IG Metall fordert 5 Prozent mehr Lohn: Verhandlungen starten im Oktober
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Vorstand der IG Metall hat seine Forderung für die anstehende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie beschlossen. Die Gewerkschaft verlangt für die über 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche ein Entgeltplus von 5 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
Neben der prozentualen Erhöhung umfasst das Forderungspaket eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen, Maßnahmen zur Beschäftigungs- und Zukunftssicherung sowie eine Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben. Für den Volkswagen-Konzern, für den ein eigener Haustarif gilt, fordert die Gewerkschaft ebenfalls eine Entgelterhöhung von 5 Prozent bei 12 Monaten Laufzeit.
Begründung und wirtschaftliche Differenzierung
Nach Angaben einer Tarifexpertin der Gewerkschaft vom 23. September 2026 teilen sich die geforderten 5 Prozent rechnerisch auf: Drei Prozentpunkte entfallen auf den Ausgleich von Inflation und Produktivität, während zwei Prozentpunkte der Umverteilung dienen sollen.
Die geforderte soziale Komponente wurde von der Gewerkschaft bislang nicht beziffert. Die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, betonte ebenfalls, dass drei Prozentpunkte für den Inflationsausgleich erforderlich seien.
Die angestrebte Gewinnbeteiligung solle Beschäftigte in über der Hälfte der Branche erfassen. Am 23. September 2026 wurde berichtet, dass diese Komponente insbesondere Bereiche wie die Rüstungsindustrie, den Schiffbau sowie die Luft- und Raumfahrt betreffe.
Die Gewerkschaft begründet ihr Vorgehen mit einer zweigeteilten Lage in der Industrie. Während der Auftragsbestand in zwei Dritteln der Betriebe gut oder sehr gut ausfalle, sei die Situation bei einem Drittel der Unternehmen schlecht bis sehr schlecht. Betroffen von der Schwäche seien vor allem der Maschinenbau und die Automobilindustrie.
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Benner wies zudem Forderungen nach längeren Arbeitszeiten zurück und warnte davor, dass eine Kündigung des Manteltarifvertrags zur Arbeitszeit einen Angriff auf die 35-Stunden-Woche darstellen würde. Bei einem bundesweiten Aktionstag zur Einstimmung auf die Tarifrunde beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 175.000 Beschäftigte.
Arbeitgeberverbände weisen Forderungskatalog zurück
Der Gesamtverband der metallindustriellen Arbeitgeberverbände Gesamtmetall wies den Beschluss der Gewerkschaft zurück und bezeichnete die Forderung als realitätsfern. Auch die regionalen Verbände reagierten mit deutlicher Kritik. Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie lehnte die Forderungen nach fünf Prozent mehr Entgelt, einer Gewinnbeteiligung und einer sozialen Komponente ab.
Der Verband verwies darauf, dass die Produktion in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie um mehr als 15 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2018 liege. Zudem meldeten 40 Prozent der bayerischen Betriebe Produktionsbehinderungen durch ausbleibende Aufträge.
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Auch die geforderte Anhebung der Ausbildungsvergütung um 110 Euro stößt in Bayern auf Widerspruch; die Arbeitgeberseite verwies darauf, dass im Jahr 2024 bereits eine Steigerung um 140 Euro zuzüglich 3,1 Prozent vereinbart worden sei.
Der bayerische Arbeitgeberverband bayme vbm bezeichnete das Gesamtpaket als deutlich überzogen. Ähnlich äußerte sich der Verband der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes ME Saar. Seit 2018 sei die Produktion um 15 Prozent gesunken, während die Tarifentgelte im selben Zeitraum um 20,5 Prozent gestiegen seien.
Auftakt der Verhandlungen im Oktober
Die regionalen Tarifgespräche starten Anfang Oktober. Für den Bezirk Mitte, wo die IG Metall unter anderem für das Saarland ebenfalls 5 Prozent bei 12 Monaten Laufzeit sowie Standortschutz verlangt, beginnen die Verhandlungen am 9. Oktober in Frankfurt am Main.
In München treffen die Tarifparteien am 8. Oktober zusammen, die ersten regionalen Verhandlungen bundesweit beginnen ab dem 7. Oktober. Die Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie endet am 31. Oktober, womit ab dem 1. November Warnstreiks möglich sind.
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