IG Metall fordert vor dritter Runde höheres Angebot
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTarifrunde umfasst 3,7 Millionen Beschäftigte
- Die dritte Verhandlungsrunde beginnt am Donnerstag, 5. November.
- Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld sowie Zusagen für Arbeitsplätze und Standorte.
- Das Arbeitgeberangebot sieht eine Einmalzahlung 2027 und 1,3 Prozent mehr ab Juli 2028 vor.
IG Metall fordert vor dritter Runde neues Arbeitgeberangebot
IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie vor der dritten Verhandlungsrunde zu einem deutlich verbesserten Angebot aufgefordert. Sie verlangt zudem verbindliche Antworten zur Sicherung von Beschäftigung, Standorten und Zukunftsperspektiven.
Die Verhandlungen sollen an diesem Donnerstag, 5. November, fortgesetzt werden.
Benner kritisiert bisherige Offerte
Die erste Offerte der Arbeitgeber mit einer konditionierten Einmalzahlung im kommenden Jahr und einer Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 bezeichnete Benner als „Zumutung“. Sie nehme auch in wirtschaftlich schwierigen Betrieben eine kämpferische Stimmung wahr.
Die Beschäftigten machten sich Sorgen über steigende Kosten, die Zukunft ihrer Familien und die Ausbildung ihrer Kinder, sagte die Gewerkschaftschefin. Viele Arbeitnehmer hätten bereits durch Verzicht zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze beigetragen.
Warnstreiks laufen in mehreren Regionen
Benner warnte zugleich vor Angriffen auf die 35-Stunden-Woche. Diese habe für die Beschäftigten eine hohe symbolische Bedeutung; zudem arbeiteten sie bereits flexibel.
Seit dem Ende der Friedenspflicht am Sonntag ruft die IG Metall in mehreren Regionen zu kurzfristigen Warnstreiks auf. Für Mittwoch waren Schwerpunkte in Bayern, Baden-Württemberg, dem Tarifgebiet Mitte und Nordrhein-Westfalen geplant.
Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld
Als mögliche nächste Eskalationsstufe stehen ganztägige Warnstreiks im Raum, für die die Gewerkschaft ihren Mitgliedern auch Streikgeld zahlen könnte. In der Metall- und Elektroindustrie arbeiten rund 3,7 Millionen Menschen, unter anderem in Autoindustrie, Maschinenbau, Elektrobranche und Metallerzeugung.
Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zusätzlich will sie über die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten sowie über eine Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in profitablen Unternehmen verhandeln.
Arbeitgeber warnen vor weiterem Stellenabbau
Die Arbeitgeber bieten bislang eine Einmalzahlung von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 an. Unternehmen mit geringer Profitabilität könnten die Zahlung verschieben oder streichen; ab Juli 2028 soll das Entgelt um 1,3 Prozent steigen. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028 gelten.
Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander warnte angesichts der Kostenstruktur vor dem Abbau mehrerer Hunderttausend Arbeitsplätze. Seit 2019 habe die Deindustrialisierung in der Branche 350.000 Stellen gekostet; weitere 300.000 seien in den nächsten zwei bis drei Jahren bedroht.
Zander bezeichnete die Fünf-Prozent-Forderung der IG Metall für zwölf Monate als unverantwortlich. Die Unternehmen kämpften vielfach um ihr Überleben, eine Besserung sei nicht in Sicht.
Der Tarifkonflikt trifft eine Branche, die wirtschaftlich nicht einheitlich dasteht. Während Teile der Autoindustrie und ihrer Zulieferer unter Absatzproblemen, hohen Transformationskosten und Stellenabbau leiden, verzeichnen andere Bereiche wie die Rüstungsindustrie eine hohe Nachfrage. Diese Unterschiede erschweren einen Abschluss, der sowohl die Belastbarkeit schwächerer Unternehmen als auch die Einkommensinteressen der Beschäftigten berücksichtigt.
Die IG Metall verbindet ihre Lohnforderung deshalb mit dem Thema Beschäftigungssicherung. Für die Beschäftigten geht es neben dem verfügbaren Einkommen um die Frage, ob Standorte und Ausbildungsplätze erhalten bleiben. Das Arbeitgeberangebot liegt zeitlich weit hinter der Forderung der Gewerkschaft zurück: Einer Einmalzahlung im Jahr 2027 soll erst im Juli 2028 eine dauerhafte Erhöhung folgen. Die Gewerkschaft bewertet dies als unzureichend, weil die Kaufkraftentwicklung und die bereits geleisteten Zugeständnisse in den Betrieben berücksichtigt werden müssten.
Warnstreiks erhöhen den Druck
Mit dem Ende der Friedenspflicht können kurzfristige Arbeitsniederlegungen die Verhandlungen spürbar belasten. Die bisherigen Aktionen dienen vor allem dazu, die Mobilisierungsfähigkeit zu zeigen und die Arbeitgeber vor der dritten Runde zu einem neuen Angebot zu bewegen. Sollte die Gewerkschaft die Warnstreiks ausweiten, könnten Produktionsabläufe in zentralen Industriezweigen stärker beeinträchtigt werden.
Für Verbraucher und die Gesamtwirtschaft bleibt der Konflikt vor allem über mögliche Folgen für Lieferketten, Produktionszeiten und regionale Arbeitsplätze relevant. Ein Abschluss hätte wegen der rund 3,7 Millionen Beschäftigten zudem Signalwirkung für weitere Tarifrunden. Entscheidend ist, ob die Parteien die Lohnfrage mit verbindlichen Zusagen zur industriellen Zukunft verbinden können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
SWR: „Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie“ (02.11.2026)
Der SWR berichtet über die ersten Warnstreiks im Südwesten und bestätigt die weit auseinanderliegenden Positionen bei Forderung und Angebot. Der Schwerpunkt liegt auf regionalen Aktionen und der wirtschaftlich schwierigen Lage vieler Unternehmen.
BR24: „Erste Warnstreiks: IG Metall erhöht den Druck im Tarifkonflikt“ (02.11.2026)
BR24 stellt die fünfprozentige Forderung der Gewerkschaft dem Arbeitgeberangebot gegenüber und beschreibt die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen innerhalb der Branche. Offen bleibt, ob die Warnstreiks vor der nächsten Verhandlungsrunde zu einer Annäherung führen.
Beide Beiträge schildern verhärtete Fronten und laufende Warnstreiks. Unterschiede ergeben sich vor allem beim regionalen Fokus: Der SWR konzentriert sich auf Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, BR24 auf Bayern und die dortige Branchenstruktur.
