IG Metall: Warnstreiks erfassen am Montag 34 Betriebe in Bayern
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Ende der Friedenspflicht hat die IG Metall bundesweit die ersten Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie eingeleitet. Nach ersten nächtlichen Arbeitsniederlegungen weiten sich die Aktionen zum Wochenbeginn massiv aus: Am Montag, dem 2. November 2026, wird im Rahmen der Proteste erstmals auch ein bayerischer Automobilhersteller am Abend von einem Warnstreik erfasst.
Auftakt in der Nacht und Schwerpunktaktionen zum Wochenstart
In der Nacht zum Sonntag, dem 1. November 2026, liefen die ersten Kundgebungen unmittelbar um Mitternacht an. In Bayern trat die Nachtschicht des Unternehmens RF360 Europe in München um 0 Uhr in den Ausstand, gefolgt von Aktionen bei Aerotech in Peißenberg am Sonntagabend. Für den Montag kündigte die Gewerkschaft für Bayern Arbeitsniederlegungen in 34 Betrieben an, die am Montagabend auch auf die Automobilproduktion im Freistaat übergreifen.
Auch in anderen Tarifgebieten laufen koordinierte Arbeitskämpfe an. In Nordrhein-Westfalen begann der Streikaufruf am Sonntagabend um 22.00 Uhr mit einer Kundgebung beim Autozulieferer Gestamp Umformtechnik in Bielefeld. Am Montag folgen Aktionen in mehr als zwei Dutzend nordrhein-westfälischen Betrieben, darunter Herbert Kannegiesser, Hettich Oni, Upmann und WP Kemper.
In Baden-Württemberg, wo der Tarifbezirk rund 900.000 Beschäftigte umfasst, sowie in Berlin und Brandenburg mit rund 96.000 Betroffenen bereitet die Gewerkschaft ebenfalls umfangreiche Aktionen vor. Insgesamt deckt die Branche in 15 Tarifgebieten etwa 3,7 Millionen Beschäftigte in den Sektoren Automobilbau, Maschinenbau, Elektroindustrie und Metallverarbeitung ab.
Fronten zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern verhärtet
Auslöser der Eskalation ist der erhebliche Abstand zwischen den Positionen der Tarifparteien. Die IG Metall fordert für eine Laufzeit von 12 Monaten ein Entgeltplus von 5 Prozent sowie eine entsprechende Anhebung der Ausbildungsvergütung – im bayerischen Tarifgebiet beziffert auf ein Plus von 110 Euro.
Flankiert wird dies von Forderungen nach Standortsicherung, sozialen Komponenten und Gewinnbeteiligungen für wirtschaftlich starke Betriebe. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass laut einer Betriebsräteumfrage 62 Prozent der Betriebe eine gute bis sehr gute Auslastung verzeichnen.
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IG-Metall-Chefin Christiane Benner betonte, die Offerte der Unternehmen provoziere Unverständnis und Wut, da sie den Beschäftigten im Ergebnis Geld nehme. Der nordrhein-westfälische IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler bezeichnete den Vorschlag als verspätetes, unzureichendes Minusgeschäft deutlich unterhalb der Inflationsrate.
Die Arbeitgeberseite hatte zuvor eine streichbare Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttos im Juli 2027 angeboten, was je nach Tarifgebiet rund 555 bis 800 Euro entspricht – in Niedersachsen und Osnabrück etwa 660 Euro.
Eine tabellenwirksame Erhöhung um 1,3 Prozent soll demnach erst ab Juli 2028 greifen, bei einer Gesamtlaufzeit von 26 Monaten. Vertreter von NiedersachsenMetall hielten dagegen, dass es an finanziellem Spielraum fehle, und verwiesen darauf, dass die deutsche Metall- und Elektroindustrie seit 2018 knapp 350.000 Arbeitsplätze eingebüßt habe.
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Zuspitzung durch separate Tarifkonflikte
Verschärft wird die angespannte Lage durch unternehmenseigene Auseinandersetzungen abseits des Flächentarifs. Bei Volkswagen kündigte der Vorstand zehn von 13 Haustarifverträgen zum 31. Dezember 2026, darunter Regelungen zu Arbeitszeiten, Urlaub und Zulagen. Der Manteltarifvertrag betrifft über 100.000 Beschäftigte an neun deutschen Standorten.
Gleichzeitig stehen Pläne im Raum, weltweit 50.000 zusätzliche Stellen abzubauen, etwa die Hälfte davon möglicherweise im Inland. Erste Auswirkungen könnten die Beschäftigten dort ab Januar 2027 spüren, während weitere Verhandlungen für Ende November in Emden und Mitte Dezember in Zwickau angesetzt sind.
