In Hamburg sind am Montag ganztägige Aktionen unter anderem bei Deutsche Bank, Unicredit und Commerzbank geplant.
- Die zweite Verhandlungsrunde ist für den 2. November angesetzt.
Warnstreiks sollen Druck auf Banken erhöhen
Verdi ruft in den Tarifverhandlungen für rund 150.000 Beschäftigte bei privaten Banken zu ersten bundesweiten Warnstreiks auf. Die Gewerkschaft will damit den Druck vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November erhöhen, nachdem die Arbeitgeber zum Auftakt Anfang Oktober kein Angebot vorgelegt hatten.
Aktionen in mehreren Regionen angekündigt
In Hamburg sind für Montag ganztägige Warnstreiks geplant, unter anderem in Filialen von Deutsche Bank, Unicredit und Commerzbank. Weitere Aktionen in der kommenden Woche sollen regional bekanntgegeben werden.
Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck erklärte, die Banken müssten ihre Beschäftigten angesichts der Branchengewinne fair beteiligen. Die Arbeitgeber lehnen die Forderungen als überhöht ab und erwarten, dass die Warnstreiks überschaubar bleiben und keine spürbaren Auswirkungen auf den Bankenbetrieb haben.
Sechs Prozent mehr Gehalt gefordert
Verdi fordert sechs Prozent mehr Gehalt sowie monatlich 300 Euro zusätzlich für Nachwuchskräfte bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Erhöhungen sollen nach den Vorstellungen der Gewerkschaft auch für übertariflich und außertariflich Beschäftigte gelten.
Zum Gesprächsauftakt hatten die Arbeitgeber mehrere Forderungen pauschal zurückgewiesen. Sie lehnen unter anderem verschärfte Kündigungsschutzregeln und zusätzliche tarifliche Vorgaben für Transformationsprozesse ab.
Streit über KI und freie Tage
Verdi verlangt außerdem verbindliche Vereinbarungen zu Beschäftigungsschutz, Personalplanung und Qualifizierung beim Einsatz Künstlicher Intelligenz. Zudem sollen Beschäftigte Gehaltsbestandteile in bis zu 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr umwandeln können.
Der Arbeitgeberverband AGV Banken weist auch diese Forderung zurück. Sie entspreche einer Arbeitszeitverkürzung von fast zehn Prozent und führe „jede seriöse Personalplanung ad absurdum“, sagte Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang.
Der Tarifkonflikt betrifft rund 150.000 Beschäftigte und verbindet klassische Entgeltfragen mit den Folgen des Strukturwandels im Bankgewerbe. Verdi begründet die Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt und zusätzlichen Leistungen mit den Gewinnen der Branche sowie gestiegenen Lebenshaltungskosten.
Besonders konfliktträchtig ist die Verknüpfung von Lohn, Beschäftigungsschutz und Digitalisierung. Verbindliche Regeln für den Einsatz Künstlicher Intelligenz sollen aus Sicht der Gewerkschaft sicherstellen, dass technologische Veränderungen nicht zulasten der Beschäftigten gehen. Die Arbeitgeber lehnen zusätzliche tarifliche Vorgaben für Transformationsprozesse ab.
Arbeitszeit als zentraler Streitpunkt
Die Möglichkeit, Gehaltsbestandteile in bis zu 20 zusätzliche freie Tage umzuwandeln, verschärft den Gegensatz. Verdi verbindet damit mehr individuelle Gestaltungsspielräume; der Arbeitgeberverband bewertet das Modell als Arbeitszeitverkürzung von fast zehn Prozent und sieht dadurch die Personalplanung belastet.
Die Warnstreiks erhöhen den Druck vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November. Für Bankkunden dürften mögliche Auswirkungen regional unterschiedlich ausfallen, weil Umfang und Dauer der Aktionen von den angekündigten Streikmaßnahmen in den einzelnen Regionen abhängen.
ntv: „Verdi ruft Beschäftigte von privaten Banken zum Streik auf“ (23.10.2026)
Der Beitrag bestätigt den bundesweiten Warnstreik und nennt ebenfalls die zweite Verhandlungsrunde am 2. November sowie die Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf verbindliche Regeln für Künstliche Intelligenz und die Übernahme von Nachwuchskräften nach der Ausbildung.
