IFRS-Standards: Südostasien-Partnerschaft fördert ESG-Berichterstattung
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 22:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der weltweiten Bemühungen um eine Vereinheitlichung der Nachhaltigkeitsberichterstattung hat die IFRS-Stiftung eine wegweisende Kooperation in Südostasien geschlossen. Das Unternehmen LO-CARB wurde zum ersten offiziellen Partner der IFRS-Stiftung in Thailand ernannt.
Ziel dieser Zusammenarbeit ist die gezielte Förderung und Implementierung der Standards IFRS S1 und IFRS S2. Diese Partnerschaft soll thailändische Unternehmen dabei unterstützen, ökologische, soziale und unternehmensbezogene Aspekte (ESG) nicht nur als Berichtspflicht, sondern als strategisches Instrument für ihre Geschäftsentwicklung zu nutzen.
Regionale Impulse für globale Transparenz
Die Ernennung von LO-CARB fällt in eine Phase, in der die regulatorischen Anforderungen an die Nachhaltigkeit weltweit zunehmen. Ähnliche Bestrebungen zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) zeigt das UN Global Compact Network Malaysia and Brunei.
Die Organisation stellt Ressourcen wie den SME ESG Hub und einen Leitfaden für Nachhaltigkeitsmaßnahmen zur Verfügung. Shanta Helena Dwarkasing betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, insbesondere für verbrauchernahe KMU einfache Optionen für die ESG-Berichterstattung zu schaffen.
Fortschritte bei der Standardisierung zeigen sich auch im medizinischen Sektor. Das Unternehmen HK inno.N gab bekannt, dass sein Präparat Kepacab 50 mg die weltweit erste EPD-Zertifizierung für orale Fertigarzneimittel erhalten habe. Die Registrierung erfolgte im Juni bei EPD-Global und stützt sich auf internationale Normen wie ISO 14025 sowie Lebenszyklusanalysen nach ISO 14040 und ISO 14044. Das Medikament wird in 55 Ländern vertrieben.
Regulatorischer Druck und technologischer Wandel
Der Bedarf an präzisen Daten wird durch strengere gesetzliche Rahmenbedingungen verschärft. Merck, PwC und die Hashgraph Group haben ein Pilotprojekt gestartet, um die Rückverfolgbarkeit von Kakao über die Hedera-Blockchain zu gewährleisten.
Hintergrund ist eine EU-weite Pflicht, die ab dem 30. Dezember 2026 greift. Bei Verstößen drohen Sanktionen von bis zu 4 % des Jahresumsatzes. Die technische Lösung integriert Systeme wie TrackTrace und M-Trust.
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Gleichzeitig verdeutlichen aktuelle Daten von Swiss Re den wachsenden Absicherungsbedarf. Der Rückversicherer beobachtet, dass die Schäden durch Naturkatastrophen jährlich um 5 bis 7 % steigen. In einem Extremszenario für das laufende Jahr wird ein Schadenspotenzial von 320 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
Besonders die Schäden durch Waldbrände in Europa nehmen laut Swiss Re jährlich um 8 bis 11 % zu. Parallel dazu entstehen neue Marktsegmente: Für Rechenzentren wird bis zum Jahr 2030 ein Prämienpotenzial von 91 Milliarden US-Dollar erwartet, während die gewerbliche Haftpflicht bereits im Jahr 2025 ein Volumen von 174 Milliarden US-Douglas erreichte.
Transformation in der unternehmerischen Praxis
Auf operativer Ebene setzen Unternehmen verstärkt auf technologische Innovationen zur Emissionsminderung. Leonhard Kurz nahm in Sulzbach-Rosenberg eine Power-to-Heat-Anlage in Betrieb. Die Anlage besteht aus einem 3-MW-Elektroheizer und einem 12-MWh-Speicher. Damit können laut Unternehmensangaben mehr als 70 % des Wärmebedarfs einer Produktionslinie gedeckt werden, was eine CO2-Einsparung von über 700 Tonnen pro Jahr ermögliche.
Auch im kommunalen Sektor gewinnt die Berichterstattung an Tiefe. Die Stadtwerke Osnabrück veröffentlichten ihren ersten konzernweiten CSRD-Nachhaltigkeitsbericht. Darin wird unter anderem angeführt, dass die Busflotte der SWO Mobil bis zum Herbst 2025 zu 94 % elektrisch betrieben wurde. Im Zeitraum von 2019 bis 2025 seien dadurch 10.200 Tonnen CO2 vermieden worden.
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Trotz dieser Fortschritte mahnen Wissenschaftler zur Sorgfalt bei der Umsetzung. Eine Studie der Universität Hongkong, der Bentley University und der Universität Melbourne weist darauf hin, dass Unternehmen unter hohem ESG-Druck dazu neigen, Emissionen auf Zulieferer zu verlagern, ohne die Gesamtemissionen tatsächlich zu senken.
Professionalisierung durch Gremien und Fortbildung
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, passen Firmen ihre internen Strukturen an. Kakao Pay richtet derzeit einen ESG-Ausschuss unter der Leitung des CEO ein, dem zwei externe Direktoren und acht interne Führungskräfte angehören sollen. Die formelle Verankerung im Vorstand ist für die nächste Hauptversammlung geplant.
Parallel dazu wächst das Angebot an Fachzertifizierungen. Der Marketing Club Österreich bietet ab Oktober ein Programm zum zertifizierten Nachhaltigkeitsexperten an.
Auch die Akademie Heidelberg thematisiert die Verbindung von CSRD und Risikomanagement in einem Seminar Anfang des kommenden Jahres, bei dem Dr. Laurin Lilly-Laona Friedrich von der Lloyds Bank als Referentin fungiert. Hierbei stehen insbesondere Themen wie die doppelte Wesentlichkeit und die Steuerung von ESG-Risiken im Fokus.
