IG-Metall-Tarifrunde: 3.000 Audi-Beschäftigte streiken für 5 Prozent mehr Lohn
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben rund 3.000 Beschäftigte der Dauernachtschicht sowie des Güterverkehrszentrums am 2. November 2026 die Arbeit bei Audi in Ingolstadt niedergelegt. Mit dem nächtlichen Warnstreik verliehen die Teilnehmenden den Tarifforderungen der IG Metall Nachdruck und äußerten deutliche Kritik an der Führung des Automobilherstellers.
Bänderstillstand in der Nachtschicht
Die Kundgebung auf dem Parkplatz an der Ecke Ettinger Straße und Furtwänglerstraße begann um 23 Uhr. Ab 23:15 Uhr standen die Montagebänder im Werk still, da die Nachtschicht ihre Arbeit für zwei Stunden unterbrach. Neben der Audi-Belegschaft schlossen sich auch Beschäftigte der Dienstleister Scherm Logistik und DP World Logistics dem Ausstand an.
Vorausgegangen war das Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober 2026. In der aktuellen Tarifrunde fordert die IG Metall für die bundesweit 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche ein Entgeltplus von 5 Prozent sowie eine soziale Komponente für untere Entgeltgruppen bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
Zudem verlangt die Gewerkschaft 110 Euro mehr Ausbildungsvergütung, tarifliche Absicherungen für Standorte und Arbeitsplätze sowie eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung.
Scharfe Kritik an Unternehmensführung
Der Protest richtete sich nicht nur gegen das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite, sondern auch gegen die Unternehmenspolitik von Audi. Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, kritisierte Audi-Chef Gernot Döllner am 2. November 2026 für dessen Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump. Ott bezeichnete diesen Schritt als armselig und peinlich.
Zwar sei die geplante Investition in den Vereinigten Staaten richtig, der gewählte Zeitpunkt jedoch verfehlt. In den laufenden Verhandlungen gehe es darum, sich den nötigen Respekt zurückzuholen. Hintergrund der Debatte ist unter anderem die Ankündigung von Audi, ein neues Werk im US-Bundesstaat Georgia mit einem geplanten Investitionsvolumen von 4 Milliarden Dollar zu errichten.
Gleichzeitig erwägt das Unternehmen unter Berufung auf eine Schlechtwetterklausel die Schließung des Standorts Neckarsulm. Die Betriebsrätin Karola Frank unterstrich bei der Kundgebung, dass sich die Belegschaft nicht zum Sündenbock machen lasse.
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Weit auseinanderliegende Positionen
Das Angebot der Arbeitgeberseite stieß bei den Streikenden auf klare Ablehnung. Die Arbeitgeber hatten einen zweijährigen Tarifvertrag vorgelegt, der eine Einmalzahlung von 1 Prozent des Bruttojahresgehalts im Sommer 2027 sowie eine Entgelterhöhung um 1,3 Prozent im Sommer 2028 vorsieht. Zudem soll die vorgesehene Einmalzahlung für Betriebe mit schwacher Ertragslage gestrichen werden können.
Ausweitung der Aktionen in der Region
Der Ausstand in Ingolstadt war Teil einer größer angelegten Streikwelle. Für Dienstag rief die IG Metall zu Arbeitsniederlegungen in 41 Betrieben auf, wobei größere Aktionen unter anderem in Augsburg, Passau und Aschaffenburg stattfanden. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich am Dienstag insgesamt 8.500 Beschäftigte in 40 bayerischen Betrieben an den Warnstreiks.
Zu den betroffenen Standorten zählten neben Audi mit 3.000 Warnstreikenden unter anderem ZF in Passau mit 1.000 Teilnehmenden, Renk in Augsburg mit 650 sowie Everllence mit 500 Beteiligten.
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Weitere Arbeitsniederlegungen gab es bei Linde in Aschaffenburg mit 400 Personen, bei Waldrich Coburg mit 290 sowie in Kitzingen mit 270 Beschäftigten. Bundesweit plant die Gewerkschaft im Rahmen der Tarifauseinandersetzung Proteste in mehr als 2.000 Betrieben.
