IG Metall greift Autoindustrie an: Benner warnt VW vor Werkschließungen
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 09:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, wirft den Managern der deutschen Autoindustrie angesichts der Branchenkrise schwere Versäumnisse vor. Sie sieht die Sicherheit von Arbeitsplätzen bei Herstellern, Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern akut bedroht.
Benner kritisiert selbstzufriedenes Management
Benner sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Managements der Autoindustrie seien "einfach oft zu selbstzufrieden" gewesen. Von Managern erwarte sie, dass sie die Zukunft gestalten und sich nicht auf bisherigen Erfolgen ausruhen. Aus Sicht der Gewerkschaftschefin geht es um die Rettung der gesamten Industrie und der Beschäftigung entlang der automobilen Wertschöpfungskette.
Bundesweiter Aktionstag Autoindustrie
Für Montag mobilisiert die IG Metall ihre Mitglieder bundesweit zu einem "Aktionstag Autoindustrie". Die Gewerkschaft fordert von den Konzernen mehr Investitionen in Zukunftsgeschäfte, etwa in neue Antriebe und digitale Technologien. Von der Politik verlangt sie unter anderem eine Ausweitung der Schutzzölle gegen Auto- und Komponentenimporte aus China.
Warnung vor Dumpingkonkurrenz aus China
Benner spricht von einer "brachialen Dumpingkonkurrenz aus China", der sich Europa derzeit gegenübersehe. Nach ihrer Einschätzung kommt die Branche ohne politische Unterstützung nicht aus der Krise heraus. Die Forderung nach höheren Schutzzöllen zielt darauf, die heimische Produktion gegenüber preisaggressiven Wettbewerbern zu stärken.
Kundgebung im VW-Werk Wolfsburg
Am Montag wird Benner bei einer Kundgebung im Wolfsburger VW-Werk auftreten. Bei Volkswagen droht nach wie vor die Schließung von vier deutschen Werken, was die Belegschaften stark verunsichert. Benner berichtet von einer seit zwei Jahren anhaltenden "permanenten Verunsicherung" bei dem Konzern.
Gebrochene Zusagen und wachsende Wut
Die Gewerkschaftschefin erinnert daran, dass viele Beschäftigte bei Volkswagen in den vergangenen Jahren verzichtet hätten, etwa auf finanzielle Vorteile, um im Gegenzug Sicherheit zu erhalten. Dieses Versprechen sei gebrochen worden, die Stimmung entsprechend aufgeheizt. In der Belegschaft spreche sie von großer Wut über die laufenden Planspiele zur möglichen Schließung mehrerer Standorte.
Die Kritik der IG Metall an der Autoindustrie fällt in eine Phase tiefgreifender Umbrüche: Der globale Wettbewerb nimmt zu, die Umstellung auf Elektromobilität und Softwareplattformen erfordert hohe Investitionen, gleichzeitig kämpft die Branche mit schwacher Nachfrage und Kostendruck. In dieser Lage stehen Beschäftigte in Deutschland zunehmend unter dem Eindruck von Sparprogrammen, Produktverlagerungen und Werkschließungsdrohungen.
Branchenkrise und Strukturwandel
Wenn Christiane Benner den Managern "Selbstzufriedenheit" vorwirft, zielt sie auf die aus Gewerkschaftssicht zu langsame Reaktion vieler Unternehmen auf diesen Strukturwandel. Die Forderung nach mehr Investitionen in Zukunftsgeschäfte spiegelt die Sorge, dass die deutsche Autoindustrie Marktanteile in neuen Technologien verlieren könnte und damit langfristig auch industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land gefährdet werden. Dass die Gewerkschaft zugleich höhere Schutzzölle gegen chinesische Importe verlangt, zeigt, wie stark die Konkurrenz aus Asien inzwischen wahrgenommen wird.
Konfliktlinien bei Volkswagen und darüber hinaus
Die Lage beim Volkswagen-Konzern steht exemplarisch für die Spannungen: Wenn über die Schließung von vier deutschen Werken gesprochen wird und Benner von gebrochenen Zusagen berichtet, geht es um die Vertrauensbasis zwischen Beschäftigten und Management. Viele Belegschaften haben in den vergangenen Jahren Zugeständnisse etwa bei Arbeitszeiten oder Sonderzahlungen gemacht, um Standorte zu sichern. Die nun geschilderte "permanente Verunsicherung" verdeutlicht, wie sehr diese Erwartungssicherheit aus Sicht der Gewerkschaft ins Wanken geraten ist.
Bedeutung des Aktionstages
Der bundesweite Aktionstag Autoindustrie ist daher nicht nur eine symbolische Kundgebung, sondern auch eine Machtprobe. Die IG Metall will deutlich machen, dass Beschäftigte bereit sind, Druck auszuüben, wenn sie ihre Zukunft bedroht sehen. Für Politik und Unternehmen erhöht sich damit der Handlungsdruck: Sie müssen zeigen, wie sie Klimaschutz, technologische Modernisierung und Beschäftigungssicherung zusammenbringen wollen. Für Leserinnen und Leser mit Bezug zur Auto- und Zulieferindustrie ist dies ein Hinweis darauf, dass Tarifrunden, Standortentscheidungen und industriepolitische Debatten in den kommenden Monaten weiter an Schärfe gewinnen dürften.
