Ifo-Geschäftsklima, Deutsche Wirtschaft

Ifo-Index steigt auf 90,2 Punkte – sechstes Plus in Folge

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 11:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Unternehmen blicken optimistischer auf die kommenden Monate, obwohl Energiepreise und geopolitische Risiken die Wirtschaft belasten. Besonders die Industrie sendet wieder bessere Signale, während Dienstleistungen und Handel schwächer bleiben.

Unternehmen erwarten bessere Geschäfte

  • Das Ifo-Geschäftsklima stieg im Oktober um 0,3 Punkte auf 90,2 Punkte.
  • Der Index erreichte damit den höchsten Stand seit Frühjahr 2023.
  • Das Ifo-Institut erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent.
  • Mit der Konjunktur in Deutschland scheint es weiter aufwärts zu gehen. (Symbolbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Das Niedrigwasser dürfte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal gebremst haben - Bild: Thomas Riedel/dpa
Mit der Konjunktur in Deutschland scheint es weiter aufwärts zu gehen. (Symbolbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Das Niedrigwasser dürfte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal gebremst haben - Bild: Thomas Riedel/dpa

Ifo-Geschäftsklima erreicht 90,2 Punkte

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober trotz gestiegener Energiepreise und des Iran-Kriegs weiter verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima stieg um 0,3 Punkte auf 90,2 Punkte und legte damit den sechsten Monat in Folge zu.

Höchster Stand seit Frühjahr 2023

Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer erreichte den höchsten Stand seit Frühjahr 2023 und übertraf die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einer Stagnation bei 89,9 Punkten gerechnet hatten. Ifo-Präsident Clemens Fuest erklärte, die Konjunkturbelebung setze sich fort.

Den Ausschlag gaben vor allem die Erwartungen der Unternehmen an ihre künftigen Geschäfte. Ihre Einschätzung der aktuellen Lage fiel dagegen schwächer aus.

Industrie verbessert ihre Aussichten

Im Dienstleistungssektor trübte sich die Stimmung ein, im Handel stagnierte sie. Am Bau hellte sie sich auf, besonders deutlich verbesserte sich das Barometer für die deutsche Industrie.

Dort bewerteten die Unternehmen sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen besser. Nach Darstellung des Ifo-Instituts drehten beide Indikatoren erstmals seit mehr als drei Jahren wieder ins Plus.

Prognosen für 2026 steigen

Die deutsche Wirtschaft erweist sich seit Monaten als robuster als im Frühjahr befürchtet. Die Bundesregierung hat ihre Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2026 auf 1,3 Prozent Wachstum gegenüber 2025 mehr als verdoppelt.

Das Ifo-Institut erwartet für 2026 ein Wachstum von 1,4 Prozent. 2025 war das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,2 Prozent gestiegen; in den beiden Jahren davor war die Wirtschaft geschrumpft.

Bundesbank rechnet mit Wachstum zum Jahresende

Der Anstieg des Ifo-Index fällt in eine Phase höherer Energiepreise, die besonders die Industrie belasten. Zugleich bremsen das Niedrigwasser und geopolitische Risiken die Wirtschaft in einzelnen Bereichen.

Die Bundesbank erwartet wegen der Folgen des Niedrigwassers eine Stagnation der deutschen Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2026. Für das vierte Quartal rechnet sie wieder mit einem spürbaren Wachstum.

Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas markiert eine vorsichtige Verbesserung der Erwartungen, aber noch keinen breiten Aufschwung. Entscheidend ist, dass die Unternehmen ihre künftigen Geschäfte optimistischer beurteilen, während die aktuelle Lage schwächer eingeschätzt wird. Das spricht für eine Erholung, die bislang stärker auf Hoffnungen als auf bereits kräftiger Nachfrage beruht.

Die Branchenentwicklung bleibt uneinheitlich. Die Industrie, die besonders unter Energiepreisen, schwacher Auslandsnachfrage und strukturellem Anpassungsdruck gelitten hat, liefert wieder bessere Signale. Gleichzeitig bremsen die schwächere Stimmung bei Dienstleistungen und die Stagnation im Handel eine dynamische Belebung. Für Unternehmen und Beschäftigte bedeutet das: Die Erholung dürfte zunächst von Investitionen, Produktionserwartungen und einer Stabilisierung der internationalen Nachfrage abhängen.

Energiepreise und Risiken

Besonders relevant ist der Anstieg angesichts höherer Energiepreise. Steigende Kosten belasten Margen und Kaufkraft, können die Erholung also jederzeit abbremsen. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten, US-Zölle, der Wettbewerbsdruck aus China und die Folgen des Niedrigwassers für einzelne Produktionszweige.

Die Prognosen für 2026 fallen dennoch günstiger aus als zuvor. Das Ifo-Institut erwartet ein Wachstum von 1,4 Prozent, die Bundesregierung 1,3 Prozent. Die Bundesbank rechnet zunächst mit einer Stagnation im dritten Quartal, erwartet aber im vierten Quartal wieder ein spürbares Wachstum. Für die Leser bedeutet das vor allem eine gemischte Lage: Bessere Geschäftserwartungen erhöhen die Aussicht auf eine Stabilisierung, garantieren aber weder sinkende Preise noch eine rasche Entlastung am Arbeitsmarkt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Ifo-Index steigt sechstes Mal in Folge“ (26.10.2026)

Der Beitrag bestätige den Anstieg auf 90,2 Punkte und den sechsten Zuwachs in Folge. Er stelle die Umfrage unter rund 9.000 Führungskräften und die fortgesetzte Belebung der Wirtschaft in den Mittelpunkt.

n-tv: „Ifo: Deutschlands Wirtschaftsaufschwung setzt sich fort“ (26.10.2026)

Der Bericht bestätige ebenfalls den Anstieg und hebe die unterschiedliche Entwicklung von aktueller Lage und Erwartungen hervor. Zusätzlich ordne er das Ergebnis im Verhältnis zu einer Einkaufsmanagerumfrage ein, die zuletzt auf ein nachlassendes Tempo der deutschen Wirtschaft hingedeutet habe.

Beide Beiträge stimmten beim verbesserten Ifo-Wert und der Serie von sechs Anstiegen überein. Unterschiedliche Akzente setzten sie bei der Einordnung: Während der Deutschlandfunk die Kernzahlen knapp zusammenfasse, betone n-tv die Branchen- und Umfrageunterschiede.

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