Metall, Millionen

IG Metall gegen 40-Stunden-Woche: 3,7 Millionen Beschäftigte im Fokus

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die IG Metall setzt auf Reallohnschutz und lehnt längere Arbeitszeiten ab. Bei Mercedes-Benz droht ein Konflikt über mögliche Werksschließungen.

IG Metall verteidigt 35-Stunden-Woche vor Tarifrunde
Innenansicht einer modernen, weitläufigen Industriehalle mit großen Maschinen und Stahlträgern bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

In der bevorstehenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall eine klare Position gegen Bestrebungen zur Arbeitszeitverlängerung bezogen.

Die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner warnte im Rahmen eines Pressegesprächs am 9. September 2026 davor, das vor drei Jahrzehnten erreichte Ziel der 35-Stunden-Woche anzutasten. Wer deren Abschaffung fordere, müsse mit einem massiven Proteststurm der Belegschaften rechnen. Die Beibehaltung dieser Arbeitszeitregelung gelte innerhalb der Organisation als zentrales Symbol.

Fokus auf Reallohnsicherung und Beschäftigtenbefragung

Das primäre Ziel der Gewerkschaft für die anstehenden Verhandlungen ist die Sicherung der Reallöhne für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche. Grundlage für die Forderungsfindung ist unter anderem eine umfassende Befragung, an der sich bundesweit 267.000 Personen beteiligten. Demnach sprachen sich 47,8 Prozent der Teilnehmer für eine moderate und 35 Prozent für eine kräftige Entgelterhöhung aus.

Ergänzend dazu lieferte eine umfrage unter Betriebsräten ein differenziertes Bild der wirtschaftlichen Lage: Während 31,7 Prozent die Situation als gut und 14,5 Prozent als sehr gut bewerteten, stuften 16,9 Prozent die Lage als schlecht und 4,7 Prozent als sehr schlecht ein.

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In der Region Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, wo 15.353 Beschäftigte aus 173 Betrieben befragt wurden, nannten 67,4 Prozent die gestiegenen Lebenshaltungskosten als dringlichstes Thema. Dahinter folgten die Zukunft der Betriebe mit 59,1 Prozent sowie die allgemeine Arbeitsplatzsicherheit mit 57,5 Prozent.

Konfliktpotenzial bei Mercedes-Benz und Stihl

Anlass für die verschärfte Rhetorik der Gewerkschaft sind aktuelle Vorstöße namhafter Industrieunternehmen. Insbesondere bei Mercedes-Benz und dem Motorsägenhersteller Stihl sorgen Überlegungen zur Einführung einer 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich für Empörung.

Die IG Metall bezifferte die Auswirkungen einer solchen Maßnahme: Eine unbezahlte Mehrarbeit von fünf Stunden entspreche einer Entgeltkürzung von 20 Prozent des Jahresentgelts. Allgemein bedeute der Wechsel von 35 auf 40 Stunden ohne finanziellen Ausgleich ein Minus von 14 Prozent beim Lohn.

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Mercedes-Benz verweist in diesem Zusammenhang auf die Kostenstrukturen. Die Faktorkosten im ungarischen Werk Kecskemét liegen laut Unternehmensangaben um 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Dort wurde die Kapazität Mitte Juli 2026 auf 400.000 Fahrzeuge verdoppelt.

Der Automobilbauer drohte für den Fall einer Ablehnung der Arbeitszeitverlängerung mit der Schließung eines deutschen Werks, wobei bisher kein formaler Beschluss vorliegt. Die IG Metall verwies darauf, dass die bestehende Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2035 gelte, und kündigte für den 21. September 2026 einen Aktionstag an.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Zeitplan

Die Branche steht unter wirtschaftlichem Druck. Im Juni 2026 lag die Zahl der Beschäftigten bei 3,72 Millionen, was den tiefsten Stand seit über 12 Jahren markiert. Dabei machen die Personalkosten laut Analysen lediglich knapp 17 Prozent der Gesamtkosten aus, in der Automobilindustrie sinkt dieser Anteil sogar auf 11 Prozent.

Der Fahrplan für die Tarifrunde steht fest: Am 23. September wird der Vorstand der IG Metall die endgültige Forderung beschließen. Die regionalen Tarifkommissionen, etwa in Niedersachsen, bereiten ihre Beschlüsse für den 22. September vor. Die ersten Verhandlungen sind für den 7. und 8. Oktober angesetzt. Da die aktuellen Tarifverträge am 31. Oktober auslaufen, sind Warnstreiks ab dem 1. November 2026 rechtlich möglich.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Gewerkschaft: IG Metall droht mit Proteststurm bei Aus für 35-Stunden“

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